Einfach da sein und wach bleiben. Eigentlich nicht viel verlangt. Aber manchmal versagt man ausgerechnet dann, wenn jemand Beistand braucht.
Sendetext:
Ein Mensch hat Angst. Todesangst. Er bittet seine Freunde: Bleibt bei mir und wacht mit mir! Aber die scheitern. Sie schlafen ein und lassen ihren Freund allein. So ist das in der Geschichte von Jesus im Garten Gethsemane.
Jesus spürt den Hass, den er auf sich geladen hat. Seine Predigt eines Gottes, der die Gnade über das Gesetz stellt, hat viele empört. Durch seinen Umgang mit Außenseitern hat er auch die einfachen Leute gegen sich aufgebracht. Einen Fresser und Säufer haben sie ihn genannt. Das schwelende Unbehagen gegen ihn hat sich in Jerusalem zu einer offenen Feindschaft zugespitzt. Dieser Mann muss sterben – so das Urteil seiner Widersacher.
Jesus weiß, nicht ihm als Person gilt diese Wut. In Wahrheit hassen sie den Gott, an den er glaubt. Und so ist es Gott selber, mit dem er im Garten Gethsemane das Gespräch sucht. "Lass diesen Kelch an mir vorübergehen", betet Jesus zu Gott. Und seine Jünger bittet er, ihm beizustehen in dieser Nacht der Entscheidung. "Betet mit mir", so fordert er sie auf. Petrus, Johannes und Jakobus sind an seiner Seite. Sie wollen ihn stärken.
Doch sie sind nicht in der Lage, die Bedeutung dieses Augenblicks zu erfassen. Wie also beten, wenn man nicht einmal weiß, wofür man beten soll? So mögen sich die Jünger gedacht haben. Jesus betet, die Jünger schlafen ein.
Ich denke an meine Einsätze als Notfallseelsorger und an meine Besuche in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Ich erinnere mich an meine Hilflosigkeit an der Seite von Verletzten, Schwerkranken oder Sterbenden. Oft hatte ich das Gefühl zu scheitern. Was habe ich in dieser Situation der Not zu sagen, wie kann ich angemessen beten?
Ich erinnere mich, wie ich an einem Krankenbett sitze und spüre: Meine Worte kommen nicht an. Aber ein Blick voller Erwartungen ruht auf mir. Die Zeit scheint stillzustehen, und ich rede dann doch, und ich spreche einen Psalm und bete das Vaterunser, und der Blick bleibt erwartungsvoll, und ich werde immer hilfloser, und mich überfällt Müdigkeit. Ich spüre: Ich darf noch nicht gehen und fühle doch, dass ich weg will, raus aus dem Zimmer, raus aus dem Gebäude.
Ich scheitere. Ich scheitere mit den Jüngern im Garten Gethsemane an einer Bitte, an einem Hilferuf, dem ich mich einfach nicht gewachsen fühle.
Es gilt das gesprochene Wort.
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