Gemeinfrei via Fundus/ Birgit Arndt
Hochzeitslied
Trostgesang für die Ehe
25.07.2026 06:20

Wer einander das Ja-Wort gibt, traut sich was. Zu diesem Mut gehört einiges.

Sendetext:

Heiraten, das ist ein großer Wurf in die Zukunft.

Geheiratet wurde auch in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, und das ist so selbstverständlich nicht. Denn das Vertrauenskonto auf eine gute Zukunft war bei den meisten aufgebraucht.

Paul Gerhardt hat deshalb ein Gedicht auf die Ehe geschrieben, genauer gesagt: Einen Trostgesang christlicher Eheleute. Er heißt: "Wenn Mann und Weib sich wohl begehn". Gemeint ist: begehren.

Wenn Mann und Weib sich wohl begehn

Und unverrückt beisammen stehn

Im Bande reiner Treue:

Da geht das Glück in vollem Lauf,

da sieht man wie der Engel Hauf

im Himmel selbst sich freue.

Kein Sturm,

kein Wurm

kann zerschlagen,

kann zernagen,

was Gott gibet,

dem Paar, das in ihm sich liebet.

Stürme sind zur Zeit von Paul Gerhardt über das Land gezogen, vor allem im übertragenen Sinne: die Stürme des Krieges. Manche Dörfer sind ausgelöscht. Junge Leute brauchten wirklich Mut, sich in eine ungewisse Zukunft zu versprechen. Aber sie taten es, weil das Leben ruft, auch gerade in solchen Zeiten, die perspektivlos scheinen: Das Leben ruft. Und wer einander das Ja-Wort gibt, sagt damit vor allen und allen anderen zur Freude: Ja zum Leben und Ja zur Zukunft.

Paul Gerhardts Trostgesang christlicher Eheleute verschweigt dann aber den realistischen Ehealltag nicht. Wenn sich zwei Menschen in Liebe und in Verantwortung füreinander entscheiden, dann sollen sie wissen, dass es Durststrecken gibt. Dass nicht nur Glückstränen fließen. Haltet dann durch, klingt durch seine Verse, denn Gott wird auch dieses Leid euch wenden. Haltet an der Liebe fest. Denn Liebe tut der Seele gut.

Allzu ernst wird’s dann aber nicht. Der Gerhardt’sche Reim lässt mich schon schmunzeln, wenn er schwitzen auf sitzen reimt. Einer, der weiß, wovon er spricht. Ehen, so sagt man, werden zwar im Himmel geschlossen, sie müssen aber auf der Erde gelebt werden. Kann schon mal schweißtreibend sein.

Zwar bleibt nicht aus, es kommt ja wohl

Ein Stündlein, da man Leides voll

Die Tränen lässet schießen.

Jedennoch wer sich in Geduld

Ergibt, des Leid wird Gottes Huld

In großen Freuden schließen.

Sitze,

schwitze

nur ein wenig!

Unser König

wird behende

Machen, dass die Angst sich wende.

Solche Hoffnungslieder auf die Liebe sind auch heute Gold wert. Ich feiere jedes Paar, das sich mutig aufmacht, gemeinsam in eine ungewisse Zukunft. Das "Ja" sagt zueinander, ohne Wenn und ohne Aber, und dabei im festen Vertrauen auf den, der mitträgt, der Schweiß und Tränen trocknet, Treue stärkt und Angst abwendet. "Ja, mit Gottes Hilfe".

Es gilt das gesprochene Wort.

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