Ein Illustrator hat für die Titelseite eines Magazins Jesus dargestellt. Er zeigt ihn anders als viele andere Jesusbilder. Das hat für Empörung gesorgt.
Sendetext lesen:
Ich habe jemanden getroffen, der sich für sein Bild von Jesus rechtfertigen musste.
Samson Goetze ist Illustrator. Die Chefredaktion eines deutschlandweiten Magazins hat ihn beauftragt: Wir brauchen Jesus auf dem Titel.
Und so sah der Jesus von Samson Goetze dann aus:
Ein Mann im beigefarbenen Umhang. Er sitzt an einem Tisch. Mit den Ellbogen stützt er sich auf die Tischplatte. Mittellange Haare, braune Augen, Bart. Dunkle Haut, schräg geneigter Kopf, Sorgenfalten auf der Stirn. Die Hände suchen nach einem Gegenüber.
Samson Goetze hat sich auf historische Darstellungen spezialisiert. Er versetzt sich in die vergangene Zeit und malt Menschen mit ausdrucksstarken Gesichtern. Zu seinen Auftraggebern zählen Magazine und Museen, darunter auch das Museumsdorf Düppel im Westen Berlins. Dort habe ich Samson Goetze getroffen. Wir waren beide bei der Eröffnung einer Ausstellung: Er, weil er Menschen gemalt hat, die möglicherweise vor 800 Jahren in Düppel gelebt haben. Ich, weil ich neben dem Studium für das Museum gearbeitet habe.
Ich hatte gehört, dass er den Jesus auf dem Magazin-Cover gestaltet hat. Wie er zu dem Bild gekommen sei?, habe ich den Illustrator gefragt. Goetze erzählt: Er hat viel recherchiert. Er hat Texte aus der Zeit Jesu gelesen. Und er hat forensische Befunde herangezogen – dabei rekonstruieren Forscher Gesichter auf der Grundlage von alten Schädeln. So hat Goetze sich für die Gesichtszüge von seinem Jesus entschieden, die er schließlich gemalt hat.
Es gab viele Reaktionen auf das Titelbild. Eine Reaktion habe ihn besonders überrascht: Manche Leser*innen haben sich darüber empört, dass sein Jesus dunkle Haut hat. Für manche Menschen scheint das nicht in ihr Bild zu passen.
Wer Jesus mit weißer Haut im Kopf hat, schließt alle anderen Hautfarben aus. Wir wissen nicht, wie der historische Jesus aussah. Aber wir können uns einem Bild von ihm annähern. So wie der Illustrator es getan hat. Mit dem Wissen, das wir über die Menschen seiner Zeit und seiner Heimat haben. Wir können uns an historischen und regionalen Fakten orientieren. Schließlich war Jesus mindestens auch Mensch.
Und Christinnen und Christen glauben: Er war Gottes Sohn.
Was macht das mit unserer Vorstellung von Gott? Auch von Gott gibt es viele sehr feste Bilder. Zahlreiche Gemälde zeigen ihn als alten, weißen Mann. Also kann ich mir Gott nicht als junge Frau vorstellen? Als schwarze junge Frau? Doch, ich kann.
Gott übersteigt unsere Vorstellungskraft. Mein persönliches Bild von Gott ist eine Vorstellung, zeigt eine Weise, wie ich Gott erlebe. Gleichzeitig denke ich immer mit: Gott ist mehr. Mehr als die Bilder, die ich mir von ihm mache, und mehr als die Worte, die ich für sie finde.
Es gilt das gesprochene Wort.
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