Manchmal ist der Energiespeicher leer. Eine Zeit lang kann man provisorisch überbrücken. Aber irgendwann geht es um die Frage: Wo liegen eigentlich meine Kraftquellen?
Sendetext:
Komm in die Gänge! Letzte Woche ging das bei mir ganz wörtlich schief.
Da sitze ich vor dem Haus auf meinem Motorroller und bin am Verzweifeln. Die Batterie ist hinüber. Sie lässt sich nicht mehr aufladen. Ich habe es zwei Tage lang versucht. Sie muss getauscht werden. Keine zwei Winter hat sie gehalten. Ärgerlich, aber nicht zu ändern.
Also muss ich den Roller in die Werkstatt bekommen. Deshalb habe ich die Batterie mit Starthilfe überbrückt und den Motor zum Laufen gebracht. Und trotzdem kann ich nicht losfahren. Der Roller läuft, ich kann Vollgas geben, aber er fährt nicht. Ich kann nämlich keinen Gang einlegen. Ich komm buchstäblich nicht in die Gänge. Der Roller hat eine halbautomatische Schaltung. Eigentlich ist es kinderleicht: Den Schalter neben dem Gashebel von "N" auf "D" stellen, das war‘s schon. Eigentlich.
Ich bin entnervt und mit meinem Latein am Ende. Also rufe ich die Werkstatt an. Die betreibt Ferndiagnose, weiß zunächst auch keinen Rat, recherchiert aber nach und findet heraus: Eine anfangs zu schwache Batteriespannung führt oft dazu, dass sich das Programm, das die Schaltung steuert, aufhängt. Und dann kann man selbst bei laufendem Motor nicht schalten. Das heißt also: Motor erst mal zehn Minuten laufen lassen, dann neu versuchen.
Nach der dritten Starthilfe klappt es: Das Programm hängt sich nicht auf. Ich fahre sofort zur Werkstatt. Dort bekommt der Roller eine neue Batterie eingesetzt. Das Problem ist behoben. Befreit und glücklich genieße ich die erste Ausfahrt in diesem Jahr. Jetzt kann ich schmunzeln über meine Verzweiflung und meine Ahnungslosigkeit, was das Problem anging. Und beim Fahren denke ich: Komm in die Gänge!
Komm in die Gänge! Das sage ich mir sonst oft morgens nach dem Aufstehen. Da ich mehr Eule als Lerche bin, brauche ich in der Früh erstens Kaffee und zweitens solchen Zuspruch. Darüber hinaus hat mein Rollerproblem ein wenig das Zeug zum Gleichnis. Denn manchmal fühlt sich das Leben genauso an. Die Batterien sind hinüber. Den Motor hat man trotzdem irgendwie zum Laufen gekriegt. Er klingt satt und normal, aber man kommt nicht in die Gänge.
Das kenne ich im Kleinen, wenn ich Texte schreiben soll und wie im Leerlauf vor dem leeren Blatt oder Bildschirm sitze. Ich bin da, ich habe auch Ideen, aber es geht nicht. Und im Großen habe ich mich so gefühlt, als ich mich schneller als geplant als Rentner wiederfand. Die Akkus waren leer, ich lief trotzdem auf Hochtouren – nur kam ich erstmal nicht in die Gänge.
Für meinen Roller habe ich die richtige Lösung gefunden, das Problem behoben. Im Leben war das nicht ganz so fix zu fixen. Im Leben halfen mir meine Familie, gute Freunde und mein Glaube an Gott. Die haben mich aufgefangen. Da konnte ich erstens aufladen und zweitens wieder genügend Lebensspannung aufbauen.
Ich will das technische Bild im Vergleich mit dem Leben nicht überstrapazieren. Denn im Vergleich mit Ostern, wo es wirklich um Tod und Leben, Sterben und Auferstehung geht, reicht das Bild nicht. Jesus kriegte ja nicht einfach einen neuen Akku eingesetzt, um auferstehen zu können.
Und doch gefällt mir der Gedanke Im Blick darauf, wie mir selbst der Glaube hier hilft: Wenn ich im Leben nicht vom Fleck komme, obwohl ich die schadhafte Batterie überbrückt habe, hilft ein Neustart oder mehrmals wieder anfangen. Freilich nur kurzfristig. Auf Dauer müssen meine Akkus und Kraftquellen in Ordnung sein. Nur dann liefern sie genügend Spannung, damit ich in die Gänge komme.
Es gilt das gesprochene Wort.
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