Gemeinfrei via Fundus/ Jürgen Treiber
Lieder zum Gesundwerden
Die Heilkraft der Musik
22.07.2026 06:20

Was hilft, damit Menschen trotz Traumata weiter leben können? Paul Gerhardt hat in Liedverse gefasst, was ihm Lebensmut gegeben hat.

Sendetext:

Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden,

(sie) heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen,

halten uns zeitlich und ewig gesund.

Paul Gerhardt hat diese Zeilen gedichtet in einer Nachkriegszeit, wenige Jahre nach dem Westfälischen Frieden. Dreißig Jahre lang hatte der Krieg Mitteleuropa verheert, ein Krieg um Glaube und um Politik und Macht. Wer überlebte, war traumatisiert, verwundet an der Seele.

Welche schlimmen Erfahrungen Paul Gerhardt selbst machte, wissen wir nur zum Teil. Aber die Weise, in der er von tödlichen Schmerzen im Herzen spricht, lässt ahnen: Er kennt sich zutiefst damit aus. In seinem Gedicht "Die güldne Sonne" klingt immer wieder an, dass das Glaubenslicht gegen dunkle Schatten anleuchten muss. "Laster und Schande, des Satans Bande, Fallen und Tücke treib ferne zurücke". Das große Morden im Dreißigjährigen Krieg und wie die Menschen von Pest und Hungersnöten gequält wurden, das steht hinter solchen Versen: "Menschliches Wesen, was ist’s gewesen? In einer Stunde geht es zugrunde, sobald das Lüftlein des Todes drein bläst."

Zerbrochen ist Paul Gerhardt an den Greulbildern nicht. Stattdessen hat er getröstet, gedichtet, gepredigt, vom Vertrauen auf den himmlischen Vater. "Wenn wir uns legen, so ist er zugegen, wenn wir aufstehen, so lässt er aufgehen über uns seiner Barmherzigkeit Schein."

Paul Gerhardt hatte in seiner Berliner Kirchengemeinde zwei geniale Musiker an der Seite, die die Melodien zu seinen Liedern komponiert haben. Das hat die Kraft seiner Verse noch einmal verdoppelt. Einer von ihnen, Johann Ebeling hat "Die güldene Sonne" vertont.

Wenn sich seine Melodie mit den Worten des Dichters verbinden, dann entsteht ein Klang, der aufs Schönste zu trösten vermag. "Heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen" – für viele ist das Beschreibung und Vollzug zugleich. Das Lied wirkt wie eine ansteckende Gesundheit. Ein Choral als Notfallseelsorge. Die Leute damals hatten es bitter nötig. Und nicht nur damals.

Wenn Menschen in der Katastrophe nicht zerbrechen, wenn zumindest ihre Seelen keinen unheilbaren Schaden nehmen, das ist wunderbar, auch im Wortsinne: Eine Art Wunder. Die Vertrauenslieder von Paul Gerhard und Johann Ebeling leisteten das damals und bis heute, in Krankenzimmern, in Seniorenheimen, bei Auslandseinsätzen. Durch Lieder wie von der güldenen Sonne hindurch schimmern Gottes helle Gnade und Heil. Sie "heilen im Herzen tödliche Schmerzen, halten uns zeitlich und ewig gesund".

Es gilt das gesprochene Wort.

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