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Ein randvoller Briefkasten – ist er nicht mehr in Funktion oder schreiben so viele Leute schöne Briefe an ihre Lieben? Bevor sich unsere Autorin ärgert, entscheidet sie sich für die zweite Möglichkeit.
Briefkasten
Liebespost und Bergpredigt
10.12.2025 06:20

Ein randvoller Briefkasten – ist er nicht mehr in Funktion oder schreiben so viele Leute schöne Briefe an ihre Lieben? Bevor sich unsere Autorin ärgert, entscheidet sie sich für die zweite Möglichkeit.

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Muttertag war nur ein paar Tage entfernt, als ich meinen roten Briefumschlag zum Briefkasten gebracht habe. Ich habe ihn eingeworfen und dann erst bemerkt: Der Briefkasten war bis zum Anschlag gefüllt. Mein Brief rutschte zwischen andere Kuverts. Durch den Schlitz konnte ich ihn immer noch sehen. So hoch stapelten sich die Briefe in allen möglichen Größen und Farben. Mein erster Gedanke: Mist! Ich habe einen Briefkasten erwischt, der nicht mehr geleert wird. Darum stecken hier Briefe bis oben hin. Und nun ist mein Brief unter ihnen und meine Mama wird ihre Muttertagspost nie erhalten!

Oh nein! Nun habe ich mir umsonst die liebevolle Mühe gemacht. Ich spüre meinen Ärger und Frust aufsteigen. Da denke ich an einen Satz aus der Bergpredigt von Jesus: "Macht euch keine Sorgen!" (Matthäus 6,31) Auch nicht über solche Sachen, die im Vergleich zu wirklichen Problemen klein sind und trotzdem Ärger und Enttäuschung verursachen.

Den Sorgen nicht den Vorrang lassen. Daran erinnert Jesus. Wenn ich die Sorgenbrille ablege, dann ergeben sich plötzlich ganz andere Perspektiven. Bei dem Briefkasten ist das so. Bei ihm handelt es sich nicht um einen vergessenen Briefkasten. Seit Wochen nicht mehr geleert, weshalb verwaiste Briefumschläge aus ihm herausquellen. Stattdessen: Ein Briefkasten voll mit Liebesbotschaften.

Wenn ich mich nicht von meinen Sorgen leiten lasse, komme ich zu dem Schluss: Besonders viele Menschen aus meiner Stadt senden ihrer Mama zum Muttertag einen Brief. Darum ist der Briefkasten bis zum Bersten gefüllt. Viele nutzen den Anlass, um sich bei ihrer Mutter zu melden und ihr einen Brief zu schicken. So wie ich.

Ein kleiner, schöner Plot-Twist ist das: vom vergessenen Briefkasten zum Aufbewahrer vieler Liebesbotschaften. Wenn die Sorgen keine Deutungsmacht bekommen, dann sind Situationen überraschend schön. Darum sage ich mir den Satz von Jesus wie ein Mantra vor, wenn ich merke, dass mir etwas vorschnell aufs Gemüt drückt.

In diesem Fall hatte das Mantra recht: Meine Mama hat den roten Briefumschlag bekommen. Vielleicht quillt dieser Briefkasten bald wieder über: vor lauter Weihnachtspost.

Es gilt das gesprochene Wort.

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