Gemeinfrei via Fundus/ Sandra Hirschke
In vielen Großstädten ist Wohnraum knapp und unbezahlbar. Unsere Autorin formuliert ein Gebet für Wohnungssucher und Heimatlose, für Aus- und Umziehende. Und für Immobilienbesitzer.
Wohnungsnöte
Ein Zuhause haben - hier und bei Gott
28.01.2026 06:35

In vielen Großstädten ist Wohnraum knapp und unbezahlbar. Unsere Autorin formuliert ein Gebet für Wohnungssucher und Heimatlose, für Aus- und Umziehende. Und für Immobilienbesitzer. 

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Ein Lieblingsvers aus der Bibel ist für mich der, wo Jesus sagt: "In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten." (Johannes 14,2)

Ich wohne zur Miete. Da ist man angewiesen darauf, dass der Eigentümer die Wohnung in Schuss hält. Dass es nicht zieht durch die Fenster, die Heizung funktioniert. Die Stätte bereiten – das klingt also einladend: verlässlich, warm, verheißungsvoll.

Ich denke da als Stadtkind an Berliner Altbau: Stuck und Parkett, hohe Decken mit viel Raum und viel Licht, geöffnete Flügeltüren und Großzügigkeit. Träum weiter, kann ich da nur sagen: Wohnen ist eins der vielen großen Themen in der Hauptstadt. Wann immer ich durchs benachbarte Brandenburg fahre, werde ich neidisch auf so viel Platz und so viel Weite und: so viele Häuser mit Garten. So viel Raum zum Leben, der noch bezahlbar scheint. In vielen Städten Deutschlands sieht das ganz anders aus. Es gibt viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum, zu wenig Platz für zu viele Menschen, zu viele Luxussanierungen – zu wenig ganz normale Mietwohnungen.

Wenn ich mich umhöre in meiner Familie und unter Freunden, dann bin ich oft fassungslos: Ich höre Geschichten von jungen Menschen, die nach Berlin kommen, um hier zu studieren und keine bezahlbare Bleibe finden. Manche quartieren sich dann in einer Pension ein, bis das Geld nicht mehr reicht. Dadurch ist der Traum vom Studium in Berlin schnell ausgeträumt. Andere bleiben länger zu Hause wohnen, als es gut ist, wenn man erwachsen wird – einfach, weil es billiger ist. Daneben gibt es Studierende, die gleich in die Eigentumswohnung ziehen, die die Eltern vorsorglich erworben haben – und es gibt jede Menge Luxuswohnungen. Für die meisten Menschen unbezahlbar. Und ich kenne Geschichten von der Angst, die umgeht, wenn das kleine Wort Eigenbedarf plötzlich im Raum steht oder die nächste Mieterhöhung ins Haus flattert, die dann nicht mehr tragbar ist.

Wohnen ist ein Menschenrecht – sagt man. Gilt aber für viele nicht, die gar kein Dach über dem Kopf haben oder ein zerstörtes Zuhause oder ihres schweren Herzens aufgeben müssen aus welchen Gründen auch immer. Dabei braucht jeder von uns ein Zuhause: einen Ort, der bereitet ist, wie Jesus sagt. Nicht aufgeräumt unbedingt, nicht riesig, kein Luxusobjekt. Aber ich weiß, wenn ich eintrete: Hier bin ich zuhause. Hier darf die Mappe in die Ecke fliegen, der Schlips auf den Boden, die Seele auf die Couch. Ich muss nicht performen. Darf faul sein und ungeschminkt, kann weinen, lachen und schimpfen, Musik machen oder schnarchen – fast alles ist erlaubt.

Ein schönes Bild für den Glauben, finde ich: Er ist wie ein Zuhause, mein schützender Raum, ein Zufluchtsort. Und ganz wichtig: Dieses Haus Glauben ist ein Gemeinschaftshaus. Kein Palast, kein Gerichtssaal, keine Moralagentur, einfach Gemeinschaft der Gläubigen: ein Haus - viele Wohnungen. Und Menschen als Nachbarn. Eine Hausgemeinschaft, die aufeinander achtgibt und Rücksicht nimmt. Mal hört man Klappern von Türen, mal Schritte auf den Holzdielen, Klavierspiel am Abend, Liebe in der Nacht, sicher auch mal Geschrei. Das Haus ist bereitet, sagt Jesus. Heißt: Hier kann ich kommen. Hier bin ich zuhause. Hier bin ich sicher. Hier kann mich niemand vertreiben, hier fliege ich nicht raus.

Für alle Wohnungssucher und Heimatlosen, für alle Unruhegeister und Vertriebenen, für alle Um- und Ausziehenden und für Immobilienbesitzer dieses Gebet:

Ein Dach über dem Kopf, Gott, bereite,

einen Platz, wo es warm ist, einen Ort, wo ich sein darf, so wie ich bin,

wo ich ruhen kann und schlafen und Menschen einladen

und mit ihnen lachen und reden bis spät in die Nacht,      

eine Küche zum Tanzen – verrückt im Pyjama.

Ein Haus, eine Wohnung in dieser Welt.

Eins muss Mensch klar sein:

Wir sind alle Gäste auf dieser Erde.

Niemand unkündbar aus diesem Leben.

Jeder auf Zeit nur in dieser Welt. 

Schenk offene Türen.

Schaff Platz in den Herzen.

Lass mich zuhaus‘ sein – so wie in dir.

Es gilt das gesprochene Wort.

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