Sie war eine Seele von Mensch, sagen viele nicht nur in den USA. Dolly Parton ist mit 80 gestorben. Sie sprach offen von ihrem Glauben an Gott und hat manchen Christen kräftig die Leviten gelesen.
Sendetext:
Diese Woche wehen die US-amerikanischen Flaggen auf Halbmast. Der Grund: Die Sängerin, Songschreiberin und Schauspielerin Dolly Parton ist am Dienstag im Alter von 80 Jahren gestorben.
Ganz Amerika und Millionen Fans auf der Welt trauern um diese Ikone. Die Königin der Country-Musik und eine Seele von Mensch. Sie stammte aus einfachen Verhältnissen, wuchs mit elf Geschwistern in einer Holzhütte auf. Am Ende ihres Lebens war sie Multimillionärin. Sie hat den amerikanischen Traum gelebt, hat sich den Aufstieg selbst erschrieben, ersungen und erkämpft. Politisch hat sie sich nie vereinnahmen lassen. Sie wollte keine Politik machen, aber sie stand für ihre Werte öffentlich ein.
Die Südstaatlerin aus Tennessee war 60 Jahre lang mit Carl Dean verheiratet, hielt das aber nicht für die einzig richtige Lebensform. Dolly Parton war der Grundsatz wichtig: "Finde heraus, wer du bist, und lebe es ganz bewusst." So konnte sie gegenüber konservativen Christen deutlich werden. In einem Interview sagte sie: "Nun, wenn du der feine Christ bist, für den du dich hältst, warum verurteilst du dann andere Leute? Das ist Gottes Job. Wir sind nicht Gott, wir sind keine Richter. Wir sollen einander lieben." Dolly war stolz auf ihre riesige queere Fangemeinde.
Ihr ging es darum, Menschen Mut und Zuversicht zu geben. Das ist ihr in unzähligen Auftritten auf den Bühnen, in TV-Shows und auch als Schauspielerin gelungen. Ihre Fröhlichkeit steckte an. Niemand konnte mehr über sich selbst Witze reißen und lachen als sie. Damit stahl sie auch manch großem Moderator die Show.
Und sie hat abseits der Bühne den Menschen Mut gemacht. Mitte der 90er Jahre initiierte sie das Programm "Imagination Library", das Bücher kostenlos an Kinder verteilt. Inzwischen ist das Programm in fünf Ländern der Welt aktiv und hat über 300 Millionen Bücher verschenkt. Dolly Parton wollte mit diesem Programm ihren Vater ehren, der nicht lesen konnte.
Für mich stand und steht Dolly Parton für das, was Amerika so liebenswert macht: Klare demokratische Überzeugungen, keine Angst vor Fremden, vor Menschen mit anderer Hautfarbe oder anderer sexueller Orientierung, Heimatliebe und weites Herz, soziales Engagement, Kampf für Gleichberechtigung und gleiche Rechte für alle. Das alles mit großartigem Humor, Leichtigkeit und Lebensfreude. Beste Unterhaltung. Und das Ganze speist sich aus einem tief empfundenen Glauben an Gott.
Dieser Glaube hat Dolly Parton von Kindheit an geprägt. Sie hat ihn bewahrt und aus ihm gelebt. Sie sagte: "Ich glaube einfach, dass es einen Gott gibt. Ich glaube, dass Gott mir hilft und mich leitet. Ich spreche jeden Tag mit ihm."
Das scheint auch in manchen ihrer Lieder durch. Ihr bekanntes Lied "Shine" ist schlicht ein Gebet: "Give me a word, give me a sign / Show me where to look / And tell me what will I find."
Gib mir ein Wort, gib mir ein Zeichen / Zeig mir, wo ich suchen muss / Und sag mir, was ich finden werde.
"Lord, teach me how to speak / Teach me how to share / Teach me where to go / and tell me will love be there."
Gott, lehre mich, wie ich sprechen soll, zeige mir, wie man teilt und wohin ich gehen soll, und sag mir: Wird dort Liebe sein?
Der Song mündet in die Bitte des Refrains: "Heaven, let your light shine down."
Himmel, lass dein Licht herabstrahlen.
Dolly Parton war überzeugt: Nach ihrem Tod wird sie in der Engelsband spielen. Dort will sie noch viele Songs schreiben. Die werden wir hier nicht zu hören bekommen, aber die unermüdliche Songschreiberin hat hienieden schon 3000 Songs geschrieben, 450 davon hat sie aufgenommen und viele davon sind noch unveröffentlicht. Die Lieder sind ihr Vermächtnis, und so wird sie Menschen weiter Mut machen.
Es gilt das gesprochene Wort.
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