Gemeinfrei via Fundus/ Hans-Jürgen Ott
Hitze
Die Schicksalsgemeinschaft von Mensch und Schöpfung
15.07.2026 06:35

Die erste Hitzewelle kam dieses Jahr gleich zu Beginn des Sommers. Unter ihr leidet die ganze Schöpfung. Wie der Mensch sich verhält, das hat Auswirkung auf die Natur. Diese Erkenntnis lehrt bereits die Bibel.   

Sendetext:

38 Grad draußen. Und drinnen mittlerweile 30 Grad. Ich schleiche schwitzend die Treppen runter zum Wäschekeller. Es muss ja trotz Hitze gewaschen werden. Auf der Höhe der Eingangstür stürmt mein junger Nachbar rein, sprintet an mir vorbei die Treppe rauf und ruft: "Viel trinken heute." Ich denke zuerst: "Sachma, ich bin doch keine Omma." Dabei ist das doch unglaublich aufmerksam. Da kümmert sich einer. Macht sich Gedanken um seine Nachbarin. Trinken müssen wir alle ausreichend – Alt und Jung, Menschen, Pflanzen und Tiere, wenn es so heiß ist.

Der Tag geht heiß weiter. Die Steine und der Asphalt in der Stadt haben sich so aufgeheizt, dass die Luft flirrt. Was bin ich froh, dass mein Arbeitsort an diesem Tag eine kühle Kirche mitten in Düsseldorf ist. Am liebsten würde ich hier übernachten anstatt in meiner stickigen Wohnung.  

Wir werden unsere Städte vor Hitze besser schützen müssen: Klimaanlagen, Verschattung, mehr Bäume und alle Räume nutzen, in denen wir uns abkühlen können. Zum Beispiel Kirchen. Unter dem Hashtag #kühlekirche (1) bieten Kirchengemeinden und diakonische Einrichtungen kühlende Orte während der Hitzewellen an. Zum Atemholen und Ausruhen. Etwas trinken, Kraft schöpfen.

Wie gut, wenn Nachbarn aufeinander Acht geben wie der junge Bewohner in meinem Haus, der mir zuruft: "Heute viel trinken." Oder eine, die dich in ihre klimatisierte Wohnung einlädt. Einer, der dich mit deinem Haustier bei sich aufnimmt, wenn es bei dir in der Dachgeschosswohnung brütend heiß ist.

Aufeinander achten und helfen können wir alle. In der Nachbarschaft, auf der Straße. Und dankbar sein für alle, die sich in Arztpraxen und Kliniken um die Hitzegeplagten kümmern und dabei selber mit den hohen Temperaturen klarkommen müssen.

Einander helfen und kühlende Maßnahmen sind das eine. Den Ursachen der Klimaextreme entgegenwirken ist das andere. Die Auswirkungen sind immer mehr zu sehen: Die alten Baumriesen in den Straßen sind durch den Trockenstress anfälliger für Schädlinge. Sie sterben ab und werden abgeholzt. Ich denke über meine Region hinaus Richtung Süden in die Berge. Die Nullgradmarke hat sich nach oben verschoben. Dadurch wird Regen nicht mehr zu Schnee und Eis. Wasserfälle rauschen den Berg hinunter. Es sieht aus, als würde der Berg weinen.

Ich denke an Paulus in der Bibel. Er beschreibt Mensch und Natur als Schicksalsgemeinschaft. Eine ungleichgewichtige Schicksalsgemeinschaft: Denn wie der Mensch sich verhält, darunter leidet die Schöpfung. Paulus damals dachte noch nicht an die Umweltzerstörung, die der Mensch anrichtet. Aber er glaubte an den Zusammenhang zwischen dem, was Menschen tun, und wie sich das auf die Schöpfung auswirkt.

Paulus schreibt: "Wir wissen, dass die ganze Schöpfung seufzt." (Römer 8) Er ist überzeugt: Alle Geschöpfe warten darauf, "dass die Kinder Gottes offenbar werden". Paulus meint damit den Glauben an Jesus Christus, der zeigt: Wir sind Gottes Töchter und Söhne, von Gott geliebt, mit Gottes Geist begabt. Das inspiriert dazu, Hoffnung zu haben für diese Welt und für die Welt, die kommt.

Wie gesagt: Umweltschutz war für Paulus damals nicht das Thema. Aber seine Erkenntnis leuchtet nach wie vor ein:

Mensch und Schöpfung sind miteinander verbunden. Als Mensch kann ich mit Gottes Hilfe etwas tun, damit ich nicht auf Kosten und zum Schaden unserer Mitgeschöpfe lebe. Die negativen Folgen vom Verhalten der Menschen hat Paulus klar vor Augen. Gleichzeitig lockt und wirbt er mit den positiven Möglichkeiten, die ich habe: aufeinander Acht geben. Die Zeichen der Zeit erkennen und tun, was wir tun können. Liebevoll miteinander und mit der Schöpfung umgehen.

Paulus ist überzeugt: Wir können das. Denn: "Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen." Also nicht aufgeben, sondern: Los geht’s!

Es gilt das gesprochene Wort.

Literatur zur Sendung:

( 1 ) https://www.ekd.de/kuehlekirchen-85173.htm

( 2 ) https://www.zeit.de/wissenschaft/2026-07/robert-koch-institut-sterbefaelle-hitze-deutschland In den Wochen vor der großen Hitzewelle sind in Deutschland mehr als 800 Menschen in Zusammenhang mit der Hitze gestorben. Schätzungen des Robert Koch-Instituts zufolge starben zwischen dem 6. April und 21. Juni 810 Menschen.

( 3 ) https://www.tagesschau.de/inland/regional/nordrheinwestfalen/wdr-mehr-tote-in-koeln-vier-mal-mehr-todesfaelle-am-heissen-wochenende-100.html

(4) https://www.t-online.de/klima/leben-umwelt/id_101324562/schweiz-das-matterhorn-weint-wasserfaelle-schiessen-haenge-hinab.html

(5) https://www.energiezukunft.eu/klimakrise/deutschland-verfehlt-klimaziele-bis-2030

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