Spätestens jetzt beginnt das große Umtauschen. Ob passend oder nicht, groß oder klein: Ein Geschenk sagt viel über den, der schenkt.
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Die Bluse ist zu klein, das Buch war schon vorhanden, die Vase gefällt einfach nicht: In den Tagen nach Weihnachten wird mächtig umgetauscht. Manche Geschenke passen einfach nicht, Pech gehabt. Anderen Geschenken fehlt aber auch die nötige Liebe. Schrottwichteln oder andere nachweihnachtliche Tauschbörsen können vielleicht abhelfen, ein wenig Ärger bleibt aber doch.
Der Prototyp des Weihnachtsgeschenks findet sich in der Bibel. Die Weisen aus dem Morgenland bringen dem Jesuskind drei Geschenke mit, so steht es mit Liebe zum Detail: Gold und Weihrauch und Myrrhe. Wertvoll ist, was sie in den Viehstall bringen. Harte Währung, kostbare Düfte und heilsame Gewürze. Vielleicht wären Windeln und ein Kochlöffel für den Babybrei nützlicher gewesen. Aber da die Weisen ein hochherrschaftliches Neugeborenes erwartet hatten, waren sie nicht so pragmatisch eingestellt.
Über das richtige Schenken hat der Lyriker Joachim Ringelnatz bezaubernde Verse gedichtet: "Schenke groß oder klein, aber immer gediegen." Und was nun folgt, liest sich wie ein kleiner Lebensratgeber. Es kommt auf die innere Haltung an: "Wenn die Bedachten die Gaben wiegen, sei dein Gewissen rein." Das Schenken darf keine Formalität sein und schon gar kein taktisches Manöver, sondern etwas, das von Herzen kommt. An der Vorfreude lässt sich vieles ablesen: "Schenke herzlich und frei. Schenke dabei, was in dir wohnt an Meinung, Geschmack und Humor, so dass die eigene Freude zuvor dich reichlich belohnt."
Wir geben viel von uns selbst mit, wenn wir ein Geschenk überreichen. Wer schenkt, macht sich im schönsten Sinne durch-schaubar. Jedes Geschenk ist eine Mitteilung von dem, was mir selbst lieb und wert ist, das beobachtet der Dichter Joachim Ringelnatz perfekt.
Wann immer das gelingt, diese Verbindung zwischen meinem Herzschlag und einem Geschenk zu zeigen, dann ist es egal, ob Geschenke groß oder klein sind, ob Goldstück oder Holzkochlöffel. Noch einmal Ringelnatz: "Schenke mit Geist und ohne List. Sei eingedenk, dass dein Geschenk du selber bist."
In die allererste Szene des weihnachtlichen Schenkens haben sich später viele selbst hineingeschrieben. Sie stellen sich vor, dass sie selbst zur Krippe kommen wie ein Hirte oder ein Weiser aus dem Morgenland. Was schenken sie dem Jesuskind? "Ich komme, bringe und schenke dir", heißt es in einem Weihnachtslied. Und dann wird alles in die Krippe hineingelegt: "Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin."
Es gilt das gesprochene Wort.
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