Gemeinfrei via Fundus/ Patrick Theumer
Friedenslied
Nicht Triumph, sondern Bitte
21.07.2026 06:20

Es klingt müde, das "Danklied für die Verkündigung des Friedens" von Paul Gerhardt am Ende des Dreißigjährigen Krieges. Es waren zu viele Tote, um erleichtert zu sein. Und es ist zu ungewiss: Wird der Friede halten?

Sendetext:

Gott Lob! Nun ist erschollen

Das edle Fried- und Freudenwort,

dass nunmehr ruhen sollen

die Spieß und Schwerter und ihr Mord.

Endlich war Frieden, nach 30 grauenvollen Jahren, nach schier endlosen Verhandlungen in Münster und Osnabrück. Es kam 1648 zum Westfälischen Frieden. Als endlich die Waffen schwiegen, griff der Dichter Paul Gerhardt wieder einmal zur Feder. Ein Choral zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. Es klingt mir nicht wirklich erleichtert, dieses Lied. "Danklied für die Verkündigung des Friedens" lautet der Titel. Es hört sich an, als wäre der dankbare Paul Gerhardt eigenartig müde und merkwürdig skeptisch. Sieger jubeln anders.

Noch ein Jahr vor dem Friedensschluss stimmt der evangelische Geistliche kraftvoll an: "Nun danket all und bringet Ehr, ihr Menschen in der Welt, dem, dessen Lob der Engel Heer im Himmel stets vermeld’t." 1647, als es noch auf der Kippe stand, bittet Paul Gerhardt: "Er", Gott, "lasse seinen Frieden ruhn auf unserm Volk und Land; er gebe Glück zu unserm Tun und Heil zu allem Stand".

Als endlich der Frieden ausgerufen ist, da liegt die harte Zeit noch lang auf seiner Seele. Wird der Mensch Frieden halten können? "Wir sind und bleiben böse, Gott ist und bleibet treu. Hilf, dass sich bei uns löse der Krieg und sein Geschrei."

Nie wieder Krieg, so höre ich Paul Gerhardt beinahe rufen, das Bekenntnis aller Nachkriegsgenerationen. "Nie wieder Krieg", riefen sie nach dem Zweiten Weltkrieg auch. Die Ruinen und die Toten, sie fordern Umkehr ein. Wieder Paul Gerhardts Friedenslied:

"Das drückt uns niemand besser in unser Herz und Seel hinein

Als ihr zerstörten Schlösser und Städte voller Schutt und Stein;

Ihr vormals schönen Felder mit frischer Saat bestreut,

jetzt aber lauter Wälder und dürre wüste Heid;

Ihr Gräber voller Leichen und blutgem Heldenschweiß

Der Helden, derengleichen auf Erden man nicht weiß."

Nie wieder Krieg, dazu mahnen die Opfer aller Kriege. Darum bitten Christen, dass Gottes Liebe das Herz durchzieht und durchdringt. Mit den Worten von Paul Gerhardt:

"Er lasse seine Lieb und Güt

Um, bei und mit uns gehen,

was aber ängstigt und bemüht, gar ferne von uns stehn."

Es gilt das gesprochene Wort.

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