Er glaubt, er wäre ein Held. In Wirklichkeit schadet er nur anderen. So verhält sich Petrus, als Jesus verhaftet wird. Wer meint, für die richtige Sache zu kämpfen, ist in Gefahr, an der Menschlichkeit zu scheitern.
Sendetext:
Petrus wollte ein Held sein. Doch er ist gescheitert. Schon wieder. Gerade noch hat er Jesus im Stich gelassen, als er mit ihm im Garten Gethsemane beten sollte. Hierher kommen die Römer, um Jesus festzunehmen. Als Aufrührer soll er abgeurteilt werden. Hier rechnen die Römer mit keiner Gegenwehr. Doch darin sollen sie sich täuschen. Petrus zieht sein Schwert und sucht den Kampf.
Er, dem Jesus vorhergesagt hat, dass er ihn verleugnen wird, setzt sein Leben aufs Spiel für ihn. Eine mutige Geste. Ob sie Erfolgsaussichten hat, das sei dahingestellt. Zumindest zeugt sie von der Entschlossenheit und Opferbereitschaft des Petrus.
Petrus will kein Scheitern dulden, doch gerade darin scheitert er. Jesus nämlich nimmt sein Opfer nicht an. Seine Aufmerksamkeit widmet er dem Soldaten, dem Petrus ein Ohr abgeschlagen hat. Er versorgt ihn und heilt dessen Wunde. Dieses Paradox ist schwer zu verstehen. Petrus versteht es definitiv nicht. Als er später befragt wird, ob er zu den Jesusleuten gehört, leugnet er es: "Ich kenne diesen Jesus nicht!" Doch dann kräht der Hahn und Petrus begreift: Jetzt erst habe ich ihn verraten.
Ich hatte kürzlich Gelegenheit, mit Christoph Flügge zu sprechen. Er war Richter am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien. Er hatte über Kriegsverbrechen zu urteilen. Er sagte: Fast alle Angeklagten waren uneinsichtig. Sie hielten das, was sie anderen angetan haben, für eine Heldentat.
Von Petrus steht in der Bibel: Als der Hahn krähte, begann er bitterlich zu weinen. In diesem Augenblick hat er begriffen, dass er gescheitert ist. Er ist einer falschen Vorstellung von Heldentum nachgelaufen. Es ging um viel Geringeres, als er vermutet hatte.
Als ich in der DDR zur Schule ging, gehörten viele meiner Lehrer zu der Generation, die am Zweiten Weltkrieg beteiligt war. Kein einziger meiner Lehrer hat je darauf Bezug genommen. Sie waren Kämpfer für den Sozialismus und aus.
Als im Lehrerzimmer hinter verschlossenen Türen noch verhandelt wurde, ob ich wegen meiner Einstellung zum Wehrdienst vom Abitur auszuschließen sei, nahm mich ein älterer Kollege zur Seite. Er warnte mich vor dem, was sich da zusammenbraute. Nach dem Scheitern seiner Generation war das vielleicht der Mut der kleinen Geste.
Es gilt das gesprochene Wort.
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