Gemeinfrei via Fundus/ Sandra Hirschke
…im Herzen barfuß
So will ich leben, sterben, auferstehen
03.08.2026 06:20

Wer barfuß geht, spürt mehr, ist aber auch verletzlicher. Unsere Autorin würde am liebsten immer barfuß gehen. Für sie beschreibt es die Haltung, mit der sie ihren Glauben an Gott leben will. 

Sendetext:

Am liebsten würde ich immer barfuß unterwegs sein. Wenig Ballast auf der Haut. Keine Barriere zwischen Boden und Fußsohle. Ja, man ist auch verletzlicher. Wer barfuß läuft, spürt mehr. Spürt eigentlich alles. Barfuß heißt: leise, behutsam, wendiger. Und es stärkt die Fußmuskulatur. Langfristig gehen wir so besser durchs Leben.

Den aufrechten Gang lernen wir barfuß. Und diese Haltung entspricht dem christlichen Glauben, wie ich ihn leben will. Die im Herzen barfuß sind – mit dieser Gedichtzeile von Jan Skácel würde ich Christen und Christinnen gerne umschreiben. Die im Herzen barfuß sind.

So kommen wir auf die Welt: barfuß. Adam und Eva, die ersten Menschen, laufen barfuß durch den Garten Eden. Und die Heiligen, die Engel im Himmel - so zeigen es die alten Altäre und Kunstwerke - sie sind alle barfuß. Ganz frei. Ganz im Frieden. Ohne Schmerz.

So soll es also sein. Im Sterben. Im Auferstehen. Im Ewigen Leben. Für meine Liebsten, die schon gestorben sind. Für alle, die im Sterben liegen. Und auch für mich, wenn es so weit ist. Ich bitte Gott darum.

Jede Nacht, wenn ich schlafen gehe, übe ich das ein: mich Gott in die Hände legen und leicht werden. Wie in dem Abendlied "Nun ruhen alle Wälder": "Der Leib eilt nun zur Ruhe, legt ab das Kleid und Schuhe, das Bild der Sterblichkeit; die zieh ich aus, dagegen wird Christus mir anlegen den Rock der Ehr und Herrlichkeit."

Das Kleid ablegen und die Schuhe… Ich sehe das vor mir. Auf dem Johannisfriedhof in Nürnberg liegen am unteren Rand eines Grabes seit einigen Jahren ein paar Schuhe. Als hätte sie jemand von den Füßen abgestreift, einfachs so. Nicht ordentlich nebeneinandergestellt, eher beiläufig, wie eben gerade ausgezogen.

Diese Schuhe und das Grab gehören zu Richard Riedel. Wenige Meter vom Friedhof entfernt liegt das Orthopädiefachgeschäft Riedel. Der, der hier begraben ist, kannte sich aus mit Schuhen und Füßen. Dieses Paar Schuhe ist allerdings aus Bronze. Und quer über das Grab laufen zwei bronzene Fußspuren, barfuß. Der Schritt geht über den Namen des Verstorbenen hinaus. Der zweite Fußabdruck ist nicht mehr ganz erkennbar. So als würde er sich im Gehen schon loslösen - und himmelwärts weiterlaufen.

Christus, der Auferstandene, übrigens, ist auf den alten Bildern immer barfuß.

Es gilt das gesprochene Wort.

Literatur zur Sendung:

Angaben: Jan Skácel, wundklee. Gedichte. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M. 1989, S.11

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