Gemeinfrei via Fundus/ Hans-Jörg Ott
Hiob der Popmusik
Manches kann man nur singen
25.08.2026 06:35

Was haben die schwedische Sängerin Agnetha von ABBA und der biblische Hiob gemeinsam? Unser Autor verrät es Ihnen.

Sendetext:

Autor: Schon immer bin ich bei "The Winner Takes It All" der schwedischen Popgruppe Abba über eine bestimmte Zeile gestolpert:

Song: The gods may throw a dice / Their minds as cold as ice / When someone way down here / Loses someone dear.

Autor: Im Himmel scheinen die Götter zu würfeln, eiskalt und ungerührt, ob unsereiner hier unten auf Erden vom Schicksal gebeutelt wird. Im Video zum Song sang Agnetha, die Blonde von Abba, diese Worte direkt in die Kamera.

Das war nicht einfach ein Popsternchen, das irgendeinen Text vom Blatt sang. Hier sang sich eine junge Frau die Seele aus dem Leib. Mitgenommen von einer Scheidung, trauernd, klagend. Obwohl sie ja eigentlich gar nichts sagen will. "I don’t wanna talk" singt sie. Manches - kann man nur singen.

Sie beschwert sich über die dort droben. Die Schicksalsmächte, die der einen Glück und Liebe schenken. Und den anderen um alles berauben.

Song: The winner takes it all. The loser standing small. Beside the victory. That's her destiny

Autor: Im August 1980 steht das Lied in den Charts ganz weit oben. Der Text stammt von Björn Ulväus, bis vor kurzem noch Agnethas Ehemann. Beide hatten ihr Glück öffentlich zelebriert. Nun, nach der Scheidung hielten sie sich auch beim Schmerz nicht zurück. Bis heute gilt als das Meisterwerk der vier Schweden. Vielleicht weil es eine uralte Geschichte erzählt, von Schicksal und Verlust.

Diese uralte Geschichte erzählt sogar die Bibel, im Buch Hiob. Da sitzen Gott und die Engel mit dem Satan zusammen. Gott fragt den Widersacher, was er von Hiob hält. Gott findet: ein frommer Mensch, der ein rechtschaffenes Leben führt. Ein echtes Vorbild. Da fordert ihn der Satan heraus: Lass ihn in eine Krise kommen. Nimm ihm seine Gesundheit und schau, was passiert: "Er wird dir ins Gesicht fluchen!" Was dann folgt, kann man eigentlich gar nicht erzählen. Gott, der Allgütige lässt sich auf die Provokation ein, eine üble Zockerei auf Gedeih und Verderben Hiobs. Man mag über diesen Gott eigentlich kein weiteres Wort mehr verlieren. I don’t wanna talk.

Aber es lohnt sich, über Hiob zu sprechen. Und über die Menschen, die sein Schicksal nicht kalt lässt.

Hiob, der alles, Hab und Gut, Gesundheit und Kinder verliert, er mag klein und verloren dastehen. Aber er erfährt Beistand durch Freunde, die zu ihm kommen, sich zum ihm setzen, ihm zuhören. In den Gesprächen hört Hiob nicht auf, das Widerfahrene zu erzählen, er jammert und klagt.

Er hört nicht auf, seinen Gott herauszufordern, ihn anzuklagen, ihn anzuflehen! Du bist doch keiner von den Göttern, die mit Menschen Würfel spielen und dabei kalt wie Eis bleiben! Er merkt, dass er beim und durch das Reden in Kontakt bleibt. Mit sich selbst und mit seinen Freunden. Die laufen nicht weg, die hören zu.

Auch Gott muss zuhören. Hiob hat alles verloren, aber seine Stimme ist ihm geblieben. Wie der jungen Sängerin Agnetha von Abba. Seit bald 50 Jahren erklingt das Lied einer jungen, verletzlichen Frau. Einer geschiedenen Frau. Sie blickt in die Kamera. Ihr Lied hat Bestand. Und als Hiob der Popmusik hält sie stand.

Song: The winner takes it all. The loser standing small. Beside the victory. That's her destiny

Es gilt das gesprochene Wort.

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