Mit wem würde ich mich an einen Tisch setzen? Und mit wem nicht? Jesus hat da eine klare Antwort.
Sendetext:
In den Evangelien finden sich zahlreiche Fragen Jesu. Ich löse sie aus dem Zusammenhang, kopiere sie in die Gegenwart. Jesus fragt, ich antworte. Gehe in Resonanz, wie man heute sagt. Mal sehen, was geschieht.
Jesu Frage, die ich mir heute vornehme: "Tun das nicht auch die Zöllner?" (Matthäus 5,46) Eine rhetorische Frage. Was tun Zöllner zur Zeit Jesu? Sie kollaborieren mit der römischen Besatzungsmacht und profitieren vom System. Sie treiben Zoll und Steuern ein. Dabei wandert einiges in ihre eigene Tasche. Es geht um Geld. Viel Geld. Zöllner sind unbeliebt. Man will nichts mit ihnen zu tun haben. Moralisch sind sie unten durch. Hashtag "Wir müssen leider draußen bleiben".
Jesus interessiert das nicht. Geld oder kein Geld - ist ihm egal. Er ist ja eher der "Sorget euch nicht"-Typ. In den Jahren seines öffentlichen Wirkens geht er keiner Erwerbstätigkeit nach. Er schnorrt sich durch und setzt auf die Gastfreundschaft anderer. Eine Lieblingsidee von Jesus: Leistung und Lohn entkoppeln. Geldlogiken sollen in dem Reich Gottes, das er vertritt, nicht regieren. Er provoziert und erschreckt seine Fans mit Sätzen wie: "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt." Gleichzeitig gilt: Mensch bleibt Mensch. Jesus ist kein Moralist. Auch Zöllner und Co sind willkommen.
Levi, ein Zöllner gehört zu seinem Inner Circle. Bei Zachäus, einem anderen Zöllner lädt er sich zum Essen ein. Gesinnungsunterschiede, Lifestyle-Fragen oder moralische Grauzonen sind kein Grund für Respektlosigkeit oder ein Hindernis für Gedankenaustausch. Jesus kann gut mit Persönlichkeiten, die ein Gefühl für die eigene Unzulänglichkeit haben. Und er hat ein feines Gespür für Angeber aller Art - in den besseren Kreisen und unter seinen Jüngern. Einige sind schon sehr von sich überzeugt, halten sich für eine Art Elite.
"Tun das nicht auch die Zöllner?", fragt Jesus und meint damit auch diesen "Wir sind die Guten"-Hype in der Jesustruppe. Zu denen sagt Jesus: "Ihr wollt bessere Menschen sein, dann bittet für die, die euch verfolgen." Klare Kante. Es scheint darum zu gehen, den Kreis derer, die dazugehören, maximal zu weiten.
Wer sich an die Idee herantastet, spürt den Widerstand des gesunden Menschenverstandes. Wie soll das gehen - die Feinde lieben? Aber das ist die Logik des Himmels: "Gott lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. So sollt ihr es auch machen." Also: Lasst die Zöllner rein und die anderen zweifelhaften Gestalten. Geschlossene Gesellschaft war gestern, sagt Jesus. Anspruchsvoll.
Es gilt das gesprochene Wort.
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