Sie hat das Bild der alten Dame, die ihre Frau steht, geprägt. Die Queen wäre diese Woche 100 geworden. Was lernt eine Gesellschaft von ihren Alten?
Sendetext:
Wer Zukunft haben will, muss die Alten ehren, sagt die Bibel. (2. Mose 20,12) Vater und Mutter, aber auch Lehrerinnen und Mentoren, unsere Vorbilder. Wir sollen sie nicht auf einen Sockel setzen. Sondern von ihnen lernen. Auch aus ihren Fehlern.
Eine, die weltweit das Bild von einem ehrwürdigen Alter geprägt hat, war die Queen. 100 Jahre wäre sie am vergangenen Dienstag geworden. Sie starb mit 96, aber ich hätte ihr die 100 durchaus zugetraut. Sie strahlte so viel Stabilität aus, so viel Disziplin und Verantwortung. Bis zum Schluss hat sie anderen Halt gegeben – in einem Alter, in dem wir gemeinhin selbst als hilfebedürftig gelten. Sie war wohltuend anders als andere Alte, die mit knapp 80 immer noch unreif sind und ihrer Verantwortung nicht gewachsen.
Ich bin keine Spezialistin für Königshäuser. Aber Elizabeth hat mir imponiert. Sie war erst 26, als sie Königin wurde. Von Anfang an nahm sie ihre Aufgabe selbstbewusst wahr. In den 70 Jahren, in denen Elizabeth das Vereinigte Königreich repräsentiert hat, war sie ein Anker in stürmischen Zeiten. Dabei hat sie sich nie in den Vordergrund gedrängt. Ihr Platz war klar, sie musste nicht darum kämpfen. Wenige Worte genügten, ein langes Schweigen, kleine Zeichen. Ich denke an ihren Hut in den Farben der EU, königsblau mit gelben Blüten. Den trug sie, als sie 2017 das Parlament eröffnete - nach Brexit und Neuwahl.
Natürlich war sie keine Heilige. Ein langes Leben bietet viele Gelegenheiten, Fehler zu machen. Und manche Konflikte bleiben liegen. Es ist ihr nicht gelungen, die ungeliebte Schwiegertochter Diana und später ihren Enkel Harry mit seiner Frau Meghan in die Familie zu integrieren. Auch politisch tat sie sich schwer mit der Vielfalt im Commonwealth. Sie hielt das Bündnis noch weitgehend zusammen. Aber jeder konnte sehen, wie es zu bröckeln begann. Seit sie fehlt, ordnen sich die Dinge neu. Das Vertrauen in die Monarchie ist auf einem Tiefstand – vor allem bei den Jungen.
Am 21. April wäre die Queen also 100 geworden. Zu ihrem Festtag hat das Königshaus viele eingeladen, die dieses Jahr ihren 100. feiern. Es ist nicht selbstverständlich, dass Menschen ein so langes Leben selbstbewusst gestalten können. In den letzten Wochen sind einige prägende Menschen in hohem Alter gestorben – ich denke an Jürgen Habermas und an Alexander Kluge, den Philosophen und den Filmemacher. Beide blieben bis zum Schluss interessiert an den Fragen der Gegenwart - und daran, die Zukunft zu gestalten. Auch Hochaltrige leben nicht nur in der Vergangenheit. Sie übernehmen Verantwortung für die Zukunft.
Die Altersbilder, die wir haben, werden dem nicht gerecht. 2022 erschien eine Studie über Altersdiskriminierung in Deutschland. Da meinte rund ein Drittel der Befragten: Alte Menschen sollten "Platz machen" für die jüngere Generation. 51 Prozent waren für eine Regelung, wonach "Menschen nur bis zu einem bestimmten Alter, wie etwa bis 70 Jahre, politische Ämter haben dürfen". Denn ältere Menschen trügen nicht entscheidend zum gesellschaftlichen Fortschritt bei. ("Ageismus und Altersdiskrimierung in Deutschland"– im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes)
Wir brauchen Offenheit und Flexibilität. Das gilt für Jüngere und Ältere. Viele sind auch im Alter noch flexibel, ziehen um, übernehmen eine neue Aufgabe. Und wir brauchen Stabilität und Beständigkeit – das Bewusstsein, woher wir kommen und was uns trägt.
Ohne die Jungen wird es keine Zukunft geben. Wir brauchen ihre Ideen. Wir müssen sie fördern und ihre Kritik ernst nehmen. Reizt eure Jungen nicht zum Zorn, sagt die Bibel. (Epheser 6,4) Wie wichtig das ist, erleben wir gerade bei der Rentendebatte. Rente ist für Royals natürlich kein Thema. Aber ganz demokratisch gilt: Das Beste ist, wir kommen miteinander ins Gespräch. Mit Respekt vor dem Alter und vor der Jugend.
Es gilt das gesprochene Wort.
Feedback zur Sendung? Hier geht's zur Umfrage!