Gemeinfrei via Fundus/ Julian Held
Was ist der Mensch?
Die Antwort von Herbert Grönemeyer und der Bibel
18.05.2026 06:35

"Der Mensch heißt Mensch, weil er hofft und liebt, weil er mitfühlt und vergibt", singt Herbert Grönemeyer, der unlängst 70 geworden ist. Was macht Menschsein aus? Die Frage gibt es bereits in der Bibel.

Sendetext:

Musik: Mensch (intro instrumental)

Autor (overvoice): Vor sechs Wochen, am 12. April, ist er 70 Jahre alt geworden: Herbert Grönemeyer. Die ARD würdigt ihn mit einer 90-minütigen Dokumentation. Viele kennen seine Lieder, einige davon haben sich ins kulturelle Gedächtnis unseres Landes eingeprägt. Sein Album "Mensch" ist das mit Abstand meistverkaufte deutschsprachige Album aller Zeiten.

Musik:

und der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt
und weil er staunt und stählt, weil er wärmt, wenn er erzählt
und weil er lacht, weil er lebt, du fehlst.

Autor: 2002 erscheint dieses Album. Persönliche Schicksalsschläge von Herbert Grönemeyer klingen hier nach, werden in Text und Musik verarbeitet. Im November 1998 sterben kurz hintereinander sein Bruder Wilhelm und seine Frau Anna. Was ist der Mensch? Und wie schaffen Menschen das zu leben? Auch mit den Wunden, den Verlusten, dem, was abbricht, offenbleibt oder misslingt?

Musik:

es ist schon o.k., es tut gleichmäßig weh

es ist Sonnenzeit, ohne Plan, ohne Geleit

und der Mensch heißt Mensch, weil er erinnert, weil er kämpft

und weil er hofft und liebt, weil er mitfühlt und vergibt

und weil er lacht, und weil er lebt, du fehlst.

Autor: Ich erinnere mich an einen Familiengottesdienst in unserer Kirche aus dieser Zeit. Die Band spielt diesen Song, und wir fragen: Was ist der Mensch? Oder: Was macht uns zu Menschen? Eine Anspielung auf Psalm 8, ein altes Gebet in der Bibel. Da betet einer zu Gott und staunt: "Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?" (Psalm 8, 4f)

Ja, was ist der Mensch? In dem Gottesdienst damals bringen wir große Gewichte nach vorn und eine Waage. Ein paar dürfen das mal ausprobieren: Wie viel Mensch bringt jeder auf die Waage? Dann zeigen wir zwei Schalen, eine mit Wasser und eine mit Erde: Woraus besteht der Mensch? Und schließlich noch ein Bündel Geldscheine: Haste was, dann biste was! Oder? Woran bemisst sich der Wert eines Menschen?

Musik: Mensch (Zwischenspiel instrumental)

Autor: Herbert Grönemeyer besingt das Zwischenmenschliche, das, was uns Menschen menschlich macht: Wir kämpfen, hoffen und lieben, können mitfühlen und vergeben, uns wärmen, lachen und leben – und noch so viel mehr.

Musik:

und der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt

und weil er schwärmt und glaubt, sich anlehnt und vertraut

und weil er lacht und weil er lebt, du fehlst...

Autor: Oft denken wir, all diese Gefühle, all diese Erfahrungen, das ist schon das ganze Leben, oder? Der Psalm aus der Bibel besingt noch etwas anderes: Gott denkt an uns. Und deshalb können wir leben. Kann sein, manchmal kommt unsere Liebe an Grenzen. Kann sein, manches zerbricht uns unter unseren Händen, und vielleicht fühlen wir uns dann, als seien wir gar nichts. Aber, wir dürfen leben. Als Menschen mit unseren Möglichkeiten und unseren Grenzen. Denn Gott denkt an uns.

Wenig niedriger als Gott sind wir Menschen gemacht, so heißt es in diesem Psalm. Dahinter steckt die Glaubenserfahrung: Gott liebt seine Schöpfung. Gott liebt uns. Mit Haut und Haaren, mit Begabungen und Grenzen. Und dabei ist jeder und jede wunderbar. Vieles bewirken wir aus eigener Kraft. Aber vor allem sind wir, was wir sind, durch Gottes Segen.

Musik: Mensch (Outro instrumental)

Autor (overvoice): Der Mensch heißt Mensch, nicht nur weil wir so viel erleben und so viel schaffen können. Sondern auch: weil Gott an uns denkt.

Es gilt das gesprochene Wort.

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