epd-Bild / Steffen Schellhorn
Vertrauen ist die eigentliche Währung
Über das Verhältnis von Geld und Glauben
25.01.2026 07:05

Jesus hatte einen erstaunlich pragmatischen Umgang mit Geld. Er hat es weder verteufelt noch vergöttert.

Sendetext:
 

Warum ist Geld ein heikles Thema? 
"Über Geld spricht man nicht. Geld hat man." So heißt es im Volksmund. Doch das stimmt nicht so ganz - sogar zweifach nicht. Denn über Geld wird ständig gesprochen. Zum Beispiel im Supermarkt: über die steigenden Preise. Und in der Politik, weil auch dort alles etwas kostet. Übrigens: Sogar in der Bibel spielt das Geld eine Rolle.

Außerdem: Längst nicht alle Menschen haben Geld. Viele leben in sehr bescheidenen, teils sogar prekären Verhältnissen. Das belastet die Betroffenen sehr. (1)

"Über Geld spricht man nicht. Geld hat man." Dieser Spruch hat jedoch auch eine wahre Seite – und zwar wenn es nicht um irgendwelche Kosten, sondern um das persönliche Einkommen geht. Darüber liegt tatsächlich ein Tabu. Was man hat und was man verdient – darüber wird in Deutschland nicht gerne gesprochen. Das Stillschweigen darüber steht sogar in vielen Arbeitsverträgen. 

Beim Thema Geld empfinden viele eine Scham. Da sind diejenigen, die wenig Geld haben. Viele von ihnen schämen sich ihrer Armut und wollen sie gerne verbergen. 

Doch Scham gibt es auch bei manchen, die sehr viel Geld haben. Sie wissen insgeheim, dass es zu viel ist. Dafür möchten sie nicht öffentlich angeprangert werden. Oft kommt noch die Sorge hinzu, jemand könnte ihnen etwas wegnehmen. Oder jemand erwartet, dass sie damit helfen dieses oder jenes zu finanzieren. Deshalb: lieber schweigen. 

Manchmal wird dennoch über die ungleiche Verteilung des Geldes gesprochen. Dann ist schnell ein böses Wort zur Stelle: Neid-Debatte. Mit diesem Wort kann man das Thema umgehend beenden, denn niemand möchte neidisch erscheinen. Mich ärgert das. Denn meistens geht es dabei gar nicht um Neid. Sondern es geht um den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft. Dieses Thema sollte nicht zum Schweigen gebracht werden.

Geld spielt nahezu überall eine Rolle - auch im persönlichen Bereich. Nur selten gibt es Freundschaften über große Einkommensunterschiede hinweg. Auch viele Familien tun sich miteinander schwer, wenn ein Teil sehr wohlhabend ist und der andere nicht.

Geld ist wichtig. Bei manchen beherrscht es das Denken oder sogar das gesamte Leben. Dann läuft etwas schief. Passieren kann das überall – bei denen, die sehr viel Geld haben, und bei denen, die sehr wenig haben. Eindrücklich beschreibt das ein Song in der Verfilmung des Musicals "Cabaret". Liza Minelli singt den Song mit dem Titel "Money, Money". Der Refrain lautet übersetzt: "Geld lässt die Welt sich drehen." Wirklich die ganze Welt? 

Das scheint mir übertrieben zu sein. Ich glaube: Es ist doch eher Gottes Schöpferkraft, die die Erde in Bewegung hält. Jedenfalls: In dem Song treffen Glaube und Geld aufeinander. Beide sind zwar ganz verschieden. Aber wir werden sehen: Es gibt doch etwas, das sie gemeinsam haben. 

Was ist Geld? 
Geld ist sehr praktisch. Damit lässt sich das Leben einfach organisieren. Im Alltag fragt daher kaum jemand: Ist das Geld überhaupt sein Geld wert? In biblischer Zeit war das noch einfach. Wenn die Bibel von "Silberlingen" spricht, dann sind das Münzen aus Silber. Deren Wert entspricht genau dem Gewicht ihres Materials. 

Doch schon damals ließen findige Herrscher von den Silbermünzen etwas abkratzen. So sank der Materialwert der Münze, ihr Kaufwert blieb jedoch gleich. Die Differenz floss in die Kassen der Herrscher. Bis der Schwindel aufflog. Dann sank der Wert der Münze – Inflation.

Den Wertmünzen folgten die Geldscheine. Die waren noch praktischer, denn mit ihnen ließen sich große Geldsummen gut transportieren. Aber die Scheine selbst waren ihr Geld natürlich nicht wert. Dafür hinterlegten die Herrscher andere Werte. Mit der Zeit wurde das Geld immer abstrakter. Heute sind in Deutschland weniger als 20 Prozent der gesamten Geldmenge überhaupt als Bargeld verfügbar.  (2) Und davon sind nur gut zehn Prozent wirklich im Umlauf. Der große Rest des Bargelds wird als Wertanlage irgendwo gehortet. 

Der größte Teil des gesamten Geldes ist nur noch eine Idee, eine Zahl, ein digitales Datenpaket. Hinter dem heutigen Geld steht eigentlich nur noch ein einziger Wert: das Vertrauen derer, die es benutzen, in die, die es herausgeben. Das sind die Staaten und ihre Zentralbanken, beziehungsweise in der EU die Europäische Zentralbank. Bröckelt das Vertrauen in sie, bricht das Geld innerhalb von Stunden zusammen. 

In unserer Marktwirtschaft wird nahezu jede Tätigkeit und jedes Produkt mit einem Preis versehen. So kann man ihren Wert gut vergleichen. Aber das hat auch seine Schattenseiten. Denn manches lässt sich nur schwer mit Geld bewerten. Zum Beispiel die Umwelt. Denn sie kann keine Rechnungen stellen. Nur Abrechnungen in Form von Katastrophen. Vieles gibt die Natur einfach unentgeltlich her. Deshalb gehen nicht wenige davon aus, die Natur stünde sowohl kostenlos zur Verfügung als auch folgenlos. Ein Irrtum, der absehbar teuer zu stehen kommen wird.

Ein weiteres Beispiel für die Grenzen des Geldes ist die persönliche Zuwendung: das Kümmern um Kranke, Kleinkinder und Hochbetagte. Vielfach geschieht das zuhause aus Liebe, aus Fürsorge, aus Verantwortung. Der Wert von alldem lässt sich nicht angemessen mit Geld darstellen. 

Für diese Bereiche würde eine zweite Währung gebraucht. Sie müsste Werte darstellen für saubere Luft und lebendige Meere, für Verantwortung und Fürsorge sowie für manches mehr. Leider gibt es eine solche Währung nicht. Das macht die Gesellschaft ärmer.

Es gibt andere Aspekte, da greifen nicht wenige gerne auf das Geld zurück. Etwa bei der Suche nach dem Sinn des eigenen Lebens. Da denken manche: "Je mehr Geld ich habe, desto erfolgreicher bin ich, desto sinnvoller ist mein Leben." 

Viel Geld, viel Sinn - dieses Motto hat noch eine Variante. Sie ist kostspielig und heißt: Kaufrausch. Manche spüren sich erst so richtig, wenn sie Geld ausgeben.
Beide Varianten haben einen entscheidenden Nachteil: Es gibt kein Genug. Nach dem Gewinn und nach dem Kauf muss sofort der nächste kommen. Die Bibel beschreibt das mit einem lapidaren Satz: "Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt." (3) Den Zwang zum Kaufen beschreibt die Popsängerin Shania Twain in ihrem Song "Ka Ching!" Im Refrain heißt es übersetzt: "Alles, was wir wollen, ist immer mehr. Viel mehr, als wir vorher hatten."

Was ist gefährlich am Geld? 
Ein Sprichwort sagt: "Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt." Klar: Eine schöne Rücklage gibt Sicherheit. Damit bewältigt man eine unerwartete Notlage besser. Aber reicht das? Darauf antwortet die Bibel mit einer eindrücklichen Geschichte. (4) Sie steht im Lukasevangelium und handelt von einem Unternehmer - ein Landwirt -, der sehr erfolgreich ist. Er hat gut investiert, gut gearbeitet, das Wetter und die Natur waren ihm wohlgesonnen. Er hat gute Ernten und große Gewinne eingefahren. Die hortet er und denkt zufrieden: "Ausgesorgt. Nun kann ich mein Leben unbeschwert genießen." Doch darin irrt er sich. Von seinem Reichtum hat er nichts, denn in der Nacht holt ihn der Tod. Vor dem steht der erfolgreiche Mann mit leeren Händen. 

Auf den ersten Blick bietet die Geschichte eine sehr moderne Botschaft: "Warte nicht ab mit dem wahren Leben. Es könnte schneller zu spät sein, als du denkst!" Das ist eine wichtige Warnung - zum Beispiel für Broker, die rund um die Uhr an den Börsendaten hängen, um ja keinen Trend zu verpassen. Oder für Berufstätige, die nur ranklotzen, weil sie später einmal auf den Malediven ihren Ruhestand genießen wollen. Oder für Eltern, die sich für ihre Kinder rund um die Uhr komplett aufopfern. 

Doch kehren wir noch einmal zurück zu dem Landwirt in der Bibel. Ich finde: Der hat einiges richtig gemacht. Er hat gut gewirtschaftet. Nach seinem Erfolg war er nicht gierig nach immer mehr. Vielmehr war er mit seinem Gewinn zufrieden. Dieses Genug-Haben gefällt mir. 

Der Evangelist Lukas will mit dieser biblischen Geschichte jedoch noch mehr sagen. Das zeigt sein Schluss-Satz. Der lautet: "So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott." Lukas stellt also die Frage nach Gott. Dabei macht er deutlich: Der Mann hat nur auf seine eigene Kraft gesetzt. Und nur auf sich geschaut. Dabei hat er Wichtiges übersehen. Er hat nicht im Blick, was seine Mitmenschen brauchen. Auch den tieferen Sinn seines Lebens hat er außer Acht gelassen. Kurzum: Er hat nicht mit Gott gerechnet. Deshalb ist er eine tragische Figur. Sie mahnt: Setze dein Vertrauen nicht nur auf das Geld, sondern auch und noch viel mehr auf die große Kraft, die hinter allem und über allem steht. Denn die hat den längeren Atem und den längeren Arm.

Darüber hat die amerikanische Soul-Gruppe The O´Jays einen Song geschrieben. Darin warnen sie davor, sich vom Almighty Dollar, also vom "Allmächtigen Geld" beherrschen zu lassen. Der Song trägt den Titel "For the Love of Money" – aus Liebe zum Geld. Darin sind Zeilen zu finden wie: "Verkaufe deine Seele nicht für das Geld. Lass dich nicht vom Geld verändern. Geld ist die Wurzel allen Übels."

Wem vertrauen? 
"Das Leben ist zu kurz, um billigen Wein zu trinken." Mit diesem Spruch oder ähnlichen Varianten erlauben sich viele so manchen Genuss. Auch Jesus hat nichts dagegen, Geld auszugeben für etwas, das ihm guttut. Einmal ist er bei zwei Frauen zu Gast. (5) Die eine bekocht ihn köstlich, die andere greift zu einer Flasche mit sündhaft teurem Öl. Damit salbt sie seine Füße, massiert seine trockene Haut. Dagegen meutert ein Jünger. Er argumentiert: "Das Öl hätte man für eine Menge Geld verkaufen können. Der Erlös wäre vielen Armen zugutegekommen." Jesus wehrt das ab. Ihm tut das Öl jetzt gut. Er ist auf einem schweren Weg. Da darf das Öl auch mal etwas kosten. In dieser Geschichte zeigt Jesus: Er hängt sein Herz nicht an den Genuss oder an das Geld. Er ist frei vom Geld und damit auch frei zum Geld. 

Dazu gehört auch ein feines Gespür, wo diese Freiheit fehlt, wo sich das Geld vor den Glauben stellt. Dann kann Jesus richtig rabiat werden. Das zeigt er in Jerusalem. Dort besucht Jesus den Tempel. Der ist damals das zentrale jüdische Heiligtum. Dorthin kommen Gläubige von überallher. Sie finden am Tempel ein reges Treiben von Verkaufsständen und Wechselstuben vor . Jesus ist darüber entsetzt, denn die aufdringliche Geschäftigkeit beschädigt die Spiritualität dieses heiligen Ortes. Das Geld verdrängt den Glauben. 

Das macht Jesus zornig. Er stürzt die Tische der Händler und Geldwechsler um. Unzählige Geldmünzen rollen am Boden durcheinander. Seinen Zorn begründet Jesus an anderer Stelle so: "Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen, und wo Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt aber Schätze im Himmel. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz…Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Geld." (7)

Eine ernste Mahnung, eine klare Priorität. Sie klingt bis heute nach und reicht bis in die USA hinein. Die amerikanischen Geld-Gestalter hatten sie wohl vor Augen, denn sie schrieben auf die Dollarscheine: "In God we trust" – auf Gott vertrauen wir. In den USA erinnert also ausgerechnet das Geld daran, Gott zu vertrauen. 

Dazu hat der Popsänger Keith Urban einen Song geschrieben. Der Titel lautet: "You´re Not My God" – du bist nicht mein Gott. Darin heißt es übersetzt: "Es ist nur ein Stück Papier, auf dem steht: ‚In God we trust‘ – in Gott vertrauen wir. Ein bisschen Geld fühlte sich gut an, aber viel davon war nicht genug." Keith Urban singt weiter: "Alle liebten mich, als ich auf der Erfolgswelle schwamm. Und ich dachte, ich hätte alles, als ich das Gold in den Händen hielt." Der Popsänger sagt zu Gold und Geld: "Aber du bist nicht mein Gott und du bist nicht mein Freund. Du bist nicht derjenige, mit dem ich am Ende gehen werde. Du bist nicht die Wahrheit, du bist nur eine vorübergehende Lösung. Und du ruinierst das Leben der Menschen und denkst nicht weiter darüber nach. Du bist nicht mein Gott." 

Wie soll man mit Geld umgehen? 
Genug der Mahnung. Ich möchte positiv fragen: Wie kann man auf gute Weise Geld und Glauben zusammenbringen?

Jesus macht es vor. Er interessiert sich mehr für die Menschen als für das Geld. Für ihn bedeutet Geld nicht Status, nicht Erfolg, nicht Sinn. Für ihn ist Geld ein alltägliches Mittel zum Zweck. Praktisch - mehr nicht. 

Anders der Glaube. Er führt zum Sinn des Lebens.

Dem Geld muss man vertrauen, weil es nur so im Alltag funktionieren kann.
Anders beim Glauben: Gott will man vertrauen, denn Gott schenkt Liebe, Geborgenheit und Hoffnung. 

Was passiert mit mir, wenn ich mein Vertrauen in Gott setze? 

Dann sehe ich die Welt mit anderen Augen an. Dann versuche ich meine Mitmenschen mit den Augen von Jesus zu sehen. Er sah sie mit Respekt, Nächstenliebe und Mitgefühl. Etwas davon prägt dann auch das Sehen und Handeln der Glaubenden. Das macht glücklich, es führt zu Gott, zu einem erfüllten Leben. 

Wenn ich mich Gott anvertraue, benötige ich immer noch Geld. Schon alleine für den alltäglichen Gebrauch. Möglichst auch so viel davon, dass ich mir keine finanziellen Sorgen machen muss. Aber für alles darüber hinaus gilt die Frage: Brauchst du das wirklich oder ist es Überfluss? Wenn es Überfluss ist: Kannst du ihn mit anderen teilen? Kannst du damit Gutes tun? Für andere und mit anderen, Gutes für die Gesellschaft? 

Denn die immateriellen Schätze sind viel wichtiger als die in den Bank-Depots. Dafür gibt Jesus im Lukasevangelium ein prägnantes Bild an die Hand. Er sagt: (8) "Macht euch Geldbeutel, die sich niemals abnutzen, einen Schatz, der niemals abnimmt, im Himmel. Denn wo euer Schatz ist, da wird euer Herz sein." Oder anders gesagt: Liebe kann man nicht kaufen.

Es gilt das gesprochene Wort.


Musik dieser Sendung:
1. Liza Minelli, "Money, Money" 
2. Shania Twain, "Ka Ching!" 
3. The O'Jays, "For the Love of Money" 
4. Keith Urban, "You´re Not My God" 
5. Beatles, "Can´t Buy Me Love" 

Literatur dieser Sendung:
1.  https://www.armuts-und-reichtumsbericht.de/SharedDocs/Downloads/Berichte/siebter-armuts-und-reichtumsbericht.pdf?__blob=publicationFile&v=1
2. 
https://www.bundesbank.de/resource/blob/670998/f65dd4ec16ad6466f6def668c025d65b/472B63F073F071307366337C94F8C870/zahlen-und-fakten-data.pdf
3. Prediger 5,9
4. Lukas 12,16ff
5. 
Johannes 12,1-8
6. 
Matthäus 21,12-17, auch alle anderen Evangelien
7.
 Matthäus 6,19-24