Gemeinfrei via Fundus/ Jens Schulze
Da kommt noch was
Vorstellungen über das Ende hinaus
16.07.2026 06:35

Ein Schmetterling, der am Grab vorbeigeflogen kommt. Ein Song, der unerwartet zum richtigen Moment im Radio läuft. Für manche Trauernde sind das Zeichen wie aus einer anderen Welt.

Sendetext:

"Na, hat Dad dich wieder zum Lachen gebracht?", fragt Kevin seine Mutter Rebecca. Es ist Super-Bowl-Sunday, das Finale der US-amerikanischen American-Football-Profiliga. Der Tag, an dem vor vielen Jahren sein Vater Jack gestorben ist. Jedes Familienmitglied trauert anders. Rebecca, Jacks Frau, kauft jedes Jahr alles ein, was für die Lieblingslasagne ihres verstorbenen Mannes nötig ist. Sie bereitet sie zu und isst sie, während sie den Super Bowl im Fernsehen guckt. Zu Ehren von Jack.

Ihr zweiter Mann schaut den Super Bowl woanders mit Freunden – damit Rebecca zu Hause den Freiraum hat für ihr Trauerritual. Ihr Sohn Kevin meint einmal zu dem, was seine Mutter da jedes Jahr inszeniert: "Das ist wahnsinnig traurig, Mum." Aber Rebecca sagt: "Nein, ist es nicht. Weil jedes Jahr an meinem traurigsten Tag es dein Vater irgendwie schafft, mich zum Lachen zu bringen. Im ersten Jahr nach seinem Tod (…) bin ich ins Auto gestiegen, und ‚You Can Call Me Al‘ lief plötzlich im Radio." Dieser Song von Paul Simon war ein Lieblingslied von Rebecca und Jack. "Und dann hab ich den Sender gewechselt", erzählt Rebecca, "und da – stell dir vor! – lief es auch." Jedes Jahr findet Rebecca Trost. Sie hat sich zuerst gescheut, von ihren Gefühlen und Erlebnissen zu erzählen. Trauer ist eine knifflige Angelegenheit. Keine Trauer ist wie die andere. Und kein Trost ist wie der andere.

René zum Beispiel hilft dieser Gedanke: "Sie ist jetzt zu Hause angekommen", sagt er über seine verstorbene Mutter. "Sie hat sich auf der Erde immer fremd gefühlt. Aber als sie gestorben ist, lag so ein Frieden auf ihrem Gesicht. So hab‘ ich sie eigentlich nie gesehen."

Tinas Mann ist mit Mitte 40 nach langer schwerer Krankheit gestorben. Bei seiner Beerdigung flattert ein Schmetterling durch die Kapelle. Tina sagt: "Ich denke wirklich, das war die Seele meines Mannes, ein Gruß von ihm."

Ich bin immer wieder beeindruckt, was mir Trauernde erzählen. In den christlichen Trauerfeiern sprechen wir von dem, was weh tut. Vom Ende des Lebens. Vom Tod. Vom Abschied und davon, wie es über das Ende hinaus weiter geht.

Es gibt sehr verschiedene Vorstellungen von Auferstehung in der Bibel. Ich mag den Gedanken, dass Christus uns vorausgegangen ist. Und uns erwartet und empfängt. In einem neuen Zuhause, der himmlischen Heimat. Der Apostel Paulus hat an die Gemeinde in Korinth geschrieben: "Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel." (2. Korinther 5,1)

So ähnlich stellt René sich das vor: Seine Mutter ist jetzt im ewigen Zuhause angekommen. Oder Schmetterlinge: Sie sind in der christlichen Religion ein Zeichen für Verwandlung. Von der Raupe zum Schmetterling, ein Wesen zwischen Erde und Himmel. Tina kommt es bei dem Schmetterling so vor, als würde die Seele ihres verstorbenen Mannes sie besuchen: Hier bin ich. Ich bin verwandelt. Es geht mir gut und: Ich bin bei euch. Ich sehe euch.

Das hilft, den Schmerz zu verkraften. Es braucht Zeit zu begreifen: Der vertraute Mensch kommt nicht wieder. Keine Umarmung mehr. Kein Kuss. Kein liebes Wort von ihr, wenn du weinst. Nie mehr mit ihm albern sein, reden, Pläne schmieden. Der Tod ist unbarmherzig.

Aber die Verbindung bleibt und die Zeichen dafür, dass weiter wirkt, was gewesen ist. Auf eine ganz andere Weise ist er, ist sie da. In deinem Herzen. In deiner Erinnerung. Manchmal durch ein plötzliches Gefühl, ein Lied oder einen Schmetterling – wie ein Gruß aus einer anderen Welt. Ich stelle mir vor: Christus empfängt dich und mich und alle, die fehlen, in unserem ewigen Zuhause.

Das klingt ein bisschen verrückt und doch: Das ist die Hoffnung, die Gott mir ins Herz legt.

Es gilt das gesprochene Wort.

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