"Wo du hingehst, da will auch ich hingehen." Das ist ein beliebter Trauspruch. In der Bibel sagt das eine Frau zu einer Frau in einer Situation, in der sie sich entscheiden muss: Bleiben oder gehen?
Sendetext:
"Wo du hingehst, da will auch ich hingehen, und wo du bleibst, da bleibe auch ich." (1) Das suchen sich viele Paare aus als Trauspruch für ihre kirchliche Hochzeit. In der Bibel hat dieses Bekenntnis "Ich will dir folgen, wohin du auch gehst" einen ernsten Hintergrund. Es stammt aus dem Mund von Rut, einer Frau, die für sich eine wichtige Entscheidung treffen muss: Bleiben oder gehen? Überleben oder untergehen? Rut muss sich fragen: Wo gibt es unter Gottes Himmel einen Platz für mich, an dem ich ein Auskommen finde und über die Runden komme?
Ruts Geschichte spielt zu einer Zeit, als es noch keine Grenzzäune und Mauern gibt. Wo die Menschen, wenn die Not allzu drückend war, in ein anderes Land ausreisen konnten. Wo man ohne Pass über die Grenze hinüberwechseln konnte. "Es geschah in den Tagen, … dass eine Hungersnot im Land war." So beginnt in der Bibel die kleine Novelle von Rut. "Und ein Mann von Bethlehem … zog aus in das Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen."
Es ist hart: Da muss eine Familie ihre Heimat verlassen. Den bekannten Ort Bethlehem, auf Deutsch "Brothausen". Dort gibt es nichts mehr zu essen. Die Leute gehen der Not gehorchend in den Osten. Die Familie, die ausreist, besteht aus dem Mann Elimelech und seiner Frau Noomi und ihren beiden Söhnen Machlon und Kiljon. Die Söhne scheinen bereits vom Hunger gezeichnet zu sein. Übersetzt bedeuten ihre Namen: "der Kranke" und der "Schwächliche".
Ob Moab, dieses Land östlich von Kanaan, ein besserer Ort zum Leben ist? Die Familie wird sich gefragt haben, ob sie dort wohl freundlich aufgenommen wird.
In Moab wird es für die Familie noch schwerer als in Kanaan. Der Familienvater Elimelech stirbt unerwartet. Noomi trauert um ihren Mann, bleibt aber zunächst im fremden Land. Denn ihre beiden Söhne Machlon und Kiljon haben zwei Frauen aus Moab geheiratet. Sie heißen Orpa und eben Rut, nach der das biblische Buch benannt ist. Ihr Name bedeutet "Freundin", "Begleiterin". Dann aber sterben zu allem Unglück auch noch Machlon und Kiljon, die Söhne Noomis.
Ohne den Schutz ihrer Söhne sieht Noomi im Moabiterland keine Zukunft für sich. Sie macht sich auf die lange Reise zurück in ihre Heimat nach Bethlehem. Dort scheint es nach vielen Jahren wieder Brot zu geben. Unterwegs will Noomi ihre Schwiegertöchter Orpa und Rut zurückschicken in den Osten. Sie wünscht ihnen: "Der Herr gebe euch, dass ihr Ruhe findet." Orpa geht zurück, Rut aber will Noomi für immer treu bleiben. Sie entscheidet sich mitzugehen. Treu zu bleiben in der Not, darin sieht sie ihre Aufgabe. So spricht Rut die berühmten Worte aus: "Wo du hingehst, da will auch ich hingehen, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott."
Die Geschichte von Noomi und Rut geht gut aus. In Bethlehem müssen beide wieder ganz unten anfangen. Als einfache Schnitterinnen auf dem Feld, die sich nur von den Ernteresten ernähren dürfen. Wichtiger aber ist: Rut als Frau "von drüben" findet freundliche Aufnahme im Land. Ihr Gastrecht wird geachtet. Sie findet sogar den Mann ihres Lebens. Das Leben kann noch einmal von vorn beginnen. Sie bekommt einen Sohn, dessen Enkel ist später König David. So kommt Rut, die Fremde, in die Ahnenreihe hinein, die bis zu Jesus hinführt.
Wo steckt Gott eigentlich in dieser kunstvoll erzählten Novelle? Er taucht auf an den Grenzen des Lebens. Gott wird beschworen, wenn die Menschen nicht mehr weiterwissen. Sie halten an Gott fest, auch wenn es über harte Wege geht. Rut wird sich im neuen Land oft leer und erschöpft gefühlt haben. Aber die Kornähren sind voll und schwer, die Halme biegen sich. Es wird wieder Brot geben in Bethlehem, in Brothausen, für alle Menschen. Ein Zeichen dafür: Gott vergisst die Seinen nicht. Gott bleibt treu. Rut steht für alle Menschen, denen Gott eine neue Zukunft schenkt.
Es gilt das gesprochene Wort.
Literatur zur Sendung:
(1) Rut 1,17
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