Gemeinfrei via Fundus/ Solveig Grahl
Vater Unser
Das Gebet der Christenheit aktuell gebetet
21.04.2026 06:35

"Vater unser" – ein Gebet, das die Welt umspannt. Heute beten es Menschen in allen Sprachen, zwischen Hoffnung und Zweifel, Krieg und Versöhnung. Warum dieses uralte Gebet an diesem Morgen so dringend klingt.

Sendetext:

Vater unser im Himmel.

Hier bin ich, mein Gott. Mein Vater, meine Mutter, mein Fels in der Brandung.

Hier bin ich. Nicht nur ich. Wir sind viele und liegen dir heute in den Ohren und beten so, in Deutsch und Polnisch, in Persisch und Englisch, in Kisuaheli und Chinesisch, in allen möglichen Sprachen, Farben und Völkern: Vater unser im Himmel. Wir alle deine Kinder, gleich geliebt. Ich bin eine davon, aber nicht allein mit meiner Hoffnung.

Geheiligt werde dein Name.

Ach Gott, kaum dass der Tag begonnen hat, habe ich schon so viele große Namen gehört. Ich habe von denen gehört, in deren Namen Kriegsschiffe unterwegs sind, Drohnen fliegen, Truppen marschieren, Todesurteile ergehen. Ich denke an deinen Namen. Du hast einmal gesagt, du heißt: "Ich bin, der ich bin. Ich werde sein, der ich sein werde." So hast du dich vorgestellt und dazu gesagt: "Ich habe euer Seufzen gehört, ich will euch aus dem Elend führen." (2. Mose 3) Daran erinnere ich mich und dich in der Frühe des Tages.

Dein Reich komme.

Dein Reich! Nicht die Reiche, an dem die Trumps und Putins bauen. Nicht die schöne neue Welt auf dem Mars. Nicht das erträumte Reich der Superreichen. Nicht der Gottesstaat der Wahnwitzigen. Gott, bewahre! Wir beten um dein Reich, das nicht von dieser Welt ist. Es ist schon unter uns. Lass es wachsen.

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

Dein Wille! Nicht der Wille der Lautesten. Nicht der Wille der Gierigen. Dein Wille! Auch nicht mein Wille, fällt mir dabei ein. Mein Wille ist nicht dein Wille, so gut ich’s auch meine. Das ist manchmal ganz schön hart einzusehen. Bring mir von neuem bei an diesem Tag, dass es nicht allein nach mir geht.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und dazu eine liebevolle Geste, ein wahres Wort, einen ermunternden Blick, eine gute Nachricht. Die brauche ich auch alle zum Leben. Gib! Heute! Morgen will ich von neuem darum bitten. Aber ich frage dich heute und morgen auch: Warum verhungern so viele deiner Kinder, Gott? Das ist nicht auszuhalten. Mach der himmelschreienden Ungerechtigkeit ein Ende. Hilf mir zu teilen.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Nicht leicht, jedes Mal daran erinnert zu werden, wenn ich so zu dir bete: an Schuld. Zuerst an meine eigene, auch an die nie wieder gutzumachende meines eigenen Volkes. Daran, wie viel ich verkehrt gemacht habe und mache. Und dann die Schuld, die ich erlassen soll. Manches kann ich einfach nicht vergeben, das gestehe ich dir. Hilf mir, ehrlich zu sein. Hilf bei dem, was ich oft nicht kann: Verantwortung übernehmen. Um Vergebung bitten. Und selbst vergeben.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Ich schlucke, aber es stimmt: Böse sind nicht immer nur die anderen. Überhaupt: Wann ist das Böse erkennbar böse? Manchmal schon, dann hilf mir, widerständig zu sein. Ach Gott, das Gute ist so tückisch. Es ist verlockend: Ich glaube. Wo werde ich rechthaberisch? Ich hoffe. Wo mache ich mir was vor? Ich liebe. Wo will ich nur besitzen? Wo ist die Grenze? Wir wollen verteidigen. Wo fängt der Wunsch zu töten an? Wir wollen Menschen heilen. Wo fängt unheilvolles Manipulieren an? Wir wollen die Welt besser machen. Wo fängt die Hybris an?

Rette uns vor uns selbst und vor den schrecklichen Möglichkeiten unserer Freiheit, gnädiger Gott.

Denn dein ist das Reich

Und die Kraft

Und die Herrlichkeit

In Ewigkeit.

Amen.

Es gilt das gesprochene Wort.

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