Jennifer meidet Spiegel. Sie will sich selbst nicht sehen. Dann wagt sie etwas Neues: beten. "Hilf mir, mich selbst zu lieben." Ein Gespräch über Selbstbild, Gottesliebe und die Frage: Wer bin ich wirklich?
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Sie trägt einen anderen Namen, ich nenne sie hier Jennifer. 36 Jahre alt, blonder Kurzhaarschnitt, eine sportliche Erscheinung. Mit federnden Schritten kommt sie herein in die Sprechstunde. Sie wirkt selbstsicher und nicht wie jemand, die eine zentnerschwere Last drückt. Jennifer fragt, ob ich einen Moment Zeit habe. Wir reden ein bisschen, dann kommt sie zum Punkt. Ihr Problem ist: Es fällt ihr immer schwerer, regelmäßig zu essen. Jennifer sagt: "Ich glaube, es ist das, womit viele junge Mädchen kämpfen müssen."
Es fängt an in ihrer Sportgruppe, wo alle Teilnehmenden sehr bewusst auf ihre Ernährung achten. Jennifer ist begeistert und macht mit. Bald werden ihr die Hosen zu weit. "Ich habe mich hübsch gefühlt und irgendwie wertvoller", erinnert sie sich. Das Abnehmen fällt ihr zunächst nicht schwer. Dann will sie mehr. Jennifer sagt im Rückblick: "Ich war stolz, etwas gut kontrollieren zu können. Wenigstens mein Gewicht, das hatte ich voll im Griff. Der Rest des Lebens läuft leider oft an mir vorbei."
Bald ist sie mitten in einem Sog, der nach unten führt. Nun magert sie spürbar und bald auch sichtbar ab. Freundinnen tuscheln, dass etwas mit ihr nicht stimmen kann. Wenn Jennifer der Heißhunger überkommt, bricht sie ihre strengen Regeln und verschlingt die leckeren, "verbotenen" Sachen. Es beginnt ein Doppelleben: Nach außen hin bleibt sie erfolgreich und begehrenswert. Aber wenn sie in den Spiegel schaut, findet sie sich selbst falsch und verkehrt in ihrer Haut.
"Ich fing an, mein Spiegelbild zu hassen", erzählt Jennifer. "Spiegel sind für mich sowieso doof. Ich vermeide es hineinzuschauen. Die zeigen immer das, was ich nicht ausstehen kann." Jennifer geht es nicht gut. Man spürt ihren großen Hunger nach einem anderen Leben.
Jennifer zögert, bevor sie etwas bekennt. "Dann hab‘ ich etwas gemacht, was ich zuvor noch nie getan habe. Ich habe gebetet: Hey Gott! Ich bin’s, die Jennifer. Du kennst mich doch. Hilf mir bitte, mich selbst zu lieben."
Dann reden wir über das, was sie sich wünscht von Gott. Sie bekennt: "Ich möchte morgens in den Spiegel schauen und nicht wegschauen." Ich erzähle ihr, dass mir dazu der Apostel Paulus einfällt, der einmal geschrieben hat: "Wir sehen jetzt durch einen Spiegel nur ein dunkles Bild. Dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin."
Am Ende unseres Gesprächs frage ich Jennifer, ob wir noch einmal so etwas "Seltsames" tun sollen, was sie sonst nicht macht: Beten. Jennifer schluckt und faltet langsam die Hände. Es dauert, bis ich die passenden Worte finde. Gemeinsam beten wir ein Stück aus Psalm 139. Verse, in denen es heißt: "Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele."
Wochen später treffe ich Jennifer wieder. Zur Sprechstunde kommt sie nicht mehr. Aber sie erzählt: "Beten, das mache ich jetzt häufiger. Es hilft mir, mich besser zu fühlen. Es stimmt schon, kein Spiegel kann zeigen, wer ich in Wahrheit bin. Das kann nur Gott in mir drin."
Gott sieht dich, wie du bist. Du bist sein geliebter Mensch. Hier und da mit ein paar Ecken und Kanten, dort vielleicht ein paar Kilos zu viel. Aber wunderbar vom Scheitel bis zur Sohle bist du. Danke, lieber Gott, dass du uns Menschen allesamt gemacht hast. Und bitte, lass Menschen es spüren, dass sie sich im Spiegel genauso freundlich anschauen können, wie du sie siehst.
Es gilt das gesprochene Wort.
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