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Blick in den Himmel
Auf dem Weg in ein neues Jahr
01.01.2026 07:05

Der erste Morgen 2026. Von neuem liegen die vier Jahreszeiten vor uns. Wie Lebenszeiten: Stille, Aufbruch, Weite, Fülle. Fritz Baltruweit hat Lieder und Gedanken zusammengestellt für die ersten Schritte hinein ins Jahr.

 

Sendetext nachlesen:

 

"Lass los!", sagt das alte Jahr.
"Es kommt ein Neues, wie es nie war.
Ab und zu von vorn beginnen, 
sich aufs Wesentliche besinnen, 
an Erfahrung dazu gewinnen 
die Zeit nutzen, ohne ihr durch die Hände zu rinnen." 

"Lass mich los!", sagt das alte Jahr.
"Ich habe doch schon graue Haar…
Geh mal mutig neue Wege.
Gib dem Glück mal eine Chance. 
Sei mal aktiv und auch mal träge.
Finde selbst darin Balance.

"Lass los!", sagt das alte Jahr. 
"Es kommt ein Neues, wie es nie war."

                                         Silke Kühn


Diese Worte von Dichterin Silke Kühn sprechen mir aus der Seele.
… und es wär schön, 
wenn mir das in diesem Jahr immer wieder mal gelänge: 
mich aufs Wesentliche besinnen,
an Erfahrung dazu gewinnen 
und der Blick in den Himmel.

Ein Blick in den Himmel verändert meinen Tag:
Ein weiter Horizont tut sich auf.
Die Weite des Himmels lässt mich aufleben 
und die Ahnung in mir aufsteigen:
Ich gehöre in einen großen Zusammenhang.

(gesungen:)
In der Weite des Himmels schwingt deine Güte –
und im Schatten deiner Flügel baust du uns die Welt.
So weit die Wolken gehen, fliegt deine Liebe –
und unter deinen Flügeln sind wir zuhaus,

…bist du uns Quelle, bist du uns Tiefe,
bist du uns Grund, der ewig trägt.
Auf deinem Boden riecht es nach Freiheit.
In deiner Luft atmen wir auf.


In einem Lied in der Bibel – in Psalm 36 – heißt es:

Gott, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,
und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehn.

Wir Menschenkinder finden Zuflucht
unter dem Schatten deiner Flügel.

Wir werden satt von den reichen Gütern deines Hauses.
Du tränkst uns mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens.
Und in deinem Licht sehen wir das Licht.

(gesungen:)
…bist du uns Nahrung, schenkst du uns voll ein, 
lässt du uns wonnig ins Weite sehn. 
Dein Horizont stillt alle Sehnsucht. 
In deinem Licht blühn wir auf. 

In der Weite des Himmels schwingt deine Güte 
und im Schatten deiner Flügel, da ist das Paradies. 
So weit die Wolken gehn, fliegt deine Liebe. 
Unter deinen Flügeln sind wir zuhaus,
sind wir zuhaus.

(Text und Musik: Fritz Baltruweit)


Von solchen "Himmelsblicken" lebe ich 
in den Jahreszeiten – und in meinen Lebenszeiten.
Die Zeiten prägen das Leben:
Im Frühling lebe ich auf, im Wonnemonat Mai besonders. 
In der Sommersonne genieße ich die Weite. 
Im goldenen Herbst danke ich für die Früchte. 
Im kahlen November bin ich dem Tod besonders nah. 
In der Kälte des Winters wärme ich mich am Kerzenlicht. 
Und es wachsen neue Träume.
 
Existentielle Situationen des Lebens 
spiegeln sich im Erleben der Jahreszeiten.
So stehen die Jahreszeiten auch für die Lebenszeiten.

Im Januar und Februar ist es spätestens so weit: Der Winter ist da…
…es ist und bleibt kalt und dunkel – und ich hab das Gefühl: Das hört nie auf… 


1. Ach, bittrer Winter, wie bist du kalt!
Du hast entlaubet den grünen Wald.
Du hast verblüht die Blümlein auf der Heiden.

2. Die bunten Blümlein sind worden fahl,
Entflogen ist uns Frau Nachtigall!
Sie ist entflogen, wird sie wieder singen?


Im Winter hat die Sehnsucht bei mir ihr festes Zuhause.
Wenn ich mich auch in meinem Leben "entlaubt" fühle,
wenn verblüht ist, was mir viel bedeutet hat.
Wenn nichts mehr in mir singt.

Mitten in der Kälte, im Dunkel ist sie da, die Sehnsucht:
Wann wird es wieder heller?
Wann wird es endlich wieder Frühling…


3. Du hältst gefangen des Lichtes Schein
und lässt die Tage dunkel uns sein.
O lass die goldne Sonne wieder leuchten. 
 
(Text und Melodie: Volkslied)


Und dann wird es Frühling. Wie wunderbar!
Wie oft warte ich im Winter darauf, dass es endlich so weit ist:
Dass ein erstes Schneeglöckchen aus dem Schnee lugt,
die Zweige zu knospen beginnen, 
dass Krokusse und Veilchen aufblühn
und mit ihrem Duft die Welt verändern.

Und wenn es dann so weit ist,
zieht es mich nach draußen,
weil die Sonne wieder ein erstes Mal auf der Haut brennt.


Die alten Blätter sind verweht,
die Bäume kriegen junge.
Die Amsel pfeift im Haselbusch
und schnetzt mit ihrer Zunge.

Der letzte Schnee tropft von dem Dach
in unsre Regentonne.
Die Katze auf der Fensterbank
genießt die Morgensonne.

Die braunen Gräser recken sich
und kriegen grüne Spitzen.
Und mittags kann der Großpapa
schon mal im Garten sitzen.

(Text: Eva Rechlin, Musik: Fritz Baltruweit)


Im Frühling gerate ich ins Staunen. 
Alle Jahre wieder. 
Ich weiß doch, dass alles grün wird. 
Dass die Blätter der Buchen hell aus den Knospen schlüpfen 
und der Rasen so schnell wächst wie sonst nie. 
Dass Farben ins Blumenbeet getupft werden. 
Und doch überwältigt es mich, wenn es so weit ist.
(Musik hört auf)

Im Frühling fühle ich mich der Schöpfung ganz nah.
Ich lebe richtig auf.
Ja, und manchmal fliegt es mir einfach zu:
Ein Lächeln, eine Berührung -  
die Liebe… 
und dann ist auf einmal alles anders, 
so als würde ich davonfliegen
bis in den Himmel…



Du leihst mir deine Schwingen.
Wir gleiten still dahin,        
und wir schwingen uns zusammen auf
bis in den Himmel – ich flieg mit dir.
Du zeigst mir die weite Himmelswelt –
und ich flieg mit dir.

(Text und Musik: Fritz Baltruweit)


Im Sommer fließt Gottes Liebe über.
Den Blumen gibt Gott Farben und Duft.
Dem Sonnenlicht schenkt er Wärme und Kraft.
Der Sommer erzählt uns von Gottes Liebe:
Großzügig, verschwenderisch, leise und sanft:
So verschenkt sich Gott an uns.

Weite genießen.
Am Strand über die Wellen schauen 
bis ganz nach hinten zum Horizont.
Oder im Gras liegen und in den Himmel blicken.
Den Vögeln lauschen.
Die Zeit vergessen.

Melodien nachsingen, die mich finden.
…und manchmal bleiben sie auch…


Ich hab ein Lied im Ohr, 
das singt mir leis was vor.
Es bleibt mir treu, wo ich auch bin,
und geht mir nicht aus meinem Sinn.

Die Melodie schwingt sacht,
folgt mir durch Tag und Nacht
wie jemand, der immer zu mir hält,
Gefährtin in einer verrückten Welt.

Wie fand mich dieses Lied?
Wie kommt es, dass es blieb?
Ein Lied, das niemals enden mag,
es leuchtet hell in meinen Tag.

(Text und Musik: Fritz Baltruweit)


Zu Beginn der Herbstzeit feiern wir Erntedank:
danken für das, was da ist, 
was mir, was uns geschenkt wird jeden Tag.

Danke sagen 
für Wasser, Wind, Erde, Brot;
für die Musik und die Stille,
den Rhythmus und die Ruhe.
Danke für die Zeit, die du, Gott, uns gegeben hast.
für das Leben.
für die Gnade.
Danke, dass du da bist, Gott,
dass du mir zuhörst,
dass du mich ernstnimmst,
dass ich meine Gaben in deine Hände legen darf.

 

Ja, das gehört zum Leben dazu:
Daran zu denken: Was ist und was war…        
Und zu danken: Das war schön.         
Und: Das darf ich ernten in meinem Leben. 


Ich hab die Faser nicht gesponnen, 
die Stoffe nicht gewebt, 
die ich am Leibe trage.
Ich habe nicht die Schuhe, 
die Schritte nur gemacht.

Wer mich ansieht, sieht viele andere nicht,
die mich ernährt, gelehrt, gekleidet haben,
die mich geliebt, gepflegt, gefördert haben.
Mit jedem Schritt gehn viele Schritte mit.
Mit jedem Dank gehn viel Gedanken mit.

(Text: Arnim Juhre, Musik: Fritz Baltruweit)


Im Herbst erleben wir auch nach dem Sommer 
noch einmal goldene Tage, 
goldene Farben, 
aber auch:
Es wird kalt und kälter – 
und immer dunkler.
Spätestens im November kommt eins immer wieder hoch: 
das Abschiednehmen, der Tod. 
Allerseelen. Totensonntag.

Albert Schweitzer hat einmal gesagt:
Wir alle müssen uns mit dem Gedanken an den Tod vertraut machen.
Wir brauchen nicht jeden Tag, jede Stunde daran zu denken;
Aber wenn der Weg unseres Lebens uns auf einen Aussichtspunkt führt, 
wo das Nahe verschwindet 
und der Blick in die Ferne bis zum Ende schweift, 
dann die Augen nicht schließen, 
sondern innehalten 
und in die Ferne schauen 
und dann wieder weiter. 


Menschen verlieren, 
die uns lieb und nahe sind.
Die uns fehlen.
Das tut weh.

Deine Stimme nie mehr hören,
dein Lachen nie mehr sehn,
nie mehr mit dir streiten,
mit dir spazieren gehn...
Wie soll ich das begreifen?
Wie soll ich das verstehn?
Du wirst für immer gehn... 

In der Weite des Himmels geborgen,
in der Nähe Gottes zuhaus –
in meinem Herzen bleibt ein Teil von dir
tagein, tagaus.

(Text: Hans-Jürgen Netz, Musik: Fritz Baltruweit)


Wie schön, wenn wir in solchen Situationen nicht allein sind.
Wenn jemand da ist – einfach da. 

Wenn jemand mich stärkt, tröstet, trägt, leitet, 
dann ist das mit Sicherheit ein Engel.


Gottes Engel stärke dich,
wenn deine Kräfte schwinden.
Deine Wunden möge er
liebevoll verbinden.

Gottes Engel leite dich 
auf allen deinen Wegen. 
Seine Kraft begleite dich. 
Geh mit Gottes Segen.

(Text: Martin Buchholz-Fiebig, Musik: Fritz Baltruweit)


Dunkle Zeiten im Leben – wenn es mir nicht gut geht.   
Wenn mein Leben finster ist und kalt.

Winter.
Wenn mehr Dunkel da ist als Licht.

Aber in solch dunklen Zeiten kann sich auch etwas Neues entwickeln. 
Sie können Schöpfungszeiten sein.
Auch als Gott Himmel und Erde schuf, war alles dunkel, kalt und einsam.
Und dann entsteht etwas Neues, das mich aufleben lässt.
Träume, Visionen, die auf einmal wahr werden.
Die mir zeigen: So könnte es sein. 
So will ich leben. 

Die prophetischen Texte in der hebräischen Bibel 
sprechen von solchen Zeiten – mit großen Verheißungen: 
…wie die ganze Welt verwandelt und neu wird.

Das Volk, das in der Finsternis lebt, sieht ein großes Licht.
Und über denen, die im finstern Land wohnen, scheint es hell.

Gott, du lässt sie laut jubeln, 
du schenkst ihnen große Freude:

Zerbrochen hast du das drückende Joch, 
die Stange auf ihrer Schulter 
und den Schlagstock der Peiniger.

Verbrannt wird jeder Stiefel, 
mit dem die Soldaten dröhnend marschierten.

Ins Feuer geworfen wird jeder Mantel, 
der im Krieg mit Blut getränkt wurde.

(Worte aus Jesaja 9)


…ja, wenn etwas davon in diesem Jahr 2026 wahr würde…
Träume darf ich ja haben für dieses Neue Jahr.

Und vielleicht bekomme ich ja an diesem ersten Morgen im Jahr ein Gespür dafür:
Mein Leben gleicht vielen kleinen Teilchen,
die zusammen ein Mosaik bilden.
Jedes einzelne Detail, ob groß oder klein, bunt oder schlicht, 
trägt auf seine Weise zum Gesamtbild bei.
Ich schaue mir die Szenen an, die ich sehen kann.
Manche sind wunderschön: helle, glückliche und bunte Momente.
Manches sieht dunkler aus.
Aber die Schatten verleihen dem Bild auch Tiefe.
Anderes ist noch offen.
Ich sehe immer nur ein Teil des Ganzen.

Und wie schön ist es, wenn es gelingt,
die kleinen Glücksmomente 
und kostbaren Augenblicke einzufangen 
und als Glück zu erkennen…
…und dann all das in Gottes Hände zu legen.

Gott sieht das ganze Mosaik - 
…wird etwas Gutes daraus entstehen lassen -
ein Kunstwerk, das mich ins Staunen bringt.


Wenn nicht Geheimnis bliebe,
was mir warum widerfährt,
wäre die Welt keine Liebe
und keine Traurigkeit wert.

(Text: Detlev Block, Musik: Fritz Baltruweit) 


Frühling – Sommer – Herbst – Winter.
Immer wieder gibt es etwas Neues, das wächst,
das aufblüht in meinem Leben.
Immer wieder gibt es etwas Neues, 
auf das ich mich freuen kann.

Ist es im Frühling meines Lebens besonders schön,
wenn alles sprosst und aufblüht?

Oder im Sommer,
in der Fülle, wenn es mich in die Weite zieht?

…oder im Herbst,
wenn diese satten Farben und die goldenen Sonnenstrahlen uns wärmen?
...

Dabei halten Blicke in den Himmel mein Leben zusammen.
Sie verändern meinen Tag.

Ein weiter Horizont tut sich auf, 
der mich aufleben lässt -
und mich ahnen lässt: 
Ich gehöre in einen großen Zusammenhang.

Von diesen "Himmelsblicken" lebe ich.

Wenn ich in den Himmel geschaut habe,
dann kann ich auch wieder zurück in die Täler meines Alltags –
und sehen, was zu tun ist…

Ob heute irgendwo jemand auf mich wartet
und mich bittet:
Zeig mir den Blick in den Himmel. 
Zeig mir einen Licht-Blick,
ein Stück vom Himmel auf der Erde.


Ich sing für dich im Frühling,
wenn das Schneeglöckchen aus der Erde lugt            
und auf einmal alles aufblüht        
und die Luft dich nach draußen zieht.
Wenn die Liebe ganz neu aufbricht
- ja, und alles ist jung und grün - ,
wenn du vor Glück durch das Leben schwebst,
und du liebst die ganze Welt,
dann sing ich für dich,
ich sing für dich.

Ich sing für dich im Sommer,
wenn du barfuß durch die Sonne gehst,
wenn Blumenmeere blühn
und du im Gras liegst und träumst.
Wenn die Weite dich umfängt
und du mit den Vögeln ziehst,
wenn das Himmelszelt dein Dach ist
und du neue Welten siehst,
dann sing ich für dich,
ich sing für dich.

Ich sing für dich im Herbst,
wenn reiche Ernte naht,        
wenn verklärtes Sonnenlicht    
die Zeit noch einmal golden malt.
Wenn es dann kalt wird, immer dunkler
und der Regen an die Scheiben knallt
und der Rabe an dein Fenster klopft
und es Zeit wird für dich zu gehen,
dann sing ich für dich,
ich sing für dich.

Ich sing für dich im Winter,
wenn alles ruht und schläft,
...und unter dichtem Schneeliegt deine Welt versunken, ganz still. 
Wenn du eingehüllt in Decken
in das Licht der Kerzen schaust,
wenn in der Tiefe Träume wachsen
für ein neues Jahr,
dann sing ich für dich,
ich sing für dich.

(Text und Musik: Fritz Baltruweit)

Es gilt das gesprochene Wort.
 

 

Lieder der Sendung:
1. In der Weite des Himmels (Psalm 36)
2. Winterlied
3. Frühlingswünsche
4. Du leihst mir deine Flügel
5. Ich hab ein Lied im Ohr
6. Vom Denken und Danken
7. In der Weite des Himmels geborgen
8. Gottes Engel stärke dich
9. Klaviereinleitung "In der Weite"
10. Über den Berg gesungen
11. Ich sing für dich