Ekstase erleben viele im Berliner Technoclub Berghain. Die spanische Sängerin Rosalía bringt mit ihrem neuen Album dorthin die Ekstase christlicher Mystikerinnen.
Sendetext:
Christliche Mystik im Berliner Technoclub. Das verkörpert der Song "Berghain" der spanischen Sängerin Rosalia. Benannt ist das Lied nach dem weltberühmten Nachtclub in Berlin.
Rosalia gehört zu den erfolgreichsten spanischen Musikerinnen weltweit. Über 20 Millionen Menschen hören monatlich ihre Songs. Bisher war sie vor allem bekannt für energiegeladene Partyhymnen mit spanischem Rhythmus. Doch auf ihrem neuen Album "Lux" zeigt sie sich von einer ganz anderen Seite.
"Lux" klingt ungewöhnlich. Rosalía verbindet Pop und Oper, Techno und klassische Musik. Das Besondere aber ist das Thema des Albums: Inspiriert ist es von christlichen Mystikerinnen des Mittelalters. Rosalía greift Gedanken und Erfahrungen von Frauen wie Hildegard von Bingen oder Teresa von Ávila auf – und transportiert sie in die Lebenswelt junger Menschen heute. Damit trifft sie einen Nerv.
Die Mystikerinnen waren gebildete Frauen. Sie haben im Mittelalter von intensiver Gottesnähe erzählt. Von Visionen. Von Ekstase. Von einem Gefühl, ganz mit Gott verbunden zu sein.
Jesus Christus als menschgewordener Gott spielt dabei eine wichtige Rolle. Für Hildegard von Bingen verbindet Jesus Himmel und Erde, Geist und menschliche Leiblichkeit. Darum versteht sie ihren eigenen Glauben ganzheitlich: Der Mensch begegnet Gott mit Verstand und mit seinem Körper und Gefühlen. Die Mystikerinnen haben Christus oft als geliebte Person oder sogar "Bräutigam der Seele" beschrieben.
Diese Verbindung von Seele und Körper fasziniert bis heute. Achtsamkeit, Meditation oder spirituelle Yoga-Angebote sind längst Teil des Alltags vieler junger Menschen. Ich vermute, dahinter steckt eine ähnliche Sehnsucht wie damals: den eigenen Alltag überschreiten. Etwas Tieferes spüren.
Rosalía gibt dieser Sehnsucht eine neue Form. Sie holt die christliche Mystik aus dem Mittelalter heraus und setzt sie mitten in die Gegenwart. Der Berliner Technoclub wird zum Ort spiritueller Erfahrung. Dort, wo Menschen nachts tanzen, sich verlieren, sich dem Rhythmus hingeben. Die ekstatische Dimension der Mystik findet hier eine zeitgenössische Entsprechung. So wird aus einer jahrhundertealten Tradition eine neue, lebendige Interpretation.
Vielleicht berührt das Album "Lux" deshalb so viele Menschen. Lux heißt Licht. Das Album taucht die Sehnsucht nach Gottesbegegnung in neues Licht: in neue Sprache, an ungewohnten Orten, mit neuen Klängen.
Es gilt das gesprochene Wort.
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