Gemeinfrei via Fundus/ Walter Müller-Wähner
Zuversicht statt Angst
Probleme sind real, Pessimismus nicht
09.05.2026 06:35

Die Stimmung ist schlechter als die Lage. Das ist kein Zufall – Angst lässt sich gezielt säen. Aber Hoffnung auch.

Sendetext:

"Mir persönlich geht es ganz gut. Und das wird wohl auch so bleiben." So oder so ähnlich schätzen viele in Deutschland ihre eigene Lage ein. Für ihr persönliches Leben sind sie optimistisch. Dagegen sehen sie die Zukunft global eher düster. Das zeigen Umfragen – und so erlebe ich es auch in meinem persönlichen Umfeld. Wie kommt es, dass diese beiden Einschätzungen so weit auseinanderklaffen? Die Stimmung scheint schlechter zu sein als die Lage. Zumindest die persönliche.

Ich habe einen Verdacht: Geht da womöglich die Saat der Angst auf? Viele Stimmen beschwören seit Jahren den Niedergang. So kriecht nach und nach eine düstere Weltsicht in die Köpfe und Herzen – obwohl viele im persönlichen Alltag etwas ganz anderes erleben. Familie und Freundeskreis, Arbeit und Freizeit – das läuft. Nicht bei allen, aber doch bei sehr vielen. So entsteht diese merkwürdige Spaltung: persönlich gut, allgemein schlecht. Mir scheint: Damit gehen viele – auch ich – denen auf den Leim, die Angst schüren und Unheil herbeireden. Oft genug mit einer politischen Agenda dahinter.

Aber dem will ich mich entziehen. Ich will mein Leben nicht der Angst überlassen, sondern der Hoffnung. Für mich ist das auch eine Sache des Glaubens. Ich glaube: Gott macht Mut – gerade dann, wenn es schwierig wird. "Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit." So beschreibt es in der Bibel der erste Brief des Timotheus. [¹]

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich will mir nichts schönreden. Die Menschheit steht vor ernsthaften Herausforderungen – von Krieg über Umwelt bis Freiheit. Aber es ist noch lange nicht ausgemacht, wie sich das alles entwickelt. Und deshalb ist auch die innere Haltung entscheidend: Trauen wir uns Lösungen zu? Oder sehen wir uns machtlos eine schiefe Ebene hinunterrutschen?

An dieser Frage scheiden sich die Geister – das sagt Professor Ulrich Reinhardt, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen. [²] Er fand heraus: Die meisten Menschen erkennen den Ernst der Lage ähnlich. Aber sie gehen sehr unterschiedlich damit um. Optimisten glauben, etwas ändern zu können. Pessimisten haben diesen Glauben verloren. Pessimismus entsteht also nicht allein durch die Krisen selbst – sondern auch durch die Art, wie über sie geredet wird. Man kann Krisen herbeireden. Aber man kann auch Lösungen herbeireden.

Das ist ein wichtiger Gedanke. Denn die Hoffnung auf gemeinsame Lösungen ist bereits ein Teil der Lösung. Wer anfängt, ernsthaft und konkret über realistische Wege aus der Krise zu sprechen, verändert nicht nur die Sichtweise auf die Realität – er verändert die Realität selbst. Das pessimistische Narrativ lässt sich durchbrechen. Es ist nicht real. Real sind die Probleme – aber das Gefühl der Hoffnungslosigkeit ist gemacht.

Deshalb will ich Positives erwarten und dafür auch aktiv sein. Meine Haltung geht irgendwie ein in den Fortgang der Welt – vermutlich zwar nur ganz winzig. Schließlich bin ich nur einer von acht Milliarden. Aber ich bin nicht allein. Viele mehr wollen lieber über Hoffnungen reden, über Ideen und Lösungen. Zusammen macht das eine Menge aus.

Diesen Optimismus fördert auch der Glaube. Wer sich auf Gott einlässt, kann eine neue Art von angstfreier Gelassenheit erleben. Psalm 27 fasst das in schlichte, kraftvolle Worte: "Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?"[³]

Angst und Hoffnung stehen sich gegenüber – im persönlichen Leben wie in der Politik. Der Glaube hilft, die richtige Seite zu wählen. Nicht weil er die Probleme wegzaubert. Sondern weil er den Mut gibt, an Lösungen zu glauben.

Es gilt das gesprochene Wort.

Literatur zur Sendung:

 

¹ 1. Timotheus 1,7

² Stiftung für Zukunftsfragen: Wie blicken die Bürger auf das Jahr 2026?

³ Psalm 27,1

Feedback zur Sendung? Hier geht's zur Umfrage!