Gemeinfrei via Fundus/ Peter Bongard
Bereit zur Mitverantwortung
Wofür Sankt Florian wirklich steht
04.05.2026 06:35

Florian gilt als Schutzheiliger der Feuerwehr. Traditionell wird er gegen alle Katastrophen angerufen, die der Klimawandel verstärkt. Der historische Florian folgt nicht dem heutigen Florians-Prinzip, sondern packt an.

Sendetext:

In Deutschland leben viele vernünftige Menschen. Zumindest auf den ersten Blick. In schöner Regelmäßigkeit zeigen Umfragen: Eine große Mehrheit weiß ganz gut, was für eine gute Zukunft zu tun wäre. Um nur ein Beispiel zu nennen: 80 Prozent sind überzeugt, dass etwas gegen den Klimawandel getan werden muss. [¹] Aber wenn es um konkrete Maßnahmen geht, ist nur noch die Hälfte bereit, selbst etwas beizutragen. Da tut sich eine Lücke auf – zwischen großer Einsicht und kleinem Egoismus.

Wirkt im Hintergrund das, was der Volksmund das Sankt-Floriansprinzip nennt? Es lautet: "Heiliger Sankt Florian, behüt' mein Haus, zünd' andere an." Der Spruch beschreibt die Neigung: Ein Unglück soll besser die anderen treffen. Und Probleme wälzt man lieber auf andere ab, als sie selbst anzupacken. Er ist nicht ganz ernst gemeint – aber er hat einen wahren Kern.

Wer ist dieser Florian eigentlich? Er ist der Schutzpatron der Feuerwehr. Insofern ist er durchaus die richtige Adresse, wenn man bittet, das eigene Haus möge vor Feuer und Katastrophen bewahrt bleiben. Aber ist er auch die richtige Adresse für den Wunsch, das Feuer möge lieber bei den anderen brennen? Nein. Das tut dem historischen Florian Unrecht. Denn der hatte eine ganz andere Haltung.

Florian lebte um das Jahr 300 im heutigen Österreich. Er war ein leitender Beamter in römischen Diensten – und bekehrte sich zum Christentum. Eine gefährliche Entscheidung. Denn das war eine Zeit, in der Christen im Römischen Reich wieder einmal verfolgt wurden. Wenn es dem Reich nicht gut ging, wurden Schuldige gesucht – und man griff gerne auf Christen zurück. Sie galten als unzuverlässig, weil sie sich weigerten, den Kaiser als Gott anzubeten.

In eine solche Verfolgung geriet auch Florian. Doch die römischen Soldaten kannten ihn als Kollegen und verschonten ihn. Er war also eigentlich fein raus. Aber sie nahmen 40 andere Christen mit. Florian folgte ihnen und setzte sich für die Verhafteten ein. Glaube bedeutete für ihn nicht nur: für die eigene Seele sorgen. Sondern auch: aufstehen gegen Unrecht. Mitverantwortung übernehmen – für andere, für die Welt, für eine bessere Welt.

Florian wurde festgenommen. Er sollte verbrannt werden wie die anderen. Doch er sagte, er werde aus dem Feuer in den Himmel aufsteigen. Offenbar hatte er eine starke geistliche Ausstrahlung – jedenfalls glaubten ihm die Soldaten. Sie bekamen Angst. Also verbrannten sie ihn nicht, sondern ertränkten ihn in einem Fluss. Deshalb wurde Florian später zum Schutzpatron gegen die Gefahren von Wasser und Feuer, Dürre und Sturm. Gegen alles also, was der Klimawandel heute offensichtlich verstärkt.

Florian hat sich für andere eingesetzt – mit seinem ganzen Leben. Er ist also wirklich nicht der Richtige für den Spruch: "Heiliger Sankt Florian, behüt' mein Haus, zünd' andere an." Im Gegenteil. Florian ist ein Vorbild für alle, die Verantwortung übernehmen – auch für andere. Er wäre der passende Heilige für alle, die den menschengemachten Klimawandel aktiv aufhalten wollen. Sein Motto sollte lauten: "Heiliger Sankt Florian, zum Schutz der Welt hol' alle ran."

Bereit sein zum Mitmachen – das ist das, was jeder Einzelne tun kann. Und ich finde: auch tun muss. Dafür braucht es natürlich einen sinnvollen Rahmen. Den muss die Politik setzen – einen Rahmen, in dem Lasten und Chancen möglichst fair auf alle verteilt sind. So entsteht eine gute Zukunft: aus dem klugen Zusammenspiel von persönlichem Engagement und staatlichen Vorgaben. Das sollte gelingen. Nicht nur heute, am Florianstag, sondern an allen Tagen. Schließlich leben in Deutschland viele vernünftige Menschen.

"Heiliger Sankt Florian, zum Schutz der Welt hol' alle ran."

Es gilt das gesprochene Wort.

Literatur zur Sendung:

¹ ARD-Trendmonitor, Dezember 2025

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