Es waren nicht drei, sie waren nicht heilig und auch keine Könige. Unser Autor mag die Legenden rund um die Heiligen Drei Könige trotzdem.
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Für viele enden die weihnachtlichen Festtage heute mit einem letzten Höhepunkt: Die legendären Heiligen Drei Könige. Da geht es um Kaspar, Melchior und Balthasar, die drei Monarchen, die für Asien, Europa und Afrika stehen, die drei Kontinente, die damals den Menschen am Mittelmeer bekannt waren.
Mein evangelischer Religionslehrer hat diese Geschichten immer abgetan. Er meinte, zu den Heiligen Drei Königen müsse man nur wissen: Es waren nicht drei, sie waren nicht heilig, und Könige waren es auch nicht. Was die biblischen Worte betrifft, hat mein alter Lehrer recht gehabt.
Im Matthäusevangelium wird von Sterndeutern erzählt, die einem außergewöhnlichen Himmelsphänomen gefolgt sind: dem Stern von Bethlehem. Sterndeuter also. Das lässt sich auch mit Magier übersetzen. Ihre Anzahl wird gar nicht erst benannt, und ihre Heiligkeit, was auch immer damit gemeint sein könnte, auch nicht. In evangelischer Tradition heißen sie deshalb meist: Die Weisen aus dem Morgenland.
Später haben sich daraus Legenden gebildet, schöne Legenden, wie ich finde. In einer syrischen Tradition ist von zwölf Königen die Rede. Sie stehen für die Gemeinschaft aller Königreiche. Bei uns verbreitet sind die drei Könige. Sie haben jeweils eines der Geschenke in der Hand, die in der Bibel erwähnt werden: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und sie stehen für die Kontinente der damals bekannten Welt. Die Monarchen beugen die Knie vor dem Jesus-Kind.
Aus der Bewahrungsgeschichte einer Kleinfamilie wurde ein Weltereignis. Was in den Jahrhunderten dazuerzählt wurde, ist in der einen Legenden-geschmückten Weihnachtsszene verdichtet, alles auf den Punkt gebracht. Der Stern von Bethlehem strahlt über alle Grenzen hinweg. Die Friedensbotschaft gilt allen Menschen. Und damit rücken die Völker der Welt solidarisch zusammen.
Sinnbildlich dafür sammeln wir in den evangelischen Weihnachtsgottesdiensten immer kräftig für die Aktion "Brot für die Welt". Und sichtbar wird diese weltweite Verbundenheit auch dadurch, dass heute, am Dreikönigstag, katholische Kinder als Sternsinger von Haus zu Haus ziehen und Spenden sammeln für Kinder, die nicht so bequem den Winter überstehen wie die meisten bei uns.
Für mich unterstreichen die Heiligen Drei Könige: Die Menschen gehören in einer Menschheitsfamilie zusammen. Und wo die Mächtigen der Welt in Demut die Knie beugen vor den Kindern, da ist mir weniger bange um die Dinge, die das neue Jahr bereithält.
Es gilt das gesprochene Wort.
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