"Schiffe der Welt, startet eure Motoren und lasst das Öl fließen", hat Trump verkündet und das Abkommen mit dem Iran unterzeichnet. Die Worte zeigen, welche Werte die Welt regieren und welche nicht.
Sendetext:
Über meinem Schreibtisch hängt ein kleiner brauner Keramikbecher an einem einfachen Lederband. Seoul, Korea, März 1990, steht drauf. Da fand die ökumenische Weltversammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung statt. In Seoul trugen viele diesen Becher am Lederband um den Hals. "Konziliarer Prozess" nennt sich die Bewegung, die damals auf ihrem Höhepunkt war. Ein gemeinsamer Lernweg christlicher Kirchen weltweit auf dem Weg zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
In der Abschlusserklärung von Seoul heißt es: "Weil wir Gottes Bund verlassen haben, ist alles Leben auf der Erde von Ungerechtigkeit, Krieg und Umweltzerstörung bedroht, (aber) wir sind Zeugen hoffnungsvoller Veränderungen." Es war die Zeit der großen Umbrüche rund um die Jahre 1989/90. Wenn ich die Selbstverpflichtung aus Seoul heute lese, habe ich das Gefühl, es war eine andere Welt.
Inzwischen haben wir uns gewöhnt an die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, an Menschenrechtsverletzungen und Hinrichtungen, an die Zerstörung von Infrastruktur und an die Zerstörung von ganzen Ökosystemen. Und anders als damals in Seoul habe ich heute das Gefühl, als ginge es immer tiefer in den Abgrund. Lässt sich das stoppen?
"Schiffe der Welt, startet eure Motoren und lasst das Öl fließen", verkündete Donald Trump am letzten Sonntag. Mit einem ersten Abkommen zwischen den USA und dem Iran soll jetzt die Straße von Hormus wieder geöffnet werden. Ob es dabei Zölle geben wird oder Servicegebühren, das wissen wir noch nicht so genau. Und auch andere Bedingungen müssen noch verhandelt werden. Aber das Abkommen wurde am Mittwochabend von den Präsidenten Trump und Peseschkian unterschrieben.
Seit 15 Wochen stauen sich die großen Schiffe im Persischen Golf. Iran blockiert die Durchfahrt mit Artillerie und Seeminen. Und die USA halten auf der anderen Seite dagegen. Angespannt hofft die ganze Welt auf das Ende der Blockade. Der internationale Handel verliert hier gerade eine Milliarde US-Dollar am Tag, höre ich. Kein Wunder, dass schon die bloße Ankündigung eines Abkommens zu einem Freudensprung an den Börsen geführt hat.
Auch hierzulande kann man das Aufatmen spüren. Der Tankrabatt läuft in Kürze aus, die Urlaubszeit hat begonnen – da hoffen alle auf sinkende Erdölpreise. Denn noch immer sind wir abhängig vom Öl - beim Autofahren wie beim Strom und in der Chemieindustrie. Wo die Grenzen dicht gemacht werden, ist unser Wohlstand gefährdet.
Überall wird Geld gezählt. Die hohe Zahl der Protestierenden, Erschossenen und Hingerichteten im Iran wird darüber vergessen. Amnesty spricht von 6000 willkürlichen Festnahmen und mindestens 41 politischen Hinrichtungen seit Ende Februar. Ob das jetzt unterzeichnete Abkommen zu mehr Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung führt, das wissen wir nicht. Wir wissen nur: Es wird Jahre dauern, bis sich die Natur wieder erholt hat.
Lasst das Öl fließen! Industrielles Wachstum und fossile Energie – das ist nach wie vor Trumps Wohlfahrtsrezept. Und nicht nur seins. Da wollen viele sich die Erde untertan machen, ein Missverständnis der biblischen Schöpfungsgeschichte. Denn in der Bibel meint der Auftrag an die Menschen nicht Ausbeutung, sondern Verantwortung. Stattdessen aber lautet für viele die Maxime: Das ÖL soll fließen. Dafür lassen sie Naturschutzgebiete ausbeuten und zetteln Kriege an. Das macht mir Angst. Öl hat in den vergangenen Jahrzehnten manches bewegt – aber auch vieles zerstört.
Wir Menschen sollen die Erde bebauen und bewahren. Davon sind wir weit entfernt. Wohlstand, Wachstum, Machtinteressen – dieser Dreiklang beherrscht die Welt. Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung haben das Nachsehen. Aber ich will nicht, dass diese Ziele nur eine schöne Erinnerung sind wie der Keramikbecher aus Seoul über meinem Schreibtisch. Ich halte fest an der Hoffnung: Echte Veränderung ist möglich. Ich bete darum. Und ich weiß: Überall auf der Welt gibt es Menschen, die tun das auch.
Es gilt das gesprochene Wort.
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