Gemeinfrei via Fundus/ Patrick Theumer
Eben noch feiern, aber mit Schlag Mitternacht: Schluss mit lustig! Fasten und Asche aufs Haupt. Unser Autor verbindet mit Aschermittwoch nicht nur Ernüchterung, sondern auch ein Versprechen.
Asche
Die leise Freiheit des Aschermittwochs
18.02.2026 06:20

Eben noch feiern, aber mit Schlag Mitternacht: Schluss mit lustig! Fasten und Asche aufs Haupt. Unser Autor verbindet mit Aschermittwoch nicht nur Ernüchterung, sondern auch ein Versprechen.

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Heute ist Aschermittwoch. Gestern noch war es vielerorts bunt und laut und ausgelassen. Nun dagegen ist Stille. Der Kalender macht dafür keinen sanften Übergang. Um Mitternacht ist alles vorbei: Die Musik verstummt, die Masken verschwinden. Der Alltag kehrt zurück – oft schneller, als uns lieb ist.

Asche ist ein starkes Symbol. Sie erinnert an das, was vergeht. Was verbrannt ist, bleibt nicht glänzend zurück. Asche ist grau, schmutzig, unscheinbar und leicht. Ein Windstoß genügt, und sie verweht. In der Bibel steht: "Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst." (1 Mose 3,19)

Das klingt hart und ist doch eine realistische Feststellung. Unser Leben ist begrenzt. Unsere Kräfte sind es auch. Wir sind nicht unendlich belastbar, nicht allmächtig, nicht immer stark. Auch der größte Jeck wird einmal müde. Aschermittwoch widerspricht der Illusion, alles im Griff zu haben. Zugleich liegt in diesem Tag eine leise Freiheit. Wenn ich nicht alles sein muss, wenn ich mir meine Begrenztheit eingestehen darf, dann kann ich neu anfangen. Die Asche markiert keinen Endpunkt, sondern einen Anfang. Sie steht am Beginn der Fastenzeit – einer Zeit der Klärung.

Fasten heißt nicht nur: weniger essen. Es kann heißen: weniger Lärm. Weniger Ablenkung. Weniger Selbsttäuschung. Mehr Aufmerksamkeit für das, was trägt. Für das, was wichtig ist. Aschermittwoch lädt ein zu einer Zeit des Innehaltens. Ehrlich werden. Vor sich selbst – und vor Gott. Nicht um sich klein zu machen, sondern um wieder Maß zu finden. Zwischen Wollen und Wirklichkeit. Zwischen Tempo und Tiefe.

Egal, ob Alkohol- oder TikTok-Fasten, ob bewusstes Reden oder anderes Hören - jede Neuorientierung kann einen Schnitt machen mit Verhaltensweisen, die für mich selbst und vielleicht auch für andere nicht gut sind. In einer Welt, in der scheinbar immer alles möglich ist, wirkt es umso intensiver, wenn ich die Kreisläufe des Gewohnten unterbreche. Das weist den Blick neu auf das Wesentliche.

Darum meint Aschermittwoch:

Asche aufs Haupt.

Das Falsche sehen, einsehen und selbst ein Einsehen haben.

Damit am Ende nicht alles nur Asche ist.

Es gilt das gesprochene Wort.

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