Gemeinfrei via Fundus/ Sandra Hirschke
Einige Berufe prägen nicht nur diejenigen, die sie ausüben, sondern auch deren Familie. Aufwachsen im Pfarrhaus zum Beispiel gibt einem viel mit: Schwieriges und Gutes.
Pfarrerskinder
Wie der Beruf der Eltern prägt
05.02.2026 06:20
Einige Berufe prägen nicht nur diejenigen, die sie ausüben, sondern auch deren Familie. Aufwachsen im Pfarrhaus zum Beispiel gibt einem viel mit: Schwieriges und Gutes.
Sendung lesen:

Es gibt Berufe, bei denen geht es nicht nur um den Menschen, der den Beruf ausübt – nicht nur um die Person, die ganze Familie steht im Fokus. Vom Sohn einer Lehrerin zum Beispiel wird in der Schule erwartet, dass er in dem Fach der Mutter ebenfalls glänzt. Sind die Eltern Musiker, erwartet man auch von den Kindern eine gewisse Musikalität. Pfarrerskinder teilen dieses Schicksal.

Ich selbst bin zwar Pfarrer, aber kein Pfarrerskind. Ich kenne diese besondere Perspektive also nicht selber. Aber in meiner Gemeinde fanden sich zwei Männer und drei Frauen, die in Pfarrhäusern aufgewachsen sind und über ihre Kindheit im Pfarrhaus reden wollten.

Bei allen hatte der Vater die Pfarr-Rolle inne. Die fünf sprachen zwar auch über ihre Mütter, über die Geschwister und die Gemeinde. Aber immer wieder kamen die Gespräche auf den Vater zurück: den Pfarrer.

Das elterliche Pfarrhaus hat ihnen einen guten Boden zum Wachsen geboten. Aber sie haben auch immer einen Erwartungsdruck gespürt. Alle in der Runde stimmen zu, als einer sagt: "Ich habe immer auf Vater geschaut, Vater aber hat immer über mich hinweg auf die Gemeinde geblickt. Irgendwie hatte ich schon als Kind das Gefühl: Er wartet ständig darauf, dass auch ich mich der Gemeinde zuwende. Erst die Gemeinde, dann die Familie. Erst der Hilfesuchende an der Tür, dann die Sorge für die Kinder."

An diesem Gesprächsabend war durchaus viel Dankbarkeit zu spüren gegenüber den Elternhäusern. Sie lobten die kluge und anregende Atmosphäre im Pfarrhaus, schätzten es, mit Büchern aufgewachsen zu sein. Aber alle fühlten, dass sie als Personen hinter der Mission des väterlichen Amtes häufig zu kurz gekommen sind.

Das geht nicht nur Pfarrerskinder so. Es gibt viele Kinder, deren Eltern sich stark engagieren im Beruf oder ehrenamtlich. Sie widmen sich einer wichtigen Aufgabe und verfolgen hohe Ideale. Die Gefahr ist groß, dass sie dabei den Blick verlieren für die, die unmittelbar um sie herum sind.

Das geschieht meist unbemerkt oder wird kleingeredet. Weil ihnen das andere so wichtig ist, rücken die Kinder an den Rand. Die sollen funktionieren und sich eingliedern. Schließlich geht es um ein hohes Ziel.

Immer wenn Erwachsene ihrer Mission mit großem Engagement nachgehen, ist Vorsicht geboten. Ich habe die fünf erwachsenen Pfarrkinder in der Gesprächsrunde gefragt: "Haben die Erfahrungen eurer Kindheit euch klüger werden lassen?" Sie haben gelächelt und vorsichtig gesagt: "Ein wenig schon."

Es gilt das gesprochene Wort.

Feedback zur Sendung? Hier geht's zur Umfrage!