Wenn andere nicht von Herzen mitfeiern wollen, ist ein Fest eine traurige Angelegenheit. So ist das in Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn.
Sendetext:
Wie geht gutes Leben? Ich meine, mit: Feiern lernen! Mit anderen zusammen das Leben feiern. Wobei der Schwerpunkt auf "mit anderen zusammen" liegt. Denn allein feiert es sich schwer, meistens jedenfalls. Ich kann mich an eine einzige Gelegenheit in meinem Leben erinnern, bei der ich nur mit mir gefühlt rauschend gefeiert habe.
Das war bei einem Ausflug an die Amalfi-Küste. Ich war allein unterwegs. Ich habe mir ein wunderbares Mittagessen auf einer Restaurantterrasse in erster Reihe hoch über dem Meer gegönnt. Zwei Stunden Fest – okay, die aufmerksamen Kellner waren auch dabei. In der Regel macht ein Fest aber nur mit anderen gemeinsam wirklich Freude.
Wie geht gutes Leben? Gemeinsam das Leben feiern, und zwar mit den richtigen Leuten. Auf seinem letzten Lebensweg, vor der Kreuzigung in Jerusalem, erzählt Jesus dazu eine Geschichte. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Ein Mann hat zwei Söhne. Der jüngere lässt sich vom Vater das Erbe auszahlen und verprasst es mit Huren und falschen Freunden. Als er nichts mehr hat, landet er einsam bei den Schweinen. Seine Feiern standen nicht unter einem guten Stern. Oder waren im schlechten Geist gefeiert.
Schließlich kehrt der Jüngere reumütig zum Vater zurück. Allerdings nicht als Sohn. Er will als Knecht arbeiten. Zu seiner Überraschung nimmt der Vater ihn mit Freuden auf, ohne jeden Vorwurf. Das kränkt nun wiederum den älteren Bruder, der sich weigert, am Festmahl für seinen jüngeren Bruder teilzunehmen.
Wie geht gutes Leben? Offenbar bei einem rauschenden Fest, bei dem alle gern mitfeiern. In diesem Gleichnis funktioniert das nicht. Deshalb ist es im Grunde eine ziemlich traurige Geschichte und der Vater eine tragische Figur. Seine Lebensfreude können seine beiden Söhne nicht aus vollem Herzen teilen. Der jüngere mag nicht mit dem Vater feiern, macht sich aus dem Staub und schämt sich bei der Rückkehr für seine Schandtaten. Der ältere ist eifersüchtig auf den kleinen Bruder, fühlt sich ungerecht behandelt und bleibt unnachgiebig – so sehr sein Vater auch bittet und bettelt, dass er doch mitfeiern möge. So macht ein Fest nicht wirklich Spaß.
Wie geht gutes Leben und gemeinsames Feiern? Das Gleichnis meint: Man muss schon über den eigenen Schatten springen. Der jüngere Bruder tut es nur halbherzig, als er zu seinem Vater zurückkehrt. Er müsste schon über den Schatten seines schlechten Gewissens springen. Dem älteren stehen Neid und Eifersucht so im Weg, dass ich große Zweifel daran habe, ob er überhaupt einmal zum Schatten-Sprung ansetzen will. So hat der Vater das Problem, dass alleine Feiern nicht wirklich Spaß macht. Da bleibt einem das Mastkalb im Halse stecken. Ziemlich traurig.
In der Geschichte bleibt das Ende offen. Der Vater lädt ein, doch es ist unklar, ob die beiden Söhne eines Tages verstehen werden, worum es geht: um Freude. Um ein gutes Leben. Um ein Fest im guten Geist der Liebe.
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählt davon: Man kann viel dazu tun, um sich und anderen das Leben schwerzumachen. Wie geht gutes Leben? So nicht!
Jesus erzählt so, dass durch die Figur des Vaters Gott erkennbar ist. Gott ist wie der Vater, der niemanden zwingen kann, sich für ihn und das gemeinsame Fest zu entscheiden. Gott kann nur darum bitten, über den eigenen Schatten zu springen und mitzufeiern.
Jesus hat immer wieder das Reich Gottes mit einem großen Fest verglichen. Er hat dazu eingeladen, selbst verletzlich und verletzbar. Zuletzt ist er daran gestorben. Doch die Einladung, das Leben zu feiern, die steht weiter. Ohne Zwang. Es kommt aber schon darauf an genau hinzusehen, wer mich einlädt und mit wem ich feiern mag. Es gibt auch diejenigen, die einen verlassen, wenn einem das Geld ausgeht. Oder die eifersüchtig sind.
Wie geht gutes Leben? Finde heraus, mit wem du mit offenem, liebevollem Herzen feiern magst. Finde heraus, in welchem Geist du feiern kannst.
Es gilt das gesprochene Wort.
Feedback zur Sendung? Hier geht's zur Umfrage!