"Sonnige Tage!" Das war bislang ein guter Wunsch. Die Sonne ist auch in den Religionen ein positives Symbol. Stimmt das noch, seitdem es immer mehr Hitzewellen gibt?
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Ich hatte ganz vergessen, wie schlimm ein Sonnenbrand sein kann. Aber neulich hat es meinen Mann eingeholt. Zweieinhalb Stunden Gartenarbeit in der Mittagssonne genügten, um ihn tagelang zu quälen. Schmerzen, Bläschen, Jucken und leichter Schwindel. Kaum zu glauben, wie schnell das geht und wie heftig es werden kann.
Zugegeben, am Strand hätten wir uns mit Sonnencreme eingerieben, uns geschützt. Vielleicht noch nicht in unserer Kindheit, aber sicher in den letzten Jahren, seit die Urlauber in Australien zur schwarzen Sonnenbrille weitkrempige Hüte und lange Ärmel tragen, weil die UV-Strahlung dort besonders hoch ist. Seitdem schauen auch hierzulande einige gleich am Morgen auf die Strahlung. An den niederländischen Stränden wurden Corona- Desinfektionsstationen zu Sonnencreme-Stationen umgebaut. Und nicht nur wir haben die letzten Urlaube lieber im Norden verbracht.
Seitdem es immer häufiger Hitzewellen und Waldbrände gibt, ist der Traum vom sonnigen Urlaub für einige ausgeträumt. Aber wir reden immer noch, als sei alles wie früher. Wir wünschen einander sonnige Tage und sind stolz auf ein bisschen Sonnenbräune oder wir helfen mit Selbstbräuner nach.
"Nichts Schöneres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein", hat Ingeborg Bachmann in ihrem Gedicht "An die Sonne" geschrieben. Ich habe das immer für eine Beschreibung des puren Glücks gehalten. Einfach da sein, Farben sehen und Wärme spüren – da sein und nichts vermissen.
Kein Wunder, dass viele Völker in der Antike die Sonne für einen Gott hielten, oft für den höchsten Gott. Kein Leben ohne Sonne, ohne Licht und Wärme. Auch in der Bibel zeigen sich Spuren dieses Sonnenzaubers. In einem Psalm steht: "Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen, der du zeigst deine Hoheit am Himmel."
Auch Jesus wird mit der Sonne verglichen. Und immer wieder geht es darum, in seinem Licht zu leben. Ende Dezember, wenn wir Weihnachten feiern, war bei den Römern das Fest des unbesiegbaren Sonnengottes. Unter Kaiser Konstantin wurde das Sonnenfest zum Weihnachtsfest. Alle sollten sehen, dass das Kind in der Krippe größer ist als alle Götter. Dass er unser Leben hell macht. Konstantin will das selbst erlebt haben. Als er an der milvischen Brücke mit seinen Rivalen Maxentius kämpfte, da sah er im Licht der Sonne ein Kreuz mit der Schrift "In diesem Zeichen wirst du siegen".
Die Sonne hinter dem Kreuz steht allerdings ursprünglich nicht für einen militärischen Sieg, sondern für die Auferstehung: den Sieg des Lebens über den Tod. Dass die Sonne heute zur Gefahr wird, finde ich deshalb doppelt schwer zu ertragen. Denn eigentlich ist es ja nicht die Sonne. Es ist die Atmosphäre, die sich so verändert hat – weil wir der Natur Gewalt antun. Weil wir sie nicht schützen, sondern ausbeuten. Es hat mit uns zu tun, wenn das Schöne lebensgefährlich wird. Das ist wohl nicht erst heute so. Aber ist das ein Trost?
Mich tröstet die Schöpfungsgeschichte – die Geschichte vom Anfang, die die Bibel erzählt. Als alles noch grau und düster war, da hängte Gott seine Lichter an den Himmel – Sonne, Mond und Sterne. Wie man Lampen anzündet, so wurde es plötzlich hell: Tags unter der Sonne, nachts unter Mond und Sternen.
Hier ist die Sonne eben keine Gottheit, auch nicht der Quell allen Lebens. Sie ist ein Teil der wunderbaren Schöpfung wie das Wasser und wie das Grün an Land. In dieser biblischen Geschichte entsteht die Sonne erst am vierten Tag. Wasser und Erde gab es da schon. Dann erst kam die Sonne mit ihrer großen Energie, ein Gestirn, mit dessen Gefahren wir sorgsam und vernünftig umgehen müssen.
"Dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts", das wünscht ein Psalm in der Bibel. Behütet sein. Ein breitkrempiger Hut kann wirklich ein Segenszeichen sein.