Ein Paar hofft jahrelang auf ein Kind, aber es kommt nicht. Der Wunsch ist so groß, dass sie zu jeder Möglichkeit greifen. Das ist die Situation von Abraham und Sara in der Bibel – und vieler Paare heute.
Sendetext:
Dem Ehepaar Abraham und Sara hat Gott versprochen: Eure Nachkommen werden so zahlreich sein wie die Sterne am Himmel. Schöne Verheißung. Nur: Die beiden haben kein Kind. Sie hoffen Jahre lang. Vergeblich. Mittlerweile ist Abraham über 80 und Sara auch nicht mehr in dem Alter, in dem eine Frau normalerweise noch ein Kind bekommt.
Da schlägt Sara Abraham vor: Du kannst doch unseren Kinderwunsch mit einer anderen Frau realisieren, damit das große Projekt nicht scheitert. Abraham lässt sich darauf ein. Die beiden wählen Hagar, Saras ägyptische Magd, quasi als Leihmutter. Hagar wird schwanger. Ziel erreicht, aber nicht ohne Krisen. Sara erträgt es nicht, wie ihre Magd stolz mit ihrem Babybauch herumgeht, es kommt zum Konflikt. Hagar flieht in die Wüste. Ein Engel schickt sie zurück und sie bekommt einen Sohn, Ismael. Als Sara gegen alle Wahrscheinlichkeit dann doch noch selbst einen Sohn bekommt, stören die Magd und ihr Kind. Das Paar schickt die beiden in die Wüste. Nur Gott ist es zu danken, dass sie gerettet werden.
Die Sehnsucht nach einem Kind ist für viele Paare ganz zentral. So vielfältig die Gründe sind, dieser Wunsch hat eine solche Kraft, dass alles andere in den Hintergrund rückt. Positionen, die man einmal vertrat, spielen keine Rolle mehr. Die erhoffte Elternschaft wird wichtiger als alle anderen Erwägungen.
Man ist bereit, sich zu verschulden und über Grenzen hinwegzugehen. Es wird über Hormonbehandlung nachgedacht, über Adoption oder eben auch über Leihmutterschaft. Das ist ernst zu nehmen und sollte nicht moralisierend verteufelt werden.
Wobei gerade die Leihmutterschaft Probleme aufwirft, die bereits in der Geschichte von Abraham, Sara und Hagar angedeutet sind. Für Abraham und Sara ist Hagar Mittel zum Zweck. Als das Paar dann selbst einen Sohn bekommt, sieht alles ganz anders aus. (Nun stören Hagar und Ismael den Familienfrieden.)
In einigen Ländern, in denen Leihmutterschaft erlaubt ist, versucht man, möglichen Konflikten dadurch zu begegnen, dass Leihmutter und Eizellenspenderin zwei verschiedene Personen sein müssen. So soll eine emotionale Ferne zwischen der Gebärenden und dem zur Welt kommenden Kind geschaffen werden.
Doch damit entsteht das Problem, dass man durch die Wahl der Eizellenspenderin versucht ist, sich das genetisch perfekte Wunschkind zu kreieren. Wie real dieser Optimierungswunsch ist, lässt sich an den Preisen für Eizellenimplantate ablesen. Bei der Leihmutter dagegen kann gespart werden.
Verantwortungsvolle Paare sehen Leihmutterschaft nicht als reine Dienstleistung. Sie pflegen die Beziehung zur Spenderin und zur Leihmutter. Auch, um dem Kind einen Zugang zu seiner biologischen Herkunft zu ermöglichen.
Ob sich alles wie geplant entwickelt, das ist, wie schon bei Abraham und Sara, schwer vorhersehbar. Wie verhält es sich zum Beispiel, wenn die Leihmutter durch die Schwangerschaft Schaden nimmt oder wenn das Kind mit einer Behinderung zur Welt kommt?
Der Wunsch nach Elternschaft ist legitim und verdient Unterstützung. Deshalb ist es wichtig, Möglichkeiten zu schaffen, die rechtlich steuerbar und ethisch vertretbar sind. Weder Staat noch Kirche sollten die Diskussion über Leihmutterschaft auf ein bloßes Ja oder Nein verkürzen.
Die biblische Geschichte schenkt allen Beteiligten intensive Aufmerksamkeit: dem kinderlosen Paar genauso wie der Leihmutter und dem Kind. (Sie versetzt sich hinein in deren Gefühle, in deren Situation und ihren Folgen.) Achtsamkeit für alle Beteiligten braucht auch die Diskussion über Leihmutterschaft heute.
Es gilt das gesprochene Wort.
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