Am 14. Juli vor fünf Jahren wurde aus Bächen gewaltige Fluten, die Autos, Häuser, Menschen mit sich rissen. Heute gedenken viele der Flutopfer im Ahrtal und anderen Orten. Und schauen auf das, was geholfen hat.
Sendetext:
Wenn der Starkregen auf das Dach oder auf die Windschutzscheibe prasselt, wenn ein Martinshorn zu hören ist oder das Geräusch eines Hubschraubers – dann ist sie wieder da: die Angst. Die Trauer. Das geht vielen so, die vor fünf Jahren betroffen waren. Mitte Juli 2021 hat es tagelang geregnet. So stark, dass die Flüsse über alle Ufer traten. Ganze Regionen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind überflutet und zerstört worden.
Die ersten Sturzfluten gab es in der Nacht zum 14. Juli in Hagen im Westen Deutschlands. Dann im Lauf des Tages steigt der Pegel der Altenahr höher und höher, bis es zur Sturzflut und Überschwemmung kommt. Insgesamt sterben bei dem Hochwasser über 180 Menschen. Mehr als 800 Menschen werden verletzt. Zehntausende verlieren alles: ihr Haus, ihre Wohnung, ihren Besitz. Und vor allem: Angehörige, Nachbarn und Freunde.
Heute gedenkt der nordrhein-westfälische Landtag der Opfer der Flut und der Helferinnen und Helfer. Dazu wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet. Mit dabei ist Superintendentin Claudia Müller-Bück vom Kirchenkreis Bad-Godesberg-Voreifel.
Sie schaut zurück: Wie sie damals beim Aufräumen in ihrer Kirche in Swisttal-Heimerzheim im Rhein-Sieg-Kreis von der Flut überrascht wird. Die freiwillige Feuerwehr hat längst keine Kapazitäten mehr. Rasch trommelt sie Leute über die sozialen Netzwerke zusammen. Zu diesem Zeitpunkt ahnt niemand, wie gefährlich die Flut noch werden wird. Erst einmal retten sie Kirchenbücher und schützen die Kirche mit Planen und Sandsäcken. Einige der Menschen, die hier mitanpacken, werden in der Nacht noch ihr Zuhause und fast ihr Leben verlieren.
Als das Ausmaß der Zerstörung sichtbar wird, machen sich viele auf den Weg, um den Menschen im Ahrtal, in Swisttal und anderswo zu helfen. Neben den professionellen Hilfsorganisationen auch viele spontane Ehrenamtliche aus ganz Deutschland. Sie helfen, Schlamm aus den Kellern zu schippen, räumen Tiefkühltruhen aus, tun mit, wo sie gebraucht werden.
Die evangelische Superintendentin Claudia Müller-Bück erinnert sich, wie sie die Kirche geöffnet haben und den Strom wieder angestellt haben, damit die Leute ihre Handys aufladen können. Im Kirchenraum stehen Liegen, damit die Leute im Trockenen ausruhen können. Die älteren Frauen der Kirchengemeinde kochen unermüdlich Kaffee und stellen Essen bereit.
"Hoffnung" steht auf der dicken Kerze in der Mitte der Kirche. Immer wieder zündet jemand ein kleines Licht daran an. Für jemanden, um den man gebangt hat, weil man ihn aus den Augen verloren hatte, als man gemeinsam durch den reißenden Fluss gewatet und geschwommen ist. Er ist in Sicherheit. Eine andere zündet ein Licht an für ihre Tochter, die sie im Moment nicht erreichen kann. Das Wort Zuversicht steht an vielen Stellen – am Info-Point und auf Hauswänden. Es wird zum Hashtag in den sozialen Medien.
Superintendentin Müller-Bück selbst hat Hoffnung aus einem Bibelvers geschöpft: "Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit." (2. Timotheus 1,7) Daran hält sie sich fest.
Vieles ist passiert seitdem. Manches ist neu aufgebaut. Wunden bleiben. Ängste. Belastungen. Es braucht bei einer solchen Katastrophe viel und langfristige professionelle Unterstützung - ob beim Abschiednehmen von einem Menschen, ob für die Seele oder beim Anträge-Stellen. Es braucht Zeit und Kraft, um mit Wunden und Verlusten klarzukommen.
Die Katastrophe ist auch nach fünf Jahren noch spürbar. Die Hilfsbereitschaft auch. Nicht jede und jeder kann spontan losfahren und helfen. Das müssen auch nicht alle. Denn auch jede Spende hilft, und die Spendenbereitschaft für die Flutopfer war groß. Dadurch können die Hilfe-Profis ihre Arbeit tun. Jede Spende hilft nicht nur materiell. Sie zeigt denen, die von der Katastrophe betroffen sind: Wir lassen euch nicht allein. Wir sind an eurer Seite mit Gefühl und mit Geld. Damit die Katastrophe nicht das letzte Wort hat. Damit das Leben neu weiter geht.
Es gilt das gesprochene Wort.
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