Komorebi ist das japanische Wort dafür, wie Sonnenlicht zwischen den Blättern auf den Boden fließt. Unsere Autorin liebt es, in die Bäume und in den Himmel zu schauen. Das hat etwas von unverfügbarer Weite.
Sendetext:
Schon mal von Komorebi gehört? Das ist Japanisch und steht für die Worte: Baum, Sonne und auslaufen. Wenn man zum Himmel schaut und sieht, wie Sonnenlicht zwischen Blättern und Zweigen hindurchfließt. Und es wirft Licht- und Schattenspiele auf den Boden. Das ist Komorebi. Ich mag das. Ich schau gerne in die Bäume. Ich schau gerne hoch zum Himmel. Zu jeder Jahreszeit. Das ist ein Naturschauspiel und noch viel mehr. Für mich hat Himmel immer was von unverfügbarer Weite, von Gott.
Zum Himmel schauen tut mir gut. Mich ausrichten. Teil von etwas Größerem sein. Und mir tut noch etwas anderes gut: in den Himmel schreien. Oder auch flüstern, singen, sprechen, klagen. Hauptsache irgendwohin mit meinen großen Gefühlen und Fragen. Die müssen raus. Und der Himmel hält das alles aus.
Er verträgt unser Schreien. Und unser Schweigen.
Ich kenne die Wut darüber, dass der Himmel zugeschaut hat, nicht eingegriffen hat. Immer wieder.
Und ich kann trotzdem nicht ohne Himmel weiterleben. Ich will es nicht.
Wenn ich HIMMEL denke, ist er immer BLAU. Und leicht. Ohne Worte. Ohne Last. Er legt sich nicht schwer auf meine Schulter. Es ist eh alles schwer genug und manchmal untragbar. Der Himmel, den ich anrufe, ist leicht. Und blau.
Und ich stell mir vor, wir könnten ihn uns umlegen wie ein leichtes Tuch, das uns beschützt und, je nach dem, kühlt oder warmhält. Und geborgen.
Der Himmel kann was! Egal wo ich bin, der Himmel ist immer schon da. Hoch oben, weit weg. Und in mir. Immer da. So wie die Menschen aus meinem Leben, die schon gestorben sind. Weit weg und immer da.
Sie sind im Himmel, sagen viele. Ich sehe das auch so.
Vor ein paar Wochen habe ich mich bei einem großen Fest mit einem jungen Mann unterhalten. Der hat von seiner Großmutter erzählt, ganz liebevoll: "Die schaut gerade zu, von da oben." Und ich hab gesagt: "Ja, ich kenne da auch ganz schön viele. Die sind immer dabei."
Wir haben beide kurz zum Himmel geschaut. Dann die flache Hand aufs eigene Herz gelegt und einander angesehen. Wie eine kleine Choreografie: Im Himmel. Im Herzen. Hier, wo wir sind.
Solche Momente, solche Begegnungen sind HIMMEL.
In der Bibel heißt es oft: die Himmel statt der Himmel. Mehrzahl. Ich mag das: Als würde ein Himmel nicht reichen für Gottes Weite.
Es gilt das gesprochene Wort.
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