Zu viel Salz ist tödlich. Was meint dann Jesus, wenn er sagt: "Ihr seid das Salz der Erde"?
Sendetext:
Salz kann eine gefährliche Substanz sein. Schon viele Menschen sind verdurstet, obwohl jede Menge Wasser um sie herum war – leider war es ein Ozean. Dieses Wasser können wir nicht trinken, ohne Schaden zu nehmen.
Vor einigen Jahren habe ich im Toten Meer gebadet. Ich habe versucht zu schwimmen, aber es war unmöglich. Auf dem Rücken liegen ist okay. Aber beim Brustschwimmen ist der Auftrieb durch den Salzgehalt des Wassers so stark, dass die Masse des Körpers den Kopf unter Wasser drücken würde. Man droht zu ertrinken. Zu viel Salz tötet Leben, ist Gift für die Umgebung.
Wie ist dann aber der Satz von Jesus zu verstehen: "Ihr seid das Salz der Erde"? Bei Kommunalwahlen tauchen immer wieder mal kleine christliche Parteien auf, die am liebsten alles fundamentalistisch nach ihren eigenen Normen durchgestalten möchten. Sie glauben, das sei auch für die anderen das Beste. Das ist für meinen Geschmack eine Überdosis. Zu viel Salz ist ungenießbar.
Eine Prise Salz gehört in die Suppe, weckt Genüsse, macht Speisen würzig und aromatisch. Salz als ein Vorausgeschmack macht Appetit auf mehr. So sollen Christen in dieser Gesellschaft sein, finde ich. Sie sollen einladen zum guten Essen, zum guten Leben. Zu viel Salz dagegen erstickt das Essen ebenso wie das Leben. Man wendet sich ab, verzieht das Gesicht und sucht die Freude woanders.
Jesus sagt einmal kurz und knapp: "Das Salz ist gut." Was Jesus dann weiter sagt, überrascht mich – und gefällt mir: "Habt Salz bei euch und haltet Frieden miteinander." (Markus 9,50)
Salz und Frieden sind eine gute Kombination, ein prima Kochrezept für das Miteinander aller. Ich liebe köstliches Essen, zu dem Familie und Freunde eingeladen werden. Ich genieße die interessanten Gespräche, auch ernste Diskussionen, tröstende Worte, wohltuende Gesten, Spielen und Tanzen. Man freut sich, dass man sich hat, gemeinsam lachen, gemeinsam weinen kann. Das ist Frieden für mich.
Dieses Bild von einem Festmahl habe ich vor Augen, wenn ich mir vorstelle, wie Christinnen und Christen in dieser Gesellschaft Salz sein können: Habt Salz bei euch und haltet Frieden miteinander!
Es gilt das gesprochene Wort.
Feedback zur Sendung? Hier geht's zur Umfrage!