Gemeinfrei via Fundus/ Hilke Wiegers
"Werdet wie die Kinder", sagt Jesus. Also: Spielt!, folgert unser Autor und entdeckt darin eine heilsame Art und Weise, das eigene Leben zu deuten.
Spiel
Das Leben zwischen Ernst und Leichtigkeit
11.04.2026 06:35

"Werdet wie die Kinder", sagt Jesus. Also: Spielt!, folgert unser Autor und entdeckt darin eine heilsame Art und Weise, das eigene Leben zu deuten.

Sendetext:

Freunde haben sich angesagt. Zum Doppelkopf-Spielen. Bislang haben wir immer bei ihnen gespielt. Dieses Mal kommen sie zu uns. Wo nur könnten die Spielkarten sein?

Anfangs suchte ich nur die Spielkarten, am Schluss hatte ich den ganzen Schrank mit Spielen aus- und aufgeräumt. Wurde auch mal Zeit. Da hat sich doch einiges angesammelt. Die Klassiker, klar. Mensch ärgere dich nicht, Halma, Malefiz, Schach und Co; diverse Spielesammlungen, Quizspiele wie Spiel des Wissens, Karten- und Legespiele wie Uno, Kuhhandel und zum Glück auch die gesuchten Doppelkopfkarten.

Ganz unten hinten steckte das "Spiel des Lebens". Es ist nur ein schwacher Abklatsch des Lebens, dieses Spiel. Doch unversehens war ich bei der Frage, wie viel Spaß und wie viel Ernst ins Leben gehören. Ist das Leben Spiel oder Ernst und wie gehören sie zusammen? Eigentlich spiele ich gerne, aber wann kommt man schon zum Eigentlichen?

Landläufig hat sich eingebürgert: Kinder und Jugendliche dürfen, ja sollen spielen. Aber spätestens mit dem Eintritt in den Beruf beginnt der sogenannte Ernst des Lebens. Diesen Ernst gibt es tatsächlich, denn als Mensch möchte man ja in der Regel ein selbstbestimmtes und selbstverantwortetes Leben führen. Finanziell unabhängig sein. Das arbeiten und tun, was man selbst will und anstrebt.

Und zu diesem Ernst gehört: Man trifft Entscheidungen, die nicht so leicht rückgängig zu machen oder zu ändern sind. Wenn ich mein Leben mit jemandem teile, mich einer Partnerin oder einem Partner verspreche, lässt sich das nicht ohne Verletzungen und heftige Schmerzen abräumen wie ein Brettspiel. Die Karten werden nicht dauernd neu gemischt.

Doch der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt, wusste schon Friedrich Schiller. Und Jesus meinte: Man kann nicht ins Himmelreich kommen – ich sage jetzt mal vereinfachend: Man kann nicht wahrhaft leben –, wenn man nicht wird wie ein Kind. (Matthäus 19,13-15) Wie ein Kind werden. Für mich heißt das: Das Spielen nicht verlernen. Denn nur spielerisch macht das Leben wirklich Freude. Und auf das eigene Leben zumindest gelegentlich draufzuschauen, als wäre es ein Spiel, schafft eine frische Distanz und ist wie ein Frühwarnsystem, das rechtzeitige Veränderungen ermöglicht.

Jedes Spiel braucht Regeln. Das ist sogar das Wesen des Spiels. Kinder legen immer zuerst die Regeln fest, mindestens die Grundregeln, wenn sie spielen wollen. "Ich tät jetzt mal die Mutter sein, und du tätst jetzt mal der Vater sein." So klang es oft aus unserem Kinderzimmer. Und dann wurde sich mit heiligem Ernst in die jeweilige Rolle begeben und losgespielt.

Dabei entstehen Spielregeln selbst spielerisch und müssen im Kinderspiel und im echten Leben immer wieder überprüft und eventuell angepasst werden.

Eine Zeitlang gehörte ich einem Spielkreis von Erwachsenen an. Da haben wir auch ein Brettspiel gespielt, das für Kinder und Jugendliche nicht erlaubt war. Dieses Spiel hatte fast keine Regeln. Man sollte nur möglichst viel Geld verdienen. Alle Pakte und Aktionen dienten nur dem Ziel des eigenen Bankkontos. Man haute die anderen dauernd übers Ohr, hinterging sie und wurde selbst hintergangen.

Das war teilweise richtig schwer auszuhalten. Denn, wenn keine Regeln und Sanktionen gelten, dann schnappt so ein Spiel ins richtige Leben über. Nicht etwa, dass sich mein Bankkonto im richtigen Leben gefüllt hätte, nein, die Freundschaften und das Vertrauen litten. Man erlebte den Freund und die guten Bekannten als so fies und benahm sich auch selbst wie ein Schuft, dass es schwer war, hinterher zu sagen: War doch nur ein Spiel.

Da habe ich schmerzhaft spielerisch begriffen, wie wichtig Regeln sind, im Spiel und erst recht im Leben. Und Vertrauen ist noch viel wichtiger. Nicht nur im Spiel.

Es gilt das gesprochene Wort.

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