Gemeinfrei via Fundus/ Birgit Arndt
"Ich bin zu klein, ich habe keine Chance, meine Rechte zu verteidigen." Gegen so ein Denken erzählt Jesus eine Mutmachgeschichte.
Hartnäckigkeit
Dran bleiben lohnt sich
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28.03.2026 06:35

"Ich bin zu klein, ich habe keine Chance, meine Rechte zu verteidigen." Gegen so ein Denken erzählt Jesus eine Mutmachgeschichte.

Sendetext:

Wie geht gutes Leben? Manchmal muss man hartnäckig darauf hinarbeiten und nicht vorschnell aufgeben. Für das eigene Lebensziel eintreten, auch wenn es erst einmal aussichtslos erscheint.

Ich kann mich an eine Situation in meinem Leben erinnern, da erschien mir das Weiterkämpfen aussichtslos. Zu viele waren gegen mich. Ein Freund hat mir gesagt: Du kannst aufgeben, das kann dir keiner verbieten. Aber den anderen wird es egal sein, wie schlecht es dir damit geht. Bleib dran! Ich habe mich dann – auch mit seiner Hilfe – aufgerafft. Und letztlich gewonnen.

Ich finde, jeder Mensch braucht, mindestens einmal im Leben, so eine Unterstützung. Als Hilfe zum guten Leben. Für alle, die keinen so guten Freund haben wie ich damals, für alle, die sich schwach und klein und machtlos fühlen, hat Jesus eine Mutmachgeschichte erzählt. Auf seinem letzten Lebensweg, vor seiner Kreuzigung in Jerusalem, erzählt Jesus das Gleichnis von einer armen Witwe, die sich gegen einen zynischen Richter durchsetzen muss.

In jeder Gesellschaft gibt es benachteiligte Menschen. Zu Jesu Zeiten waren es Witwen. Wenn diese keine Unterstützung durch ihre Familien hatten oder sogar von den eigenen Familienangehörigen um ihr Erbe betrogen wurden, hatten sie keine Chance. Im Grunde gilt das bis heute. Alleine ist es schwer.

Die Frau, von der Jesus erzählt, findet sich mit ihrem Schicksal nicht ab. Sie bedrängt den ungerechten Richter, der für sie zuständig ist. Sie wird richtig lästig. Der Mann bekommt Angst, dass die Frau ihm am Ende noch ein blaues Auge schlagen könnte. Das wäre sowas von peinlich! Die Angst vor der Beschämung ist letztlich größer als seine Gleichgültigkeit und seine Korruptheit. So gewinnt die Frau am Ende tatsächlich noch das, was ihr zusteht: Gerechtigkeit. Ihr Leben!

Wie geht gutes Leben? Das Gleichnis meint: Beharrlich sein, wenn es um das Leben geht. Was es zu einem guten Leben braucht, wird einem nicht unbedingt in den Schoß geworfen. Dafür muss man sich immer wieder hartnäckig einsetzen – auch gegen Widerstände. Das Gleichnis meint: Sage nicht, du bist zu klein. Du kannst viel bewirken – wenn du trotzig bist.

Was braucht es zu einem guten Leben? Hartnäckigkeit. Das gilt auch für gesellschaftspolitische Themen.

Frauen sollten dabei nicht unterschätzt werden. Davon kann die Geschichte Südafrikas berichten. 1977 rief die evangelische Frauenarbeit in Deutschland zum Boykott südafrikanischer Nahrungs- und Genussmittel auf, um gegen das Unrechtsregemine der Apartheid zu protestieren. Der Boykott wurde am Anfang von kirchlicher Seite belächelt, manchmal sogar bekämpft. Was konnten ein paar Frauen schon ausrichten? Manchem leitenden Geistlichen waren die Frauen schier lästig.

Doch die ließen sich nicht einschüchtern. Ich kann mich noch gut an die Frau erinnern, die mir das Ziel der Aktion damals Ende der 1970er Jahre erläutert hat. Eine kleine Person, energisch. Sie hieß Hilde Fuchs, hatte immer ein Hütchen auf dem Kopf und war adrett gekleidet. Sie war alleinstehend. Und kämpferisch. Man sollte alte Frauen nicht unterschätzen.

15 Jahre lang kämpften die Frauen mit dem Schlagwort "Kauft keine Früchte aus Südafrika". Die Aktion hat der südafrikanischen Wirtschaft erheblichen Schaden zugefügt. Sie trug dazu bei, das Unrechtregime zu beenden.

Wie geht gutes Leben? Indem man sich einsetzt. Für Gerechtigkeit, für das, was einem zusteht: Freiheit, Anerkennung, Gleichberechtigung, Menschenwürde. Und Bildung. 

Wie geht gutes Leben, auch für Frauen? Hartnäckig sein. So wie die Witwe, von der Jesus im Gleichnis erzählt. So wie Hilde Fuchs, die unerschrockene Kämpferin gegen das Apartheidsregime, gemeinsam mit den anderen evangelischen Frauen.

Jesus hat Frauen ernst genommen. Und es waren mutige Frauen, die sich, nach seiner Kreuzigung, vor allen Männern, auf den Weg zum Grab gemacht haben.

Gutes Leben haben alle Menschen verdient. Sie bekommen es aber nicht geschenkt. Deshalb: Hartnäckig sein! Es zahlt sich aus.

Es gilt das gesprochene Wort.

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