Gemeinfrei via Fundus/ Walter Müller-Wähner
Atomwaffen? Nein, Danke!
Atomwaffen? Nein, Danke!
08.05.2026 06:35

"Sicherheit durch Abschreckung". Nach dem Zweiten Weltkrieg galt diese Strategie lange. Nach 1989 schien sie überwunden. Aber sie ist wieder da. Unser Autor argumentiert dagegen. Nicht nur, aber auch mit der Bergpredigt von Jesus.

Sendetext:

"Sicherheit durch Abschreckung". Das ist eine Strategie, über die wir seit Monaten streiten. Im Freundeskreis, in der Familie, selbst in der Kirchengemeinde gab es selten ein Thema, bei dem die Zuordnungen von links und rechts, von progressiv und konservativ einfach nicht mehr zutreffen. Und gerade heute am 8. Mai, am Tag der Befreiung vom Faschismus, hat die Frage für mich eine besondere Aktualität: Wie sichert man den Frieden?

In die Irre führt die Diskussion, wenn man die Motive der anderen anzweifelt. Selbst bei wirklichen Gegnern kommt man damit nicht weit, im befreundeten Umfeld noch weniger. Deshalb ist es wichtig, die eigenen Argumente klar zu formulieren und gut zu begründen. Ich versuche es mit dem, was ich bei Jesus zu erkennen glaube.

Jesus setzt nicht auf Abschreckung, sondern auf Versöhnung. Den Hass "überlieben", das ist sein Konzept. Doch der bloße Verweis auf Jesus ist zu wenig. Deshalb will ich mit dem argumentieren, was mir aus der jesuanische Friedensethik heraus plausibel erscheint.

Viele meiner Freundinnen und Freunde sind der Ansicht: Hätte die Ukraine ihre Atomwaffen behalten, dann hätte Putins Russland den Angriff nicht gewagt. Aber, Moskau hat mit konventionellen Waffen agiert. Ich frage: Hätte Kiew wirklich nuklear reagiert? Das wäre ein Tabubruch gewesen und es hätte ein Regime in der Ukraine vorausgesetzt, das zu jeder Unmenschlichkeit bereit ist.

Insofern sind Atomwaffen für Demokraten stumpfe Schwerter. Sie dienen bestenfalls dem Gegenschlag und der kalkulierten Selbstauslöschung. Nordkorea mögen sie nützen. Einem Land, das sich demokratisch versteht, nützen sie nicht.

Eine Welt mit ausufernder atomarer Aufrüstung wird zum Pulverfass. Ein denkbares Szenario ist dies: Eine demokratische Regierung, die sich aus defensiven Überlegungen heraus nuklear aufgerüstet hat, wird gestürzt, und plötzlich verfügen Radikale über diese todbringenden Waffen und erpressen die Welt. Oder man stelle sich vor, dem Islamischen Staat fiele eine Atombombe in die Hände und er wäre zur Selbstauslöschung bereit, im Glauben, seiner Ideologie zu folgen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat das Gleichgewicht des Schreckens zwischen den Blöcken eine Weile funktioniert. Der Warschauer Pakt löste sich auf, die Gefahr einer großen Eskalation schien gebannt. Inzwischen bestimmt wieder Misstrauen die politische Agenda: Erst wenn wir stärker sind als unser Gegner, sind wir sicher. Und so dreht sich die Rüstungsspirale unaufhaltsam weiter. Wenn es um die atomare Aufrüstung geht, darf es auch in Deutschland keine Denkverbote geben, so kann man wieder hören.

Ich bin der Überzeugung: Es müssen andere Wege beschritten werden, um zum Frieden zu gelangen. Mit Terror und Lügen zementieren Despoten ihre Macht und täuschen darüber hinweg, wie angstgetrieben all ihre Handlungen sind. Die Friedensinitiative des Papstes erfüllt mich mit Zuversicht. Angstfrei vertritt er die Botschaft des Friedens und des Evangeliums. Es muss geredet werden. Und zuerst einmal muss zugehört werden. Ich gehe sogar so weit: Es braucht einen Vertrauensvorschuss selbst denen gegenüber, die scheinbar alles Vertrauen verspielt haben.

Genauso ist Jesus auf Menschen zugegangen. Selbst bei denen, die als unbelehrbare Sünder galten, hatte er Erfolg damit. An den Rechtgläubigen und Selbstgerechten ist er gescheitert. Man könnte meinen, damit sei sein Ansatz gescheitert. Jesus aber sagt: Folge mir nach! Und zweieinhalb Milliarden Christenmenschen sollten sich davon herausgefordert fühlen.

Es gilt das gesprochene Wort.

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