Gemeinfrei via Fundus/ Kai G. Fuchs
Saras Weg
Eine Heldin-Reise
16.06.2026 06:35

Helden, das sind in den Mythen und biblischen Geschichten meistens Männer. Aber wie ist das mit Sara, der Frau Abrahams? Was können wir heute von ihrem Lebensweg lernen?

Sendetext:

Joseph Campbell, ein US-amerikanischer Mythenforscher, hat vor bald 80 Jahren den Begriff "Heldenreise" geprägt. Das ist eine Grundstruktur in den großen Geschichten der Menschheit: Ein Held muss aus seiner Heimat aufbrechen und in der Fremde Prüfungen und Gefahren überstehen, bis er nach Hause zurückkehrt. Frauen sind selten die Hauptfigur. In den antiken Mythen, Märchen und biblischen Geschichten steht meist ein Mann im Vordergrund. So wie Abraham, Odysseus oder König Arthur. Aber was ist mit Sara, der Frau von Abraham? War ihr Leben eine Heldinnenreise? Was war ihr Lebensziel, worum und mit wem hat sie gekämpft? 

Es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Da steht sie mit ihrem Abraham unter dem Sternenhimmel. Was für ein Reichtum, unzählbar viele Sterne. Sara hat keine Kinder, keine Nachkommen. Und sie ist nicht mehr jung. Wie die Sterne am Himmel, murmelt Abraham neben ihr, so viele Kinder werden wir haben, Kinder und Kindeskinder – Gott hat es versprochen. Wir müssen es nur wagen. Aufbrechen und der Zukunft entgegen gehen.

Sara könnte sagen: Du spinnst! Aber sie vertraut ihm. Sie wagt es und geht mit. Sie ist eine schöne Frau. Als sie in Ägypten sind, schauen die Männer ihr nach. So sehr, dass Abraham fürchtet, die anderen Männer könnten sie ihm nicht gönnen. Deshalb gibt er sie als seine Schwester aus – und macht sie damit erst recht zum Freiwild. Den beiden bleibt nur eins: Ägypten hinter sich zu lassen.

So ziehen sie weiter. Von Zeltplatz zu Zeltplatz. Eines Tages erscheinen drei Unbekannte am Zelteingang. Als ob sie Gottes Versprechen kennten, bestätigen sie Abraham die Verheißung: Nachkommen wirst du haben wie Sterne am Himmel. Bevor das Jahr um ist, wird deine Frau Sara einen Sohn zur Welt bringen, sagen sie. Sara, wo ist die eigentlich? Wir hören sie lachen, als die Männer über sie reden. Irgendwo hinter dem Vorhang, im Innern des Zeltes. Sie glaubt nicht mehr, dass das möglich ist. Sie ist doch längst zu alt.

Ohne Nachkommen keine Zukunft.  Aber ist es ihre Schuld, wenn sie keine Kinder bekommt? Ein Frauenschicksal in biblischen Zeiten. Fruchtbar soll sie sein, aber bitte nicht zu schön und begehrenswert. Ihren Mann soll sie stolz machen. Von ihm hängt ihr Schicksal ab – von ihm und von ihrem Körper. Die Frauen, die von Männern gegen ihren Willen auf Social Media präsentiert werden, zeigen: Ganz vorbei ist das noch nicht.

Aber Sara nimmt ihr Schicksal in die Hand. Heute würde das Paar vielleicht eine Leihmutter suchen. Sara damals sorgt dafür, dass ihre Magd schwanger wird. So wäre es immer noch Abrahams Kind, durch das die Verheißung lebendig wird. An Sara soll es nicht scheitern. Eher gibt sie sich selbst auf. Und zieht ihre Magd mit hinein.

Als deren Kind geboren wird, hält Sara es nicht aus, den Säugling Tag für Tag zu sehen. Sie schickt ihre Magd mit dem Kind in die Wüste. Sara hat versucht, die Zukunft zu gewinnen um jeden Preis. Was für eine Dummheit, sagt eine innere Stimme. Finde dich ab mit dem, was ist. Die Magd und das Kind werden wundersam gerettet und kehren zurück.

Als Sara schon resigniert hat, wird sie doch noch schwanger. Ein Wunder, ein Geheimnis. Der verheißene Sohn wird tatsächlich geboren. Sie werden ans Ziel ihrer Reise kommen, das gelobte Land erreichen. Als Sara stirbt, ist längst klar: Hier werden sie bleiben. Abraham, Sara und ihre Nachkommen. Abraham kauft ein Familiengrab und Sara ist die erste, die dort begraben wird. Die erste, die schönste, die mutige, die alles gewagt und alles gegeben hat.

Für mich ist es nicht leicht, mich in Saras Welt hinein zu denken. Ich will frei und unabhängig sein. Wie die allermeisten Frauen heute. Aber auch in unserem Leben spielen Körper, Beziehungen, Schwangerschaft oder Kinderlosigkeit, mal gewollt, mal ungewollt, eine große Rolle. Auch wir ringen um unsere Zukunft. Sara behält Gottes Verheißung im Auge, bleibt hartnäckig dran. Das macht auch mir Mut, an meinen Hoffnungen festzuhalten.

Es gilt das gesprochene Wort.

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