Gemeinfrei via Fundus/ Jürgen Treiber
Barfuß
Ohne Schuhe den Boden spüren
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29.05.2026 06:20

Barfuß gehen wird heute medizinisch empfohlen. Früher war es ein Zeichen von Armut. Jesus hat bewusst auf Schuhe verzichtet – und viele in seiner Nachfolge. Wer es ausprobiert, erlebt eine neue Art Bodenständigkeit.

Sendetext:

In dieser Jahreszeit liebe ich es, Schuhe und Strümpfe auszuziehen. Barfuß über eine Wiese mit Moos zu laufen, fühlt sich an wie ein Teppich. Kies und Steine, der Rindenmulch wirken wie eine Massage. Laut Ärzten sollen Luft, Wasser, Untergrund den Füßen wohl bekommen und Degenerierungen oder orthopädischen Beschwerden entgegen wirken.

Barfuß laufen – was sich heute für manche hier wie Luxus anfühlt, ist in Antike und Mittelalter Zeichen von Armut oder auch von Demut. Im alten Griechenland dürfen nur freie Bürger eigene Schuhe besitzen. Rote Sandalen trägt allein der römische Kaiser. Als Barfüßer werden einige hundert Jahre später verschiedene Kloster-Orden bezeichnet. Sie leben so einfach wie möglich – so, wie es Jesus getan hat.

Eine historisch bekannte Frau, die sogar im Winter barfuß gegangen sein soll, ist Hedwig. Aus Andechs in Bayern stammend, wird sie Ende des 12. Jahrhunderts mit dem polnischen Herzog Heinrich I. verheiratet und damit Fürstin von Schlesien. Viele Schlesier wurden im Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben und machten sich zu Fuß auf den weiten Weg Richtung Westen. Sie nahmen ihre Verehrung für Hedwig mit in ihre neuen Wohngebiete und Pfarrgemeinden. Denn Hedwig lebt damals Nächstenliebe ganz konkret, unterstützt die Kirche und hilft den Armen. Ihr Spleen, barfuß zu laufen, ist auch damals ungewöhnlich. Erzählt wird, dass ihr Beichtvater sie ermahnt, Schuhe zu tragen. Woraufhin sie die Schuhe in die Hand nimmt. Und so wird sie oft auf Bildern dargestellt: mit Schuhen in der einen und einer Kirche in der anderen Hand.

Auch Jesus empfiehlt seinen Anhängern, keine Schuhe zu tragen. Denn er verachtet alle äußeren Symbole der Macht. Um ein glänzendes, herrschaftliches, machtvolles Erscheinungsbild geht es ihm nie. Stattdessen um eine unmittelbare Verbindung zu Gott, zu den anderen Menschen, zu allem, was ihn umgibt.

Wer barfuß läuft, weiß: Auftrumpfen, aufstampfen mit der nackten Fußsohle – das funktioniert nicht. Und glücklicherweise ebenso wenig das Umknicken. Behutsames Ertasten des Untergrundes stärkt Muskeln und Bänder des Fußes und führt zu neuer Verbundenheit mit der Schöpfung. Meine Empfehlung: Diese Art Bodenständigkeit einfach einmal ausprobieren!

Es gilt das gesprochene Wort.

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