Der Weg war lang, den die Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem gehen mussten, und führte durch Wüsten. Was hilft auf den Durststrecken des Lebens?
Sendung zum Nachlesen
Sie sind adventliche Menschen: Die Weisen aus dem Morgenland, die Sterndeuter. Die Bibel erzählt: Als Jesus geboren war, kommen sie in seinem Geburtsland an. Sie müssen schon vor Weihnachten aufgebrochen sein. Rund 1000 Kilometer gilt es zu bewältigen von ihrer Heimat bis Bethlehem. Auf dem Weg haben sie Durststrecken überwinden müssen. Innerliche und äußerliche Durststrecken. Ihr Weg führt sie durch Wüsten.
Mangelgefühl
Interessanterweise gibt es im Deutschen nicht die Metapher der Hungerstrecke, sondern nur die der Durststrecke. Durst ist wesentlich schwerer und auch nur viel kürzer zu ertragen als Hunger. Es gibt kaum ein leiblich intensiver erlebbares Mangelgefühl als den Durst.
Wenn Angehörige einen Sterbenden begleiten, ist es ihnen deshalb häufig ein großes Bedürfnis, dem Sterbenden noch zu trinken zu geben, auch wenn der gar nicht mehr trinken will. Es fühlt sich für die Angehörigen unerträglich an, nicht wenigstens die Lippen des geliebten Menschen zu benetzen. Tief intensiv leiblich fühlen wir, was Durst bedeutet, auch stellvertretend für andere Menschen.
Lebensdurst
Es lohnt sich, in den letzten Tagen dieser Adventszeit dem eigenen Lebensdurst nachzuspüren, ganz leiblich. Unser Leib ist ein wunderbarer Resonanzraum, der uns viele Hinweise geben kann. Man muss allerdings lernen, auf seine Signale zu achten und sie zu deuten.
Kamele können drei Wochen lang ohne Wasser auskommen und dabei enorme Strecken überwinden, selbst wenn sie schwere Lasten tragen. Menschen können das nicht. Die biblischen Sterndeuter haben auf ihren Kamelen sicher Durststrecken erlebt.
Reichen die Wasservorräte in den Schläuchen aus, die die Kamele geschleppt haben? Ist der Stern am Nachthimmel lediglich eine Sehstörung? Ist die Oase in der Wüste ein Ort, an dem sie ihren Durst stillen können, oder lediglich eine Fata Morgana?
Nur scheinbar am Ziel
Wenn der Weg fast geschafft ist, wird der Durst am dringendsten spürbar. Die biblischen Sterndeuter kommen erst einmal in Jerusalem, der Hauptstadt an. Schon mal im richtigen Land, aber am falschen Ort. Der neue König ist hier nicht zu finden. Es muss für die Sterndeuter hart gewesen sein, in Jerusalem scheinbar am Ziel zu sein und dann noch einmal losziehen zu müssen. Doch manchmal ist es so. Dann gilt es, erneut alle Kräfte zu bündeln. Sich Hilfe und Rat zu holen. Ihr seid am falschen Ort. Ihr müsst nach Bethlehem.
Als Geschenk haben die Sterndeuter Gold eingesteckt. Durststrecken lassen sich jedoch mit Geld allein nicht durchhalten, auch wenn finanzielle Ressourcen wichtig sind. Kamele sind teuer. Was hilft mir aber, wenn ich Durst nach Leben habe, was hilft auf Durststrecken? Auf jeden Fall der Rat kluger Menschen. Die Sterndeuter haben sich untereinander austauschen können.
Was hat mir früher geholfen?
Auch der Blick auf eigene Ressourcen trägt weiter: Was hat mir früher geholfen, trockene Wüsten-Zeiten zu überstehen? Was hat meinen Durst stillen können? Wann bin ich enttäuscht worden? Solche Fehler muss ich nicht wiederholen. Was hat mich ermutigt, nach einer Enttäuschung wieder loszuziehen? Jeder Mensch ist erfahrungsgesättigt und hat – wie die Sterndeuter – kostbare Geschenke im Gepäck: die eigene Erfahrung.
Gold, Weihrauch und Myrrhe sind Geschenke für das Kind. Die Weisen aus dem Morgenland wissen, dass es auch Durststrecken jenseits von Wüsten gibt. Weihrauch und Myrrhe sind kostbare Heilmittel der damaligen Zeit. Viele Krankheiten sind harte Durststrecken. Was sehnt sich in mir in dieser Adventszeit nach Heilung? Was sehnt sich nach dem Ende von Schmerz und Elend.
Quellen
In wenigen Tagen feiern Christen auf der ganzen Welt das Weihnachtsfest. Sie feiern die Geburt des Kindes, Jesus. Er hat sich später, erwachsen geworden, als Wasser des Lebens bezeichnet, das den Lebensdurst stillt.
Wie auch immer Ihre Frage nach der Quelle des Lebens klingt in dieser Adventszeit, auf welchen Durststrecken Sie gehen müssen: Ich wünsche Ihnen, dass Sie Wege, Antworten und Quellen finden.
Es gilt das gesprochene Wort.
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