Gemeinfrei via epd-bild/ Nancy Heusel
Hingucken hilft. Gottes neue Welt zeigt sich – zum Beispiel bei den Paralympics.
Der Herzschlag dieser Bewegung
Warum die Paralympics inspirieren
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13.03.2026 06:35

Hingucken hilft. Gottes neue Welt zeigt sich – zum Beispiel bei den Paralympics.

Sendetext:

Es geht so schnell, dass die Kamera fast nicht hinterherkommt. Mit mehr als 100 km/h fegt die Athletin über die Piste, legt sich geschmeidig in die Kurven, passiert Tor für Tor und rauscht über die Ziellinie, als wäre es nichts. Anna-Lena Forster holt die erste Goldmedaille für Deutschland bei den Paralympics in Cortina. Überglücklich schaut sie in die Kamera. Hinter ihr jubelt ihre Familie, ihr Fanclub, der mit angereist ist.

"Königin des Monoski" nennt sie der Kommentator und lobt ihre Unbekümmertheit, denn die Athletin sagt so Sätze wie "Nicht denken, einfach machen."

Für Anna-Lena Forster zählt, was geht, nicht was nicht geht. Anna-Lena Forsters Eltern hatten bei der Geburt gesagt bekommen: "In ihrer Haut möchte ich nicht stecken." Und: "Das Kind wird nie sitzen können." Rechts fehlt ihr das komplette Bein, links hat sie einen stark verkürzten Oberschenkel. Jetzt sitzt sie in einer Spezialkonstruktion auf dem Hochleistungsski. Da, wo andere den Schwung auch aus Knien und Fußgelenken holen, schafft sie es allein hüftaufwärts mit dem Oberkörper. 100 km/h. "Nicht denken, einfach machen."

Das scheint überhaupt ein Motto für die paralympische Gemeinschaft zu sein. Probleme zu lösen, statt welche zu schaffen. Es gelingt weiß Gott noch nicht perfekt, aber es ist ein Weg, und die Paralympioniken sind weit gekommen.

Von außen gesehen zeigt sich hier ein bisschen die Welt, wie sie sein soll.

"Hier sind Unterschiede kein Grund für Trennung, sondern eine Quelle der Stärke." So hatte es Andrew Parsons zur Eröffnung in Verona gesagt, er ist der Präsident des paralympischen Komitees. "Hier kommen Nationen als Nachbarn zusammen. Und die Athleten messen sich mit Leidenschaft und Fairness, doch vereint im gegenseitigen Respekt." 

In den Arenen und auf den Pisten sehen wir hier nun Sportlerinnen und Sportler als Menschen – mit ihrer Kraft und ihrem Wesen, ihre Flagge dagegen nur klein, während auf den anderen Kanälen gleichzeitig Bilder aus den verschiedensten Kriegsgebieten der Welt gezeigt werden. Einschläge hier, riesige Rauchsäulen da. Und es sind die gleichen Nationen. Aber eine scheinbar andere Welt. Nein, es ist die gleiche Welt, nur wurden hier andere Regeln definiert. Nicht für alle Probleme haben die Paralympics eine gute Lösung. Aber für etliche.

Parsons dazu: "Das Paralympische Dorf ist ein lebendiges Modell dafür, wie eine Gesellschaft sein kann und sollte: ein Ort, an dem jeder willkommen ist, jeder dazugehört und jeder wertgeschätzt wird. Eine barrierefreie Gemeinschaft, in der Chancen allen offenstehen."

Eine Athletin erzählt, wie es im besagten Dorf beim Essen zugeht: "Ich helfe der, die nicht sehen kann, die Speisekarte zu lesen, und der ohne Beine hilft dem ohne Arme, das Brötchen zu schmieren."

So kann die Welt sein.

"Das ist schon die neue Welt. Da wächst sie. Seht ihrs?", höre ich Jesus sagen. Er wurde immer wieder gefragt, wann sich alle Versprechungen erfüllen, wann die Welt vollkommen und gut sein wird, so dass Gott gern bei den Menschen wohnt. "Sie wächst doch schon," sagt er. "Und sie beginnt auch in deinem Herzen."

Die Paralympics helfen mir, Bilder zu bekommen, wie das gehen kann: sich wechselseitig Brötchen schmieren, sich Mut zusprechen, wenn es aufregend wird, Gaben stärken, Schwächen ausgleichen. Und all das öffentlich, so dass es möglichst viele sehen können.

In uns allen steckt Potential. Es kann sich entfalten, wenn wir unterstützt werden. Und es verdoppelt sich, wenn wir uns wechselseitig helfen. Und wenn es erst eine gesellschaftliche Grundhaltung wird, potenziert sich das.

Dann wächst diese gute neue Welt, über sämtliche Grenzen hinweg und über sich hinaus. Es arbeiten so viele daran – auf der ganzen Welt. Liebe Kameras – haltet bitte auch da drauf. Dass wir es sehen und wissen: Da wächst ganz viel Gutes. Leise, aber kraftvoll.

"Ihr seid der Herzschlag dieser Bewegung", ruft Paralympics-Präsident Parsons in Verona den Sportlerinnen und Sportlern zu. "Ihr steht für die Zukunft, an die wir alle glauben. Ihr werdet die Generationen inspirieren." Das wächst es. Seht ihr’s?

Es gilt das gesprochene Wort.

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