Verrat und Verleugnung, höchste Nähe und tiefste Einsamkeit, Begeisterung und Mordslust. Die Leidensgeschichte Jesu ist voller großer Gefühle. Und voll der Hoffnung, dass Leiden nicht Leiden bleibt.
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Die sieben Wochen bis Ostern heißen Passionszeit. Passion. Zeit für Leiden und Leidenschaft. Mich packt immer neu, was für große Gefühle in der Leidensgeschichte von Jesus vorkommen. Da geht es um Verrat und Verleugnung, Zweifel und Verzweiflung, himmlische Nähe und gottverlassene Einsamkeit und um eine Begeisterung, die in Hass umschlägt.
So jubelt eine große Menschenmenge Jesus zu, als er in Jerusalem einzieht. Sie sind völlig aus dem Häuschen, rennen ihm entgegen, breiten ihre Kleider vor ihm aus wie einen roten Teppich und schwenken Palmzweige. Sie rufen: "Hosianna!" Das bedeutet: Hilf doch! Nur wenige Tage später wird dieselbe Menschenmenge ihn verurteilen und rufen: "Kreuzige ihn!"
Das passiert nicht aus dem Nichts. Jesus sorgt vorher für Aufsehen und Aufruhr. Im Tempel stößt er die Tische der Händler um. Sie wollen Glauben zu Geld machen. Jesus schreit sie an: "Das ist ein Gotteshaus und keine Räuberhöhle!" Die Tische im Tempel fallen, später kommen am Tisch des Herrn alle zusammen. Jesus feiert das Pessachmahl, von dem er weiß: Es wird sein letztes Abendmahl. Am Tisch sitzt auch der, der Jesus verraten wird.
Nach dem Festessen ziehen alle in den Garten. Jesus wünscht sich, dass seine Jünger mit ihm wachen. Aber sie dösen immer wieder weg.
Jesus deutet an, was er befürchtet: dass ihm Gewalt, Leid und Tod bevorstehen. Petrus, ein enger Freund Jesu, zeigt sich besonders kämpferisch: "Was auch passiert, ich stehe zu dir!" Noch in derselben Nacht wird er dreimal feige kundgeben: "Den kenne ich nicht!"
Und Jesus, der am Tisch eben noch reich ausgeschenkt hat, betet zu Gott: Lass diesen Kelch an mir vorübergehen!
Die Römer sahen in Jesus einen Unruhestifter. Die religiösen Führer betrachteten seine Lehre als Bedrohung für ihre Autorität. Und die Menschenmenge tat, was Menschenmengen oft tun: Sie ließ sich mitreißen. Erst von der Begeisterung, dann vom Hass. Ein Einzelner wird zum Opfer ausgerufen, und die Menge schaut zu.
Passion. Die Leidensgeschichte von Jesus lenkt meinen Blick auf die Mechanismen von mörderischer Macht, die es bis heute gibt. Sie öffnet mein Herz für die, die zu Opfern gemacht werden. Passion bleibt nicht beim Leiden stehen. Passion wird zur Leidenschaft für das Leben. Denn zur Passion gehört der Glaube: Diesen Jesus, dieses Opfer hat Gott zum Sieger gemacht. Die Gewalt hat nicht die letzte Macht. Der Tod ist tot. Das Leben siegt.
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