Gemeinfrei via Fundus/ Christoph Matern
Unsere Autorin hat Geburtstag. Sie geht offen mit ihrem Alter um und überlegt: Wie ist es, wenn nicht mehr für alles die Power da ist, aber der Überblick weiter geworden ist? Sie hat fürs Älterwerden ein biblisches Vorbild.
Weil ich Geburtstag hab‘!
Älterwerden und über sich nachdenken
09.02.2026 06:35

Unsere Autorin hat Geburtstag. Sie geht offen mit ihrem Alter um und überlegt: Wie ist es, wenn nicht mehr für alles die Power da ist, aber der Überblick weiter geworden ist? Sie hat fürs Älterwerden ein biblisches Vorbild.

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Ich freue mich so: Ich hab heute Geburtstag! Am Morgen brennt eine Kerze für mich auf dem Frühstückstisch. Und am Abend kommen Freundinnen zu Besuch und wir stoßen an. Ich werde 55 – vorne so alt wie hinten.

Ich lebe gern, und ich feiere gern Geburtstag. Und gleichzeitig spüre ich immer deutlicher die Zerbrechlichkeit des Lebens. Es ist einfach nicht mehr für alles die Power da. Zu alt für jeden neuen Trend, zu jung für das Altenteil. Wie wird das weitergehen?

Älter werden und über sich nachdenken – ich finde dieses Thema in einer kurzen Erzählung im Johannesevangelium: Nach dem Tod von Jesus sind die Jüngerinnen und Jüngern zurück am See von Tiberias. Sie gehen fischen, sie suchen Trost im Alltag. Und auf einmal steht Jesus vor ihnen, der Auferstandene.

Er will mit Petrus sprechen, dem Vertrauten der ersten Stunde: "Hör mir genau zu", fängt Jesus an. "Du warst einmal jung. Du hast dir deinen Gürtel selbst umgebunden und gingst, wohin du wolltest. Du wirst einmal alt werden, dann wirst du deine Hände austrecken und ein andrer wird dich gürten und dich irgendwohin führen, wohin du nicht willst." (..) Und Jesus fügt hinzu: "Folge mir nach!" (Johannes 21,15-19, übertragen von Jörg Zink)

"Folge mir nach!" Das heißt: Gib nicht auf, auch wenn der auferstandene Jesus nur noch eine kleine Weile da sein wird, auch nicht, wenn du langsam alt wirst. Bleib dran.

Dieser Petrus! Für mich ist er ein Vorbild, weil er ein besonderer Typ ist: Auf dem Wasser will er laufen, genauso wie Jesus. Und als ihm bewusst wird, was er da macht, geht er prompt unter. Als Jesus verhaftet werden soll, schlägt Petrus einem der Soldaten ein Ohr ab. Ein impulsiver Typ. Auch einer, der mit sich hadert. Denn so richtig danebengehauen hat er, als mit Jesus kurzer Prozess gemacht wird und es darauf ankam, dem Freund beizustehen. Dreimal hat er ihn verleugnet. Dieser Petrus! Von wegen "allertreuester Freund". Aber Jesus hält an ihm fest und denkt an ihn sogar über ihre gemeinsame Zeit auf Erden hinaus. "Du wirst einmal alt werden, Petrus…"

"Alt werden ist wie auf einen Berg steigen", sagt der schwedische Regisseur Ingmar Bergman. "Je höher man steigt, desto mehr Kräfte sind verbraucht, aber umso weiter sieht man." Das tröstet mich, denn meine Kräfte sind auch schon etwas verbraucht von den Bergtouren des Lebens. Ich merke aber auch: Das verschafft mir einen anderen Blick auf die Dinge des Lebens. Einen tieferen, nachsichtigeren, weitherzigeren Blick. Meistens jedenfalls.

Mir scheint, Jesus hat genau das in Petrus gesehen: einen Menschen, der schon was erlebt hat. Der die Höhen und Tiefen kennt, vor allem die eigenen. Der was weiß von der Aufbruchstimmung, wenn man es kaum erwarten kann, endlich alles anders zu machen als die Alten. Petrus, der was weiß von den eigenen seelischen Abgründen, wenn man genau da versagt, wo man so viel mehr von sich erwartet hat. Wenn das Bild zusammenfällt, das man von sich selber hat. Zu so einem Menschen sagt Jesus: Folge mir nach!

Jemandem nachfolgen. Vor mir waren Menschen aktiv und sind es noch. Nach mir kommen jüngere Generationen, die haben längst losgelegt, die sind digital fixer unterwegs, als ich es je sein werde. Und in meiner Generation sind die Erfahrenen, die wissen: Manches braucht Zeit. Es ist wichtig, zuzuhören und da zu bleiben.

Jede Generation hat ihre Aufgabe. Wenn man jung ist, kann man auf dem Wasser laufen. Oder man probiert’s zumindest aus. In der Mitte des Lebens hat man mehr Überblick und kann sich einschätzen – meistens.

Und im Alter? Ich weiß es noch nicht. Aber ich hoffe auf noch viele Geburtstage!

Es gilt das gesprochene Wort.

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