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Ein Gedicht, das zum Lied wurde und bis heute Menschen bei ihrer Trauer hilft.
Von guten Mächten
Das Gedicht von Dietrich Bonhoeffer
22.11.2025 06:35

Ein Gedicht, das zum Lied wurde und bis heute Menschen bei ihrer Trauer hilft.

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Musik 1: Von guten Mächten (Gitarre instrumental)

Komposition: Siegfried Fietz; Interpret: Reinhard Börner; Album: Du meine Seele, singe. Choräle auf sechs Saiten; Label: Cap!-music; LC: 06860

O-Ton-Collage (voiceover):

O-Ton: Find ich einfach toll, dieses Lied.
O-Ton: Es gibt Kraft, Freude, trotz des Leids.
O-Ton: Das gibt mir wirklich ein Geborgensein.

O-Ton: Ja, also man kann sich an diesem Refrain festhalten, finde ich.
O-Ton: es ist lebbar, singbar, aushaltbar.

O-Ton: Da fühl ich mich richtig befreit auch.
O-Ton: es ist wunderwunderwunderschön.

Autor: Das Lied, das so wirkt, heißt "Von guten Mächten treu und still umgeben". Dietrich Bonhoeffer hat den Text geschrieben, zunächst als Gedicht, zur Jahreswende 1944/45. Da sitzt der Pfarrer und Widerstandskämpfer gegen das Nationalsozialistische Regime im Gestapo-Gefängnis in Berlin. Er schreibt an seine Verlobte und seine Familie.

Seine Verse "Von guten Mächten" wirken noch lange nach seinem Tod weiter. Sie werden auf vielfache Weise vertont. Als Lied stehen sie im Evangelischen Gesangbuch, auch die katholische Kirche hat es in ihr Gotteslob aufgenommen. Besonders populär geworden ist die Melodie von Siegfried Fietz aus dem Jahr 1970.

Musik 2: Von guten Mächten

Komposition: Siegfried Fietz; Interpretin: Eva Lind; Album: Regenbogenfarben (Eva Lind singt Lieder von Siegfried Fietz); Label: ABAKUS Musik; LC: 06461, 0:46-1:16 = 0:30

Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag

Autor: Das Lied wird heute oft gesungen, wenn Menschen Abschied nehmen. Auf Trauerfeiern, in Kirchen oder Friedhofskapellen entfalten die Worte und die Musik eine ganz besondere Kraft. Morgen, am Ewigkeitssonntag, denken viele Angehörige noch einmal an die Menschen, von denen sie in diesem Jahr Abschied nehmen mussten. In den Gottesdiensten werden ihre Namen verlesen. Und an vielen Orten erklingt dann dieses Lied.

Musik 2: Von guten Mächten 1:16-1:46 = 0:30

Noch will das alte unsre Herzen quälen,

noch drückt uns böser Tage schwere Last.

Ach Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen

das Heil, für das du uns bereitet hast.

Autor: In Wassenberg, der Kleinstadt am Niederrhein, wo ich zuhause bin, gibt es einmal im Monat ein Trauercafé. Die meisten, die hierherkommen, sind Frauen. Jedes Mal gibt es einen Impuls für den Tag. Einmal ist es das Gedicht von Dietrich Bonhoeffer und das Lied, das daraus entstanden ist.

O-Ton: Ich muss sagen, dass Freud und Leid so zusammengehören, das sagt dieses Lied aus.

O-Ton: Insofern find ich, ist da sehr dieses Auf und Ab, die Wellenbewegung des Lebens drin beschrieben in dem Lied.

Autor: Tatsächlich lesen sich die Strophen heute wie einzelne Schritte auf dem Weg der Trauer. Da ist das Vergangene, was das Herz schwer macht, eine Last, die noch drückt.
Das Leben ist erschüttert. Ein geliebter Mensch ist nicht mehr da. Wie kann ich annehmen, was geschehen ist, wie damit leben? Dann ist da die Ahnung, dass Gott wieder Freude schenken wird, dass eine Zeit kommt, in der ich wieder festen Boden unter den Füßen habe, in Ruhe zurückschauen und mich an meine Lieben erinnern kann.

O-Ton: Bei mir ist es eben so, dass ich sehr gut beten kann und in diesem Gebet meinen Trost finde. "Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag" – und das bringt mir persönlich jetzt auch, mit diesem Leid fertig zu werden.

Autor: Mit dem Leid fertig werden, beten. Bei den meisten braucht das Zeit. Vielleicht geht etwas davon schon morgen, im Gottesdienst am Ewigkeitssonntag.

Es gilt das gesprochene Wort.

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