Gemeinfrei via Fundus/ Christian Schaderna
Menschen mit wenig Geld sind oft freigiebiger als reiche Leute. Dafür gibt es gute Gründe.
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Mit wenig viel bewirken
06.02.2026 06:20
Menschen mit wenig Geld sind oft freigiebiger als reiche Leute. Dafür gibt es gute Gründe.
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Gemessen an ihren Möglichkeiten spenden Menschen mit wenig Geld mehr als reiche Leute.

Ich erinnere mich an eine Szene aus dem Film "Der Salzpfad". Da ist ein Paar auf einem langen Küstenmarsch unterwegs. Sie wollen der Obdachlosigkeit trotzen, in die sie geraten sind, nachdem all ihr Hab und Gut gepfändet wurde. Sie haben nichts mehr. Selbst das Bankkonto ist nach einer Fehlbuchung gesperrt. Ihnen bleibt nichts als ein bisschen Hartgeld. Das haben sie von Touristen erbettelt.

In dieser Situation treffen sie auf ein junges Mädchen, das in schlechte Kreise geraten ist und abzurutschen droht. Sie muss raus aus dem Milieu. Für die Fahrt zur Großmutter fehlt ihr das nötige Geld. Da kratzt das Ehepaar sein Geld zusammen und gibt es dem Mädchen. Und damit eröffnen sich ihr Chancen, sich in Sicherheit zu bringen. Die beiden haben nicht viel und das Wenige geben sie aus Mitleid weiter.

Nicht lange vorher allerdings war das Ehepaar noch wohlhabend. Hätte damals jemand bei ihnen an die Tür geklopft und auch nur ein Zehntel ihres Vermögens erbeten, sie hätten ihn mit großer Wahrscheinlichkeit abgewiesen.

Es geht bei dieser Gegenüberstellung weniger um Moral als um Struktur. Das Paar wusste in seiner eigenen Not: Das wenige Geld wird sie nicht retten. Für das Mädchen aber ist es die letzte Chance. Sie folgen der biblischen Weisheit, dass der nächste Tag schon für das Seine sorgen wird.

Hätten sie vorher ihren Wohlstand geteilt, dann hätten sie ganz andere Überlegungen angestellt. Das Ersparte hat einen anderen Stellenwert, hat eine andere Funktion als das Geld, mit dem man das tägliche Brot bezahlt. Wohlstand verspricht Sicherheit, Unabhängigkeit, Zukunft. Da vertraut man nicht mehr auf den nächsten Tag, an dem einen schon etwas zufallen wird. Da will man unabhängig sein, autonom, vorgesorgt haben.

Das berührt die Frage: Wovon leben wir? Und plötzlich geht es nicht um die Moral, sondern um unsere Einstellung zum Leben und, wenn man so will, um unseren Gottesbezug. Leben wir aus den Sicherheiten, die wir uns schaffen, die wir schützen und mehren? Oder leben wir aus dem Gefühl heraus, dass wir beschenkt sind und immer neu darauf vertrauen können, beschenkt zu werden?

Es lohnt sich, darüber nachzudenken: Wie viel muss ich haben, um geizig zu werden? Und ab wie wenig werde ich großzügig…?

Es gilt das gesprochene Wort.

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