Gemeinfrei via Fundus/ Jens Schulze
Endgültig gescheitert. Das ist Jesus am Kreuz. Das ist mit ihm das Gottvertrauen, das Jesus gepredigt hat. Wie hält man die Tage aus, an denen es keinen Hoffnungsschimmer gibt?
Vom Scheitern des Scheiterns
Die Totenstille des Karsamstags
04.04.2026 06:20

Endgültig gescheitert. Das ist Jesus am Kreuz. Das ist mit ihm das Gottvertrauen, das Jesus gepredigt hat. Wie hält man die Tage aus, an denen es keinen Hoffnungsschimmer gibt?

Sendetext:

Die Sache Jesu war zu Ende. Es war ein Scheitern auf der ganzen Linie. Jesus am Kreuz – den Tod eines Verbrechers gestorben – unwürdig und im Stich gelassen. Von Gott vor allem. Von dem, in dessen Auftrag er gepredigt, geheilt und Wunder getan hat. Die Jünger – verstreut oder eingeschlossen in der grenzenlosen Furcht, dass es nun auch sie treffen könnte.

"O große Not, Gott selbst ist tot", so dichteten spätere Generationen. Ja, so dramatisch ist dieser Karsamstag zu denken. Der Karsamstag ist ein stiller Tag – totenstill. Alles scheint erledigt. Da kommt nichts mehr. Das Scheitern ist endgültig und allumfassend.

Der Karsamstag ist für mich der Gedenktag aller Gescheiterten. Kein Licht ist am Horizont, alle Tröstungen und Ermutigungen gehen ins Leere. Wie nun damit umgehen, dass ich das Dunkel des Karsamstags respektiere, ohne selbst ins Bodenlose zu sinken?

Ich kann nicht über den Karsamstag sprechen, ohne den Ostersonntag mitzudenken. Darum rede ich heute über das Scheitern des Scheiterns. Das mag ein unangemessener Vorgriff sein. Aber ich kann den Karsamstag nicht überstehen, wenn ich nicht diesen Vorgriff tue.

Aus meinen Einsätzen als Seelsorger weiß ich: Es ist gut zu schweigen, solange jemand in der Finsternis verharrt. Da gibt es wenig Sinn, von Ostern zu erzählen, von der Möglichkeit der Hoffnung. Es gilt vielmehr, diesen Tag zu überstehen, ihn zu überleben und alles dafür zu tun, dass dieses Überleben gelingt.

In dem Buch "Mittagsstunde" von Dörte Hansen ist eine Situation beschrieben, die exemplarisch ist für die Begleitung in den dunklen Stunden des Lebens. Heini Wischer musste seinen Hof aufgeben, eine aussichtslose Situation für ihn. Dörte Hansen schreibt: "Heini Wischers Frau gab acht, dass nichts herumlag, kein Stück Tau, kein altes Kabel, sie nahm sogar sein Taschenmesser aus dem Kittel, und Heini suchte es sehr lange." (1)

Einfach da sein und Vorkehrungen treffen, damit nicht noch Schlimmeres passiert. Und an der Zuversicht festhalten: Hinter dem Scheitern kann es etwas anderes Neues geben. Diese Zuversicht braucht keine Worte. Sie zeigt sich in stillem Ausharren.

Es gilt das gesprochene Wort.

Literatur dieser Sendung:

Dörte Hansen, Mittagsstunde, S. 272.

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