Ob da wirklich Leute reingehen? Das hat sich unser Autor gefragt, als er an einer Autobahnraststätte eine kleine Kirche aus Beton und Glas gesehen hat. Drinnen hat er mehr gefunden als erwartet.
Sendetext:
Das Gebäude sieht aus wie ein großes Zelt, bloß aus Beton und Glas. Es liegt am Ende eines großen Parkplatzes. Ob da wirklich Leute reingehen? Was ist das überhaupt für eine Idee: eine Kirche direkt an der Autobahnraststätte? Meinen Kaffee habe ich schon getrunken, ich könnte mir noch ein bisschen die Beine vertreten. Also gehe ich da hin.
Es ist wirklich eine kleine Kirche mit allem, was dazugehört. Wenn man reinkommt, drei Sitzbänke rechts und links, vorn ein großer Tisch, darauf ein Kreuz und daneben ein paar Bibeln, gleich in mehreren Sprachen. In der Mitte, aufgeschlagen, eine Art Gästebuch. Rechts ein kleiner Tisch mit ein paar Teelichtern und einem Kerzenhalter. Fünf Kerzen brennen da schon, ich bin also nicht der Erste heute. Es ist still und kühl hier drin. Auch ich werde ruhig. Das geht wie von selbst. Als würde mich allein dieser Ort schon verändern.
Mich interessiert das Gästebuch vorn auf dem Tisch. "Lieber Gott, ich möchte nur ein glückliches Leben. Dass ich einen Job bekomme und all meine Schulden zahlen kann, bitte. Alle aus unserer Familie sollen gesund und glücklich sein. Bitte hilf uns!", schreibt da jemand und unterzeichnet noch mit "Dein S.R." Wow. Das Gästebuch entpuppt sich als Gebetbuch. "Lieber Vater, ich hätte beinahe einen schlimmen Unfall verursacht", schreibt Robin, "Danke, dass alles heil geblieben ist, und dass Anna und ich noch am Leben sind." Puh. Das hätte offenbar auch anders ausgehen können.
Es sind hauptsächlich Gebete, alle vom selben Tag, mehrere Seiten. Ich staune. Die hier etwas hineinschreiben, fühlen sich für den Moment bei Gott zu Gast, das spüre ich auf jeder Seite. Vielleicht ist diese kleine Kirche ein ganz eigener Rast-Platz. "Ich brauche deine Kraft, um mich selbst zu finden", schreibt eine. Die Schrift sieht jugendlich aus. Sie ist ganz unbescheiden: "Ich will ab morgen einfach Geld und Gesundheit haben. Ich will auch sehr viel Frieden. Gib mir die Kraft, mein Herr, nie aufzugeben, den Alltag durchzuziehen und einfach meine Ziele zu erreichen." Mir gefällt das. Sie denkt über ihr Leben nach, will selbst etwas tun, den Alltag durchstehen und Ziele verfolgen, und sie bittet Gott: Gib mir die Kraft! Das alles schreibt sie auf in einer stillen Minute in dieser Autobahnkirche.
Stimmt schon, das hier ist wie ein "Rastplatz für die Seele" – so werden die Autobahnkirchen gern genannt. An der Ausfahrt weist ein Schild auf sie hin: eine weiße Kirche auf blauem Grund. Zurzeit gibt es 44 Autobahnkirchen in Deutschland. Über eine Million Menschen nutzen dieses Angebot jedes Jahr. Viele bestimmt auch an diesem langen Wochenende über Pfingsten.
Bevor ich gehe, schaue ich mich noch mal um, ob ich irgendetwas mitnehmen kann. Da liegen ein paar Prospekte: "Songs und Gebete für unterwegs", ein "Reisesegen im Scheckkartenformat". Außerdem ein "Alter christlicher Segenswunsch in zwölf Sprachen". Ich blättere hinein. Den kenne ich sogar: "Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen. Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.
Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst. Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist." Dann sehe ich noch einen QR-Code fürs Handy. Der führt zu Gebeten, Liedern und Segenstexten, zu verschiedenen Hilfsangeboten der Kirchen und sogar Radioandachten zum Nachhören.
Ich gehe zurück zum Auto und überlege: So ein Buch könnte ich mir auch zu Hause machen. Ein schönes Notizbuch für Gedanken und manchmal auch Gebete. Und wenn ich manchmal nur schreibe: Gott, gib mir Kraft!
Es gilt das gesprochene Wort.
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