Verrat am Lebenspartner ist mehr als eine Privatangelegenheit. Wer Intimität bloßstellt, schadet der Gesellschaft insgesamt. Vor den Folgen warnt die Bibel.
Sendetext:
"Des Menschen Feinde sind seine eigenen Hausgenossen." Das steht in der Bibel, beim Propheten Micha. Der folgert: "Niemand glaube seinem Nächsten, niemand verlasse sich auf einen Freund!" Und setzt noch eins drauf: "Bewahre die Tür deines Mundes vor der, die in deinen Armen schläft!" (Micha 7,5)
"Bewahre die Tür deines Mundes vor der, die in deinen Armen schläft!" Zum ersten Mal habe ich das aus dem Mund eines bibelkundigen Atheisten gehört. Wolf Biermann zitiert die Verse des Propheten in seinem Lied "Die Bibelballade". Er hat das Lied 1975 in seinem Album "Liebeslieder" veröffentlicht. Der Liedermacher aus der damaligen DDR verarbeitet in der Ballade eine Liebesbeziehung, die von der Staatssicherheit der DDR zerstört worden ist.
Biermanns Zitat war selbst prophetisch: Nach dem Zusammenbruch der DDR und der Veröffentlichung der Stasi-Unterlagen haben viele Menschen erfahren: Sie sind von ihren engsten Freunden bespitzelt worden. Manche sogar vom eigenen Ehepartner.
Dieser Verrat ist sicherlich der gemeinste, der einem Menschen zugefügt werden kann. Das ist abgründig böse. Wie schrecklich muss es sein, in einer Akte lesen zu müssen, dass der Mensch, der mit einem Bett und Leben teilt, die eigene Privatheit und Intimität an andere verraten hat. Wie unglaublich schwer ist das Leben danach. Fast unmöglich, wieder einem Menschen zu vertrauen.
"Bewahre die Tür deines Mundes vor der, die in deinen Armen schläft." Der Prophet Micha ist ein scharfer Kritiker der Verhältnisse seiner Zeit gewesen. Die Zerrüttung des Privaten hängt für ihn mit der gesellschaftlichen Korruption zusammen. Die Gebote Gottes sind für den Propheten Schutzräume für die Würde der Menschen. Wenn sich Menschen nicht mehr an diese guten Gebote halten, dann achten sie die Menschenwürde nicht. Das schädigt alle gesellschaftlichen Strukturen. Micha meint: Die Auswirkungen sind vernichtend. Denn der Verrat an den nächsten Menschen hat immer noch eine weitere Dimension. Sie geht über den privaten Bereich hinaus.
"Niemand glaube seinem Nächsten, niemand verlasse sich auf einen Freund. Bewahre die Tür deines Mundes vor dem, der in deinen Armen schläft." Die prophetische Kritik ist, Gott sei´s geklagt, nach wie vor aktuell. Seit biblischen Zeiten und immer noch in der Gegenwart werden Menschen von ihren engsten Freunden verraten und bloßgestellt. Manchmal sogar von dem Menschen, der ihnen am nächsten schien. Dem eigenen Liebespartner. Dem Menschen, mit dem eine Frau Kinder hat. Und das ist dann auch ein Problem für die Gesellschaft.
Denn: "Niemand glaube seinem Nächsten, niemand verlasse sich auf einen Freund" – das ist kein guter Rat, das ist der soziale Tod. Das kann kein Mensch dauerhaft gesund durchhalten.
Abgründige Bosheit, wo immer sie geschieht, kann einer Gesellschaft nicht gleichgültig sein. Es ist die oberste Aufgabe des Staates, die Würde des Menschen zu schützen. Eine Gesellschaft kann nicht achselzuckend zusehen, wenn Menschen sich vor ihren eigenen Lebenspartnern hüten müssen.
Wir Menschen sind zutiefst soziale Wesen. Wenn wir nicht mehr vertrauen können, wenn es tatsächlich klug wäre, selbst den engsten Menschen zu misstrauen, dann wäre das ein alarmierender Zustand mit Folgen für unser menschliches Zusammenleben insgesamt.
Immer, wenn Intimität verraten wird und die Würde eines Menschen öffentlich verletzt wird, muss das juristische Folgen für die Täter haben.
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die politischen und juristischen Entscheidungsträger sind gut beraten, dafür zu sorgen, dass Menschen in ihrem privaten und intimen Bereich geschützt werden.
Den Propheten Micha dürften sie dabei an ihrer Seite wissen.
Es gilt das gesprochene Wort.
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